Bildreport G8 | 02
Selten war Rostock bunter und verstörter als heute. Dabei begann die zentrale Demo zum Auftakt der G8-Woche großartig. Gefühlte Hunderttausend Menschen aus aller Welt – offiziell waren es immerhin zwei Ostseestadien voll – zogen friedlich durch Rostock. Was dann genau am Rande der Kundgebung im Stadthafen passierte, lässt sich schwer sagen. Wer war zuerst da – das grüne Ei oder das tiefschwarze Huhn, das Auto oder die Pflastersteine? Jeder hatte mal wieder Recht. Und je linksautonomer, desto rechter hatte er. Sehr traurig! Denn die Krawalle, egal ob tatsächlich oder nur gefühlt provoziert, bestärken jene, die alle Linken als Chaoten und Schwerverbrecher über einen Kamm scheren und deshalb beim nächsten Mal rechts wählen. Super hingekriegt! Genau die richtige Methode, um die Welt besser zu machen. Doch auch wenn die Bilder und Schlagzeilen im TV, bei SPIEGEL, STERN & Co. das Schlimmste befürchten lassen – von Bürgerkrieg und einer vollständig demolierten Stadt kann keine Rede sein. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die vielen brennenden Autos als ein und dasselbe. Rostock steht noch und die Hubschrauber kreisen über der Stadt. Der Abend ist bis jetzt friedlich und bleibt es hoffentlich auch.
[mygal=g80206]


3. Juni 2007 um 08:54
Mensch Peter. Immer mittendrin, statt nur dabei. Ich habe den anderen Zug vom Schutower Kreuz aus begleitet. Offensichtlich, der etwas kleinere von beiden. Stimmung war aber total genial. Um so enttäuschter war ich dann von den Bildern im Fernsehen. Wer trägt eigentlich die Kosten für die Schäden? Abgesehen von dem Image unser Stadt außerhalb von Rostocks Grenzen. Alleine 900 Autonome kamen mit einem Sonderzug aus Hamburg. Verstehen kann ich nicht, dass diese Vermummten (dass alleine ist schon eine Straftat) nicht wie angekündigt in Vorbeugehaft genommen wurden. Warum redet man erst groß über solche Maßnahmen ohne sie dann in Anwendung zu bringen. Das der “schwarze Block” nicht aus Gründen der Solidarität nach Rostock gekommen ist, steht ja wohl außer Frage. Es ist wie mit den Herren Hooligans – für diese Buben ist es ein Sport sich mit den Ordnungshütern anzulegen.
Schade, das ein so wichtiger Tag, so in die Schlagzeilen gerät.
4. Juni 2007 um 07:48
Hat es Euch die Sprache verschlagen (sonst sprudeln hier doch nur so die frischfröhlichen Kommentare)? – Mir schon. Danke für den Bildreport aus der Festungsstadt. Statt Protest gegen Turboglobalisierung beherrschen nun Randalebilder die Öffentlichkeit. Wem nützte also der “schwarze Block”?
4. Juni 2007 um 07:57
Traurig aber wahr. Rostock ist mal wieder in den Schlagzeilen nur leider aus den falschen Beweggründen. Für mich ist der “Schwarze Block” gleichzusetzen mit dem Treiben der Hooligans. Hier gehts nicht mehr um politisches Debakel sondern um Gewalt als Sport.
4. Juni 2007 um 08:49
1992/2007 – Rostock als Hochburg rechter und linker Gewaltausbrüche.
Das sitzt noch für ne Weile.
Allerdings läßt sich draus was machen. Ein schönes “Erinnern & Bewahren” im Rahmen einer Dauerausstellung könnte mir gefallen. Dazu noch ein Zentrum für Aggressionstherapie und schon hätte man Kultur + Arbeitsplätze im strukturschwachen Osten geschaffen
4. Juni 2007 um 09:13
Herr Lück – meinen allergrößten Respekt für die Fotos, die in so einer Situation nicht nur mit Bedacht sondern auch noch mit sensiblem Gespür für inhaltliche Distanz gemacht wurden ! DANKE !
Verstört ist wahrlich das einzige Wort das auf mich zutrifft -
verstört hat mich:
die Blauäugigkeit der Politik
die Masse der Polizei
die Hilflosigkeit der Demonstranten
die radikale Gewalt vieler Autonomer
die Naivität der Veranstalter
die Nutzlosigkeit der Redner
die Angst in mir selbst
der Katastrophentourismus am Sonntagmorgen in der Kröpeliner
(fehlt nur noch das die Steine vom Samstagabend bei ebay verkauft werden)
Ich bin irritiert und schwanke zwischen Wut und Erstarren.
Irritiert über die Straßenschlacht – ohne die, die Demonstration vom Samstag vielleicht nur als „fröhliche Folkoreveranstaltung“ (Zitat: N24) in den Medien aufgetaucht wäre.
Wegen der Gewalt des “schwarzen Blocks” wird nun mit Furcht und Erstaunen berichtet.
Wieso führt ein Protest MIT radikalen Ereignissen zu stärkerer Beachtung bei denen,
an die der friedliche Protest gerichtet war ? Weil Medien Katastrophenbilder für Ihre Quote benötigen ?
Warum erscheint ein friedlicher und kreativer Protest als “Sturm im Wasserglas” und wird von Politikern ebenso belächelt wie Gewerkschaftsdemos ?
Jetzt kommen Sie – die Politiker und sind:
“zutiefst bestürzt”
“verurteilen aufs schärfste” und
“distanzieren sich deutlich”
All diese Phrasen, die nichts sagen und nichts bewirken und denen jahrelanges Nichtstun voraus gegangen ist.
4. Juni 2007 um 09:42
Die Webseite der Polizei Mecklenburg Vorpommern heute Morgen
4. Juni 2007 um 10:06
Es passt doch alles ins Bild! Was hätte CNN oder Al Jazeera wohl zeigen sollen, als brennede Auto(s)? Also musste eins her. Gut gemacht. Rostock ist wieder auf CNN.
Interressant finde ich dabei, endlich einmal live zu erleben, wie Meinungsmache funktioniert. Der richtige Bildausschnitt, die richtige Cliplänge und fertig ist die Katastrophenstory. Journalismus, wie ihn Bild nicht besser feiern kann.
Schade finde ich, dass die Massen an Polizisten nicht den Arsch in der Hose haben, alle schwarz vermummten Leute in Gewahrsam zu nehmen, in eines der Gefangenenlager zu verbringen und ihnen den Zugang zum Telefon zu erschweren. Dann sollte die Justiz so langsam wie immer funktionieren und nach einer Woche – also quasi im Schnellverfahren hat jeder dann mit seinem Anwalt von der Hotline gesprochen und wird dann wieder auf freien Fuß gesetzt. Man entschuldigt sich höflich bei ihnen für die Unannehmlichkeiten und verweist sie auf kommende (lustige) Krawallereignisse.
Eines muss man Amerika lassen: In New York trit niemand einem Polizisten mal eben ungestraft in den Po.
4. Juni 2007 um 10:18
ARD, ZDF usw. klagen über die einseitige Berichterstattung. Sie selbst zeigen nur die negativen Momente. Was passiert ist kann man nicht schön reden.
Politisch erreicht haben die Steinewerfer damit nur eins: Schäuble und Co können weiter an ihrem Sicherheitsfahrplan festhalten und bekommen immer mehr Zulauf. Geruchsproben, Briefdurchsuchungen, heimliche Onlinedurchsuchungen, Telefonüberwachungen, Verwanzen von Redaktionen, Zugriff auf Mautdaten, E-Mailüberwachung direkt beim Provider, Zugriff auf Konten, Passbild und Fingerabdrücke im Reisepass. 1984 ist längst Wirklichkeit geworden. Die Unschuldsvermutung ist aufgehoben.
Wer nichts zu verbergen hat braucht sich auch keine Sorgen zu machen.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/0,5538,PB64-SUQ9MjIxMDImbnI9OQ_3_3,00.html
4. Juni 2007 um 10:20
Amen.
4. Juni 2007 um 10:24
@: 1984 ist längst Wirklichkeit geworden.
Richtig Herr Both! Leider bekommt man keine 80 tsd oder 30 tsd auf die Straße um gegen diesen totalitären Wahnsinn zu demonstrieren.
4. Juni 2007 um 10:38
Ich denke, wenn man nicht will, dass es zu Übergriffen kommt, dann passiert es auch nicht! Der sogenannte “schwarze Block” hätte sich nicht bilden dürfen. Wie kann es sein, dass sich eine derart abgeschottete Einheit Vermummter zusammenfinden und sich einer friedlichen Demo anschließen kann? Die ganz klare Mehrheit der Bevölkerung, da bin ich mir sicher, waäre dagegen gewesen, also kann sich diese Zusammenrottung auch nicht demokratisch legitimieren. In Anbetracht der Geschehnisse in Hamburg besteht hinreichender Verdacht, dass Straftaten von den Mitglieder ausgehen werden. Demzufolge wäre eine Vorbeugehaft bzw. ein Platzverweis durchaus legitim und notwendig.
Ich als Steuerzahler beteilige mich gern an Gefangenentransporten vor diesem Hintergrund, nicht aber an Schäden hinsichtlich eingeschlagener Poizeifahrzeugscheiben, die durch eine derartige Nachlässigkeit und Unentschlossenheit entstanden sind.
4. Juni 2007 um 11:01
@ nicht aber an Schäden hinsichtlich eingeschlagener Poizeifahrzeugscheiben, die durch eine derartige Nachlässigkeit und Unentschlossenheit entstanden sind.
Nicht schlecht… ::))
Präventive Maßnahmen wie Vorbeugehaft haben aber immer einen totalitäten Beigeschmack. Und auch das Vermummungverbot ist eigentlich einer Demokratie unwürdig.
4. Juni 2007 um 11:19
Das sehe ich anders. Demokratie hin oder her. Hier hat eine Güterabwägung stattzufinden und der Mehrheit (sehr demokratisch) genüge zu tun. Wer sich nicht an Regeln hält, hat hier nichts zu suchen, wer sich angesichts der Übergriffe gerade aus der “schwarzen Ecke” schwarz anzieht und vermummt, der gehört verprügelt. Ich kann nicht in der Gruppe Steinewerfer stehen und wenn die Polizei dann durchgreift die Hände hochreißen und meinen, ich wäre es ja nicht gewesen. Das ist falsch verstandene Demokratie.
4. Juni 2007 um 11:39
wer sich angesichts der Übergriffe gerade aus der “schwarzen Ecke� schwarz anzieht und vermummt, der gehört verprügelt.
Präventives Prügeln? Auch das scheint mir nicht der richtige Weg zu sein. Das “linke” Gewalt mit staatlicher Gegengewalt beantwortet wird finde ich völlig in Ordnung. Dabei darf der Staat auch entsprechend zulangen – entsprechen heißt: das Gedröhne der Linkspartei und anderer Spinner ist zu ignorieren und raus den Schlagstock. Unter dem Aspekt der Waffengleichheit würde ich auch den Einsatz von Steinsalz und Gummigeschossen präferieren.
Aber wie gesagt, es geht hier um Verteidigung im Falle eines Angriffs.
Präventives Einsperren und Verprügeln ist totalitär.
4. Juni 2007 um 11:58
Dann nennen wir es “präventives Aussperren”. Hört sich auch bessre an. Ich denke, der verletzte und gebeutelte Ladenbesitzer vom Warnowufer würde, ebenso wie die friedlichen Demonstranten und das Gros der Rostocker kein Veto einlegen. Es muss deutlich werden, dass WIR hier so etwas nicht wollen. Und wer sich anzieht, wie die Nassbirnen in Hamburg, der wird eben ausgesperrt, sprich aus der Stadt gejagt, wie man es damals im guten alten Wilden Westen gemacht hat
Ob totalitär oder nicht!
Es kommt hierbei auf das Bewusstsein der (friedlichen) Gemeinschaft an. Die sollte es schaffen können, solche Leute aus unserem rostock zu verbannen.
… und im Übrigen auch Medienvertreter, die die Tatsachen verdrehen (das wäre schööön)
4. Juni 2007 um 12:36
Na Gunnar, verrenn Dich mal nicht ;=) Ich möchte nicht in einem Staat leben, in dem das geschieht, was Du hier als wünschenswert darstellst. Und wer sind denn WIR Rostocker? Wir leben in einer offenen Gesellschaft, da finde ich die Formulierungen “WIR Rostocker” und “in unserer Stadt” ehrlich gesagt etwas borniert. Wir sind Teil dieser Welt, da kannst Du nicht sagen, sowas wollen wir netten und unbescholtenen Rostocker hier nicht haben.
Ich frage mich allerdings auch, wieso einerseits die Veranstalter den sog. “schwarzen Block” als zu sich gehörig betrachten (Monty Schädel hatte nichts besseres zu tun, als die Polizei anzuklagen) und andererseits die Polizei nicht in der Lage ist, so eine Randale zu verhindern. Man sollte meinen, dass es dafür genug Erfahrungen, Taktiken und Planspiele aus aller Welt gibt.
Aber vielleicht hat alles ja auch einen tieferen Sinn…
4. Juni 2007 um 13:42
ja, ja der monty schädel, das ist schon ein ganz großer
4. Juni 2007 um 13:52
In der Augsburger Puppenkiste gab es mal eine sympathische kleine Ratte namens Monty Spinneratz. Nein, Monty Schädel ist natürlich keine Ratte, aber ein Sympathieträger ist er erst recht nicht. Eher ein kleiner spinnerter Wichtigtuer.
Die extreme Panikmache vor der Polizei ging mir schon beim Auftakt der Demo am Samstagmittag tierisch auf die Nerven. Und die hysterischen Stimmen einiger Sprecher haben sehr an Mao’s Propagandaschreihälse erinnert. Was da manch eine(r) laut quäkend von sich gab, war manchmal erschreckend naiv und trug alles andere als zur Deeskalation bei.
4. Juni 2007 um 14:05
“Wo sind die Deeskalationsteams der Polizei?” (Zitat: M. Schädel/Spiegel TV) Zu diesem Zeitpunkt allerdings waren die Maßnahmen der Deeskalationsteam nicht mehr gefragt, geschweige denn vom “Schwarzen Block” überhaupt akzeptiert bzw. erwünscht. “Entschuldigung, der Herr mit dem Mundschutz da. Würden Sie bitte keine Steine mehr auf Mensch und Gut werfen! Dankeschön. Peace” Und dann Beamte bedrängen, an ihnen herumzehren und rumpöbeln. Ich weiß nicht. Ist wohl nicht sehr groß die kleine Welt eines Großdemonstrationsorganisatoren.
4. Juni 2007 um 14:48
Dass Herr Schädel nix in selbigem hat, konnte man bereits im Vorfeld der Berichterstattung (z. B. bei extra3) sehen.
Offensichtlich hat der Monty auch als Großdemonstrationsorganisator noch keinen PR-Berater. Ein solcher hätte das Mecklenburger Schlichtgemüt auf keinen Fall so ins Messer laufen lassen…
5. Juni 2007 um 13:17
@ Axel: Klar sind wir ein Teil dieser Welt. Darum geht es ja im Rahmen der Globalisierungsprobleme. Allerdings will ich mit diesem WIR-Bezug deutlich machen, dass man sich durchaus auch mal wieder um sich selbst kümmern sollte und nicht immer nur in die Ferne schweifen. bei allem Globalisierungsgeplänkel verlieren WIR nämlich eines aus den Augen. WIR sollten uns wieder mehr füreinander interessieren und Leute, die uns oder unser Eigentum zerstören wollen, gemeinsam ausgrenzen. Dann kommen diese Subjekte vielleicht irgendwann auf die Idee, dass sie niemand haben will und verlieren die Lust am pubertären Steinewerfen.
Immer nur zu sagen: “Das war ich ja nicht”, oder: “Muss halt jeder selbst entscheiden, wie er seine Meinungsfreiheit durchsetzt” finde ich nicht richtig. Grundrechte bedeuten auch Grundpflichten. Wer seine Pflichten nicht einhält, verwirkt auch seine Rechte.