Auf die Barrikaden?
Der DGB-Chef Sommer warnt vor sozialen Unruhen in Deutschland und Gesine Schwan, die ach so qualifizierte Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, springt auf diesen Zug auf und warnt, „dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte.“ Dem geneigten Bildzeitungsleser und den Linken aller Couleur überläuft bei diesen Worten ein kalter, bzw. wohliger Schauer. Allerdings werfen derartige Prognosen die Frage auf, gegen wen sich diese Unruhen denn richten würden?
Wirtschaftlich ist Deutschland ein zu 99 % durch kleine und mittlere Unternehmen (mit bis zu 250 Mitarbeitern) geprägtes Land. Gut 70 % aller Beschäftigten sind in diesen Unternehmen beschäftigt. Rechnet man noch die ca. 13 % Beschäftigten dazu, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, dann arbeiten fast 85 % der deutschen Beschäftigten in Unternehmen, deren Manager & Vorgesetzte nicht durch Aktienoptionen & Bonis auffällig bzw. stinkreich geworden sind, die nicht in die Kategorie der Zumwinkels und Schremps gehören. Die zu Recht kritisierte Gier einiger weniger ist eben auch nur in einigen wenigen Unternehmen zu finden.
Bleiben noch die Banken, deren Manager Roulette gespielt haben und nun entsprechend schlecht dastehen. Aber das wars dann auch schon. Da die Wirtschaftskrise uns alle trifft, ist es, wie so oft in der Geschichte – die Wut vieler Betroffener richtet sich gegen einige wenige Verantwortliche.
Gegen wen will man also auf die Barrikaden gehen und was soll dabei rauskommen? Ein paar „Ackermänner“ teeren und federn und sie durch das Frankfurter Bankenviertel treiben, die Filialen amerikanischer Banken stürmen (Antiantiamerikanismus macht sich immer gut), ein paar Demos für das dritte Konjunkturpaket, wo das erste noch nicht mal ausgezahlt ist – und was dann?


23. April 2009 um 13:37
Besonders schlaue Politiker versuchen eben, sich zu Wahlkampfzeiten von den heißen Eisen eine fette Sympathiescheibe herunterzuschneiden – sei es mit Sellering´schen DDR-Devotionen, Koch´schen Ausländertiraden oder Schwan´schen Bürgerkriegsbeschwörungen. Da kann man machen: nix. Einfach gar nicht ignorieren.
23. April 2009 um 14:29
@Martin. Mag alles stimmen. Was mich aber völlig entsetzt, ist der Versuch, das Internet zu kontrollieren. Was hier versucht wird, hat nichts mehr mit Rechtstaatlichkeit zu tun. Vielmehr ist es der verzweifelte Versuch, die »Kontrolle« zu behalten. Das traurige ist, dass der normale Bürger mal wieder von allem nichts mitbekommt. Wie heißt es noch: »… und als sie kamen, um mich zu holen, war keiner mehr da.«
23. April 2009 um 17:45
@ Besonders schlaue Politiker.
Mein neuer Liebling unter den Politikdarstellern heißt ja Gesine Schwan. Die Dame kommentierte den CDU-Vorstoß, die deutsche Spache in der Verfassung zu verankern, mit der Aussage: »Es vermittelt ein Bild von Deutschland, in dem das Deutsche alleinverbindlich ist und alles andere sich in eine homogene Mehrheitsgesellschaft einpassen muss«.
Man mag ja von dieser Idee halten was man will, aber bei: »homogene Mehrheitsgesellschaft« musste ich doch lachen. Wo bitte, hat sie denn diese Gesellschaft entdeckt? In der Gesellschaft in Frankfurt/Oder, wo die Dame einen Lehrstuhl innehat, mag das ja stimmen. Da gibts mit Sicherheit eine homogene DEUTSCHE Mehrheitsgesellschaft, aber sonst?
Das ist das Problem diesen Leuten. Die machen sich nicht einmal mehr die Mühe, zu verbergen, dass sie denken, der Bürger ist blöd.
24. April 2009 um 13:53
Die CDU-Aktion ist ebenso lupenreiner Populismus gen rechts, wie die DDR-Verbeugung Sellerings sich ausschließlich an PDS- und Ostwähler richtet. Die Entgegnung Frau Schwans macht es aber nicht besser: Was sollte, bitteschön, in Deutschland alleinverbindlich sein, wenn nicht deutsch? Allerdings bedarf es dazu keines Gesetzes sondern Common Sense*, wie der Engländer sagt.
*»Common Sense: Gemeinsinn, kein Wahrnehmungsorgan, sondern eine (reflektierende) Urteilskraft für Handlungen ganz allgemein, die sich auf die Gemeinschaft bezieht.« (Quelle: Wikipedia.)
22. Mai 2009 um 16:54
Ich befürchte es wir laufen wie bisher.
Viele Menschen gehen auf die Strassen und demonstrieren. Keiner wird wirklich wahrgenommen und wenn ja wird im kein Gehör geschenkt.
Bis dann wieder ein sogenannter “SChwarzer Block” beginnt Steine auf Polizisten zu werfen.
Dann rückt die Bekämpfung dieser Gewalt wieder in den Vordergrund und niemand weiss mehr so recht worum es eigentlich ging.