Heinkel (von Ohain) HeS 3B, Reproduction
Reproduktion Dr. von Ohains Düsenantrieb. Creative Commons License photo credit: cliff1066

Fliegen. Für den einen ist diese Art der Fortbewegung die Inkarnation des Fernwehs, andere so wie ich denken dabei eher an den Mundgeruch des Nachbarn in der Economy Class. Eigentlich schade, aber meistens reicht es eben nicht für die deutliche komfortablere Business oder First Class. Einen Vorteil hat das Fliegen von heute aber in jedem Fall, denn mit ca. 800 bis 900 km/h geht doch recht schnell von Kontinent zu Kontinent.
Das dieses möglich ist, verdanken wir Pionieren wie dem Engländer Frank Whittle und dem Rostocker Flugzeugbauer Ernst Heinkel. Letzterer initiierte vor über 70 Jahren ein privates Projekt mit dem Ziel, ein funktionsfähiges Düsentriebwerk in ein Flugzeug einzubauen. Zusammen mit dem Ingenieur Hans Joachim Pabst von Ohain, der für die Turbine verantwortlich zeichnete, baute er einen flugfähigen Prototypen und heute vor 70 Jahren hob mit der als He 178 bezeichneten Maschine der erste Düsenjet in Rostock Marienehe ab.

Auch wenn das Projekt privat finanziert war, selbstlos war das Engagement Heinkels natürlich nicht. Allerdings fand Hitler keinen Gefallen an dem neuen Antrieb und so baute Heinkel weiter die He 111 und anderes Fluggerät, mit dem dann Städte wie Coventry in Schutt und Asche gelegt wurden. So gesehen ist es ein etwas zwiespältiges Jubiläum an das heute erinnert wird. Aber wie auch immer, die moderne Luftfahrt mit Düsenantrieb nahm in Rostock ihren Anfang.

Leider ist der Original Jet nicht mehr erhalten, er verbrannte bei einem Luftangriff in einem Berliner Museum. Ein Nachbau des Fliegers hängt heute im Rostocker Flughafen Laage. Ebenfalls ein Nachbau ist das He S 3 Triebwerk das 1939 den Jet antrieb und das heute im Deutschen Museum in München zu besichtigen ist. Ein weiteres Exemplar des Triebwerks steht im National Air & Space Museum in Washington. In Rostock steht natürlich kein Exemplar.

Die Protagonisten der damaligen Ereignisse überlebten alle den Krieg und Ernst Heinkel schieb mit dem „Heinkel Roller“ sogar ein Stück bundesdeutsche Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit. Hans Joachim Pabst von Ohain erhielt 1991 zusammen mit dem Frank Whittle, der zeitgleich in England ebenfalls ein Turbinentriebwerk entwickelte, den Charles-Stark-Draper-Preis. Zitat Wikipedia: „Dieser Preis wird von der United States National Academy of Engineering jährlich an Ingenieure verliehen, deren Fähigkeiten wesentlich dazu beigetragen haben, den Fortschritt der technischen Entwicklung, das Ansehen der Ingenieurswissenschaft, die Lebensqualität oder den Zugang zu Informationen zu fördern.“ Sehr schön, so muss Preiswürdigkeit begründet werden.

Bleibt noch der Pilot Ernst Warsitz der für sich in Anspruch nehmen kann, der erste Jetpilot der Luftfahrtgeschichte zu sein. Auch er überlebte den Krieg. Auf der Site firstjetpilot.com hat sein Sohn ihm kleines Denkmal gesetzt, hier findet sich auch ein kurzer Dokumentarfilm der den Start des berühmten Jets zeigt.

Guten Flug!

http://www.firstjetpilot.com/DEindex.html