Bäckerrügen III

©ro18ger/Pixelio/www.pixelio.de
Rügener Apfelkuchen ohne Blech.
Donnerstag, 7.45 Uhr: Mein neuester Bäckertest beginnt! Ich betrete die Top-Immobilie am Neuen Markt, gleich gegenüber dem Rostocker Rathaus. Vier Fachverkäuferinnen stehen im Tresenbereich, schmieren emsig Stullen, die unter dem Titel »MeckBackys« oder ähnlichem Kreativdurchfall vermarktet werden und wippen zu etwas Unaussprechlichem!
In der Lautstärke von Großraumdiskotheken läuft hier das musikalische Gegenstück zur Unterseite der Fußmatte: Europop, das adipöse Herzstück mecklenburgischer Radiounterhaltung. Ich muss kurz zurücktreten und durch die Nase atmen!
Nach etwa zwei Minuten lustigem Discogeschrei zwischen den Damen werde ich zur Kenntnis genommen und gefragt, was man denn für mich tun könne. Ich bitte um ein Hörnchen, das wortlos – bis auf ein monoton gekrähtes »achtzig« – eingetütet wird. Ich lege das Geld auf den Tresen und gehe. Ab morgen bin ich dann wieder Kunde beim Rostocker Statt-Bäcker, auch wenn ich dort komischer Weise immer das Gefühl habe, Kandidat bei »Tuttifrutti« zu sein.

3. April 2008 um 10:30
@ “…ab morgen bin ich dann wieder Kunde beim Rostocker Statt-Bäcker…”
Richtig so, Herr Bäuerle. Lassen Sie sich zu nichts zwingen, dass Ihnen nicht schmeckt!
3. April 2008 um 11:09
Ich kann definitiv die Bäckerei Lehmann in Alt-Dierkow empfehlen. Ein Familienunternehmen mit Produkten, die es sonst nirgendwo gibt – Schwedenbrötchen! Lecker!
Im übrigen ist man dort auch ein richtiger und gern gesehener Kunde und der Bäcker/die Bäckersfrau gleichzeitig Therapeut. Die Preise hinken sogar hinter der Inflationsrate her, was dem Service dennoch keinen Abbruch tut …
3. April 2008 um 11:14
… und Herr Blöhe bekommt ab heute dort bestimmt einen extra Leumundrabatt, der sich gewaschen hat. Sie verdienen Ihr täglich Brot mit Reklame. Stimmts?
3. April 2008 um 11:19
Allerdings recht schamlos, Herr Blöhe. Ein mir bekannter Grafiker ist ja Ehegatte einer Rostocker Bäckerstochter. Da würde man ein solches Wohlverhalten ja im Sinne der Familienehre noch tolerieren. Andererseits: Reisen Sie tatsächlich – vielleicht im Panzerwagen – ins wilde Dierkow zum Backwarenkauf?
3. April 2008 um 12:08
Ich sagte ALT-Dierkow!!! Da wohnen die Alten. Dort gibt es wunderschöne Villen und eine Aral-Tankstelle (von denen werde ich übrigens NOCH nicht geschmiert). Angst haben muss man da nur vor Hasso, dem Schrecklichen.
Ansonsten mache ich gern auch unentgeltlich Reklame für ein Produkt, von dem ich sehr überzeugt bin. Ich bin also noch nicht wirklich “eingewessiet”
3. April 2008 um 13:15
Wie belieben? Dicke Bikes fahren, Ledermantel tragen, durch New York stromern und dann auf Wessis schimpfen? Mehr Wessi geht doch wohl gar nicht mehr, oder?
3. April 2008 um 13:31
Das iphone und das MacBookPro hast Du vergessen – alles VEB Robotron! Wissen nur die wenigsten …
3. April 2008 um 13:48
Ach ja, Verzeihung! Ich dagegen stehe ernsthaft jede Woche im Heros und shoppe Schleckermäulchen, Schokobecher, Becherovka und Rostocker Doppelkümmel. Ich halte die Fahne für Euch alle hoch!
3. April 2008 um 14:23
Das ist sehr löblich, Herr Bäuerle! Übrigens: Der von mir schon genannte Bäcker hat mir erklärt, dass es gar kein Schwarzbrot gibt, dass die Brote maximal braun werden und nicht schwarz. Das Schwarze am Graubrot ist nur der Farbstoff. Alles nur Blender, diese Westbäcker!!!
3. April 2008 um 14:36
Doch, gibt es! Schwarzes Brot ist nur mit unter sehr hart. Der Bochumer Kunstbäcker Christoph Werdelmann hat welches:
http://www.werdelmann.de/seiten/brot.htm
3. April 2008 um 14:48
Pfui Deibel, Herr Lück, Sie kennen ja Bäcker! Und, Herr Bloehe, soll das heissen, es gab im Osten kein Schwarzbrot? Ich stellte mir früher in stillen Stunden nämlich immer vor, im Gorki Park zu sitzen mit einem Schwarzbrot, Bier und einer Flasche Wodka – dies wird in einem berühmten Spionageroman, dessen Titel mir soeben entfiel, als sowjetische Leibspeise erwähnt. Alles nur Propaganda?
3. April 2008 um 14:59
Leider nein. Ausländer (Schwarze) gab es ja kaum, höchstens Fidschies. In Dresden jedenfalls kannte ich nur Mischbrot. Weil es für misch! war und nicht für andere.
3. April 2008 um 16:07
Naja, ich muss los zum Kolonialwarenhändler, noch einen frischen, französischen Garamond und zwei Pfund russisch Brot besorgen. Damit sind die Texte morgen wieder richtig voll Käse, hihi, Negerküssi und tschüssi!
3. April 2008 um 19:54
Becherovka ist kein Ossiprodukt, schmeckt aber trotzdem, am
besten nach dem Genuß von flüssigen Getreideprodukten !
4. April 2008 um 07:08
Wie bitte, die Tschechen sind keine Ossis? Mentalitätsbedingt hast Du sicher recht, da würde man sie wohl eher den Italienern zuordnen. Lebensfreude und viel Geschäftssinn!
4. April 2008 um 10:12
… nein Tschechen sind keine Ossis, denn sie sprechen nicht sächsisch !
Vielleicht sollten wir einen gemeinsamen BLOG-Einkauf bei HEROS machen um die Ossiprodukte deutlich von Plagiaten zu trennen.
(Identitätskrisen im Anschluß nicht ausgeschlossen)