Buchtipp: Absurd, Holger!

Beziehungsgespräch in Vladivostok.
Holger Blauhut ist der einzig wirkliche Schriftsteller, der je in unserem Blog geschrieben hat, sieht man von Thorsten Czarkowski ab, der einst das vergnügliche Bändchen »Generation Jetta« unter das Volk warf. Blauhuts neues Buch »Absurd Wodka« ist eine amüsante Sammlung tatsächlich oft absurder, manchmal aber auch sehr handfester Betrachtungen, die allesamt im russischen Kulturraum angesiedelt sind.
Sie zu lesen, brachte mich gestern abend zunächst zum Schmunzeln, dann zum Zigarre rauchen und schließlich zum Alkohol. Ich spreche kein Wort russisch und verstehe deshalb vermutlich nur ein Viertel der Anspielungen in den Texten und Bildern des Taschenbuches, doch das genügte, um Gefallen am Werk des Rostocker Schachgroßmeisters und erfahrenen Osteuropakenners zu finden.
Was an den Geschichten nun Blauhuts Hirnwindungen, dem sibirischen Wodkanebel oder der russischen Seele geschuldet ist, mag man nur erahnen. Einfach absurd!


11. Juli 2007 um 08:40
Zigarre und Alkohol habe ich nicht gewollt.
Die russische Seele halte ich übrigens für eine Ausrede, die mitternächtliche Diskussionen in russischen Küchen eigentlich überflüssig macht. Aber es sitzt sich da so gut und irgend etwas muss man ja machen. Hast du nach einigen Stunden, Teekannen (oder Wodkaflaschen – auch aus Joghurtbechern) durch messerscharfe Logik überzeugen können, hast Argumente gegen den Tschetschenienkrieg oder hundertprozentigen Wodka gefunden, wirst du garantiert mit dem Tjutschew erschlagen, der im 19. Jh. mal schrieb, dass man Russland nicht verstehen könne, man könne nur daran glauben.
Also, versuche gar nicht erst mit Russen (sinnvolle Dinge) zu diskutieren, sondern konzentriere dich gleich aufs Trinken.
11. Juli 2007 um 09:05
Wodka ausm Joghurtbecher?! Mhhhh, lecker Wodka-Erdbeer-Shake. ПроÑ?Ñ‚ u Nastarovje.
11. Juli 2007 um 09:32
Hallo Holger, gibt es das Bändchen auch im örtlichen Buchhandel, oder muss ich den charlatanischen Verlag aufsuchen, um ein solches zu erwerben?
Wie findes eigentlich die Russen deine Geschichten? Gibt es derartige Übersetzungen und können die Russen darüber lachen (oder finden die das normal)?
11. Juli 2007 um 09:44
Das Buch kannst Du auch hier zum Preis von 9,90 EUR zzgl. Versandkosten beziehen:
http://www.shop.fernschachpost.de/index.php?cat=P01&product=WODKA-PROMO
11. Juli 2007 um 09:46
Privet Gernot,
du kannst das Buch gern bei mir bestellen. Ich schicke es Dir dann oder bringe es vorbei. Zur Zeit ist es nur in der Anderen Buchhandlung, kann aber überall bestellt werden.
Meine “Moskauer Geschichten” sind auf deutsch und russisch erschienen und die Reaktionen waren schon interessant. Lachen eher weniger (siehe Russische Seele), aber ein riesiges Kompliment. Ein Russe meinte, dass man nicht merkt, dass es ein Ausländer geschrieben hat.
Es gab dann mal eine Lesung in Rostock, bei der praktisch nur Russlanddeutsche da waren. Kommentar: Ganz lustig, aber es ist doch alles ganz anders (siehe Russische Seele).
Im September fahre ich wieder nach Russland. Freue mich schon sehr und kann solche Reisen nur empfehlen.
11. Juli 2007 um 12:51
Mir gefallen solche Geschichtchen auch sehr und da meine Frau Russischlehrerin ist, werde ich wohl beide Ausgaben kaufen müssen
Danke für den Tipp!
11. Juli 2007 um 13:22
Stilistisch würde ich es als Mischung aus Dadaismus, Charles Bukowski und Reisejournalismus beschreiben, wobei der Dadaismus eindeutig in der Vorhand ist – zumindest im Mittelteil des Buches.
11. Juli 2007 um 13:30
Der Mittelteil ist sehr an Daniil Charms ausgerichtet und entstand im Rahmen eines Projektes in Pskow. Falls Dir so etwas gefällt, solltest Du Charms unbedingt mal versuchen.
Zum Beispiel:
Die neugierigen alten Frauen
Eine alte Frau lehnte sich aus übergroßer Neugierde zu weit aus dem Fenster, fiel und zerschellte.
Aus dem Fenster lehnte sich eine zweite alte Frau und begann, auf die Tote hinabzuschauen, aber aus übergroßer Neugierde fiel auch sie aus dem Fenster, fiel und zerschellte.
Dann fiel die dritte alte Frau aus dem Fenster, dann die vierte, dann die fünfte.
Als die sechste alte Frau hinausgefallen war, hatte ich es satt, ihnen zuzuschauen, und ging auf den Malcevskij Markt, wo man angeblich einem Blinden einen gestrickten Schal geschenkt hatte.
11. Juli 2007 um 13:33
Ja Holger, eine sehr schöne Geschichte, sogar mit einem Happy Ending!
12. Juli 2007 um 07:46
Absurd Wodka wird jetzt nur noch mit einem schwarz umrandeten Aufkleber ausgeliefert: Dieses Buch lesen könnte Ihre Zeit töten.
Siehe hier:
http://www.lipola.de/rezension/buecher/buecherabsurdwodka.php
12. Juli 2007 um 08:21
Ist Soraya Levin eigentlich ein Künstlername? Ich möchte auch gerne so schön heißen! Vielleicht Ecardo Le Bur… Die Kritikerin hat offenbar schlechte Erfahrungen mit Büchern gemacht, empfindet sie sie doch als Zeitverschwendung. Ich kann der resoluten Dame da im Großen und Ganzen nur zustimmen, viel Hausarbeit und Papierkram bleiben liegen, wenn man Literatur im Hause hat.
12. Juli 2007 um 12:58
Eieiei, die Dame hat es doch hoffentlich auch gelesen. Ich gehe einfach einmal davon aus. Wenn ich die hiesigen Rezensenten aber richtig verstanden habe, so wil der Autor auch nicht primär etwas mitteilen, sondern unterhalten. Und ist nicht Unterhaltung = Zeitvertreib? Dient nicht die Unterhaltung dazu, sich, wenn man nicht gerade an der Pflicht arbeitet, zu beschäftigen, berieseln zu lassen oder einfach zu entspannen, um nicht stoisch die Wand anstarren zu müssen. Für einige Hartgesottene ist ja sogar Letzteres Unterhaltung mit Thrill-Faktor.
Kritik hin oder her. Bei der Beurteilung dieser (jungen?) Dame schwingt doch ein wenig Antipathie mit. Egal – Schwamm drüber, ich kaufe es dropsdem! Jetzt erst recht!
12. Juli 2007 um 13:08
Nene, mein Lieber, Soraya und ich sind ganz dicke! Deshalb versteht sie auch mal einen kleinen Spaß – am Freitag hocken wir dann wieder zusammen in der Möwe zum Stiefelsaufen. Hauptsache lustig, sagt sie immer!
12. Juli 2007 um 14:37
Nie im Leben heißt diese Frau Soraya Levin. Wahrscheinlich heißt sie Peggy Kraschewski oder Angelika Unterlauf, hat permanent ihre Tage und schon seit 32 Jahren keine Männerbekanntschaften mehr (sie ist jetzt 32 Jahre alt).
Ich liebe auch diese informativen Rezensionen, die komplett noch mal den Inhalt des Buches wiedergeben. Solche Leute verstehen es, Spannung aufzubauen.
Da fällt mir ein Vers aus meinem alten Struwwelpeter-Buch ein: “Sechs Brötchen, wenn es keiner sah, verputzte früh Angelka. Du bist zu dick, sprach Onkel Paul. Angelika, du bist zu faul.” So ähnlich ging das.
12. Juli 2007 um 15:06
Stimmt, ich lese auch grundsätzlich nur den subjektiven Teil. Besonders bei Actionfilmen (Rambo 7, Stirb langsam 4.0) wird gerne auf zweieinhalb Seiten der Pseudo-Inhalt wieder gegeben, der ja eigentlich nur als notwendige Ausgangsbasis für Mord und Todschlag benötigt wird. Das geht dann ungefähr so:
»New York im Jahr 2024. Durch die Klimakatastrophe ist das Leben nur noch in Quantenzonen möglich, ohne in Sekunden zu verbrennen. Doug Johnson erkennt, das eine ausserirdische Macht vom weissen Haus Besitz ergriffen hat und mit Photonenstrahlen die weltumspannenden Kommunikationsnetze beherrscht. Johnson, dessen Frau und Kinder entführt wurden kennt nur ein Ziel: Rache. Ein Wettlauf um die Zeit beginnt«.
Habe ich mir jetzt mal als Anti-Review ausgedacht, denn das, was mich interessiert, hätte hier nicht drin gestanden: Wie viele Autos und Düsenjäger werden zersäbelt, wie viele Explosionen kommen vor, hat sich Bruce Willis bei den Dreharbeiten verletzt und warum hat Scientology den Film finanziert? Hallo Autoren, wollt Ihr Deppen wirklich was über Photonenstrahlen und solchen Kappes lesen?
12. Juli 2007 um 15:51
Autsch – zu spät !
oder: wie ich Urlaubslektüre suchte und ganz viel davon fand.
Nun ist es zu spät: ich habe keine Urlaubsbücher gekauft, nicht mal hier
um Rat gelesen, will nicht mal die DDR Vergangenheit nicht aufarbeiten, obwohl ich noch immer mein FDJ-Plakat von 1982 aufbewahre, auf dem ein direkter Vergleich zwischen den Pershing und SS20 Raketen – zugegeben nicht ganz unparteiisch – dargestellt wird. Wahrscheinlich bin ich immer noch unter psychologischen Einfluss der damaligen Abrüstungspropaganda…
Suchte ich tatsächlich nach Zerstreuung während der teuer bezahlten Urlaubszeit ? Wahrscheinlich und so werde ich sicher versuchen die Bücher zu lesen, die ich in den vergangen Wochen oder Monaten angefangen und nicht zu Ende gelesen habe. Der Roman “Rausch” gehört dazu, in dem über die Verlegung des ersten Telefonkabels über den Atlantik geschrieben wurde, also dem Anfang des elektronischen Dilemmas.
Ich bin dann mal weg !
12. Juli 2007 um 16:16
Am 22. August werde ich ab 20.00 Uhr bei Thalia (in Rostock) aus Absurd Wodka lesen. Davor (am 17. August, 20.15 Uhr) gibt es im Kuhtor noch eine Lesung zum Thema literarisch Reisen: Dänemark – Schweden- Norwegen – Russland, wobei der letzte Teil wieder aus dem Wodka-Buch stammt.
13. Juli 2007 um 10:27
»In Italien ist alles erlaubt, was nicht verboten ist. In Deutschland ist alles verboten, was nicht erlaubt ist. In England ist alles erlaubt und verboten zugleich. In Amerika darf man sich nicht erlauben, etwas zu verbieten. In Frankreich fragt man nicht, ob etwas verboten oder erlaubt ist und in Rußland ist es verboten, etwas zu erlauben.«
Unbekannter Autor
13. Juli 2007 um 13:28
Gibt es das Buch auch bei Amazon zu kaufen?! Finde es interessant!!!
13. Juli 2007 um 13:33
Nein, es ist m. E. bisher im Internet nur beim Charlatan-Verlag erhältlich – einfach oben im Artikel auf »Jetzt im Angebot: ABSURD WODKA« oder auf das Titelbild klicken!
13. Juli 2007 um 13:48
Habs gerade online bestellt!! Versandkostenfrei – supi!
13. Juli 2007 um 14:10
Ab nächste Woche liegt es auch bei Thalia – wir planen schon den Nachdruck …
13. Juli 2007 um 14:23
Mensch Holger, der Laden brummt ja! Stephen King spürt schon Deinen heißen Atem im Nacken… Hauptsache, Du bleibst mit beiden Beinen auf dem Boden – vergiß nie Deine Wurzeln, auch wenn Du mal ganz oben stehst!
13. Juli 2007 um 15:24
Keine Angst – mit meinen Wurzeln kann man nicht ganz oben stehen.
13. Juli 2007 um 22:45
Die alte Zuckerrübe
Mehr Wurzel als alles andere
16. Juli 2007 um 09:42
Habs heute früh im Briefkasten gehabt. Amazon ist ein Schneckenverein gegen diesen Service des Scharlatan-Verlags. Bin schon ganz gespannt. Danke Holger!