Cannes 2009: kreativ in der Krise

Goldig: Der Löwe unter den Werberpreisen!
photo credit:Arturo de Albornoz
Die Cannes-Rolle ist beliebter als Tempo-Taschentücher und läuft in jedem Unikino: Jetzt steckt das Megaevent an der Côte d’Azur, bei dem Löwen für alle möglichen Kommunikationsleistungen verliehen werden, tief in der Weltwirtschaftskrise!
Glatte 50 Prozent weniger Teilnehmende erschienen in diesem Jahr zu der traditionellen Großveranstaltung der europäischen Werbeindustrie, die gestern begann. Rund ein Fünftel weniger Beiträge wurden zum Wettbewerb eingereicht.
Inhaltlich geht es hier nach wie vor eher um Schönheit und Kreativität als um Absatz – Persilwerbung mit netten Kleinfamilien würden sich Kunstpädagogikstudenten auch wohl kaum freiwillig auf harten Unikinostühlen anschauen. Armin Jochum, Kreativchef von Jung von Matt/Alster, sagt zur Ausrichtung des Festivals: »In Cannes punkten nicht die Arbeiten mit den meisten Kontakten, sondern jene, die Menschen bewegen«. Merke: Die Menschen sind in diesem Falle Jurys, keine Verbraucher!

22. Juni 2009 um 11:42
Cannes kann mich mal
Nein wirklich. Ich schau mir gern die kreativen Ideen der Einreichenden an, muss auch sehr oft Schmunzeln dabei, werde also meist auch von der jeweiligen Umsetzung angesprochen. Es ist wohl aber eher meine professionelle Sicht, die mich dazu bewegt.
Die Cannes-Veranstaltung ist am Ende aber eine ebensolche Verkaufshow/Butterfahrt wie “Wetten dass?”, “Die WOK-WM” oder “Germany’s Next top Model”.
Weil den Jungs dort scheinbar zu selten gesagt wird, dass man sie lieb hat und sie tolle Ideen haben, schaffen sie sich eine Party, bei der man sich dann einmal im Jahr mit seinesgleichen trifft, die Krise beweint und Kunden beschimpft, die den Etat von 20 Mio auf 15 Mio runtergeschraubt haben. So kann man doch nicht überleben!!
22. Juni 2009 um 13:36
Sehr richtig, sie haben wirklich tolle Ideen, aber Werbung zählt nicht gerade zu den sozial besonders hoch geschätzten Tätigkeitsfeldern. Im Gegenteil, man betrachtet uns wohl eher ähnlich wie jene Kolibris, die sich aus den Zahnzwischenräumen der Kaimane ernähren. Oder wie heißen die Inseln mit den vielen Aktienfonds? Waren es Kolibris oder die Zahnfee? Ein weites Feld!
22. Juni 2009 um 14:45
Nein, nein, mein lieber Herr Bäuerle! Sie gehören nicht zu der Gruppe, die ich meine. Diese Gruppe lebt in einer Parallelwelt. Sie dagegen habe ich in dieser schon einmal in natura gesehen. Ich glaube auch nicht, dass Sie es sich leisten könnten, auf einer Yacht vor Wmde einen kreativen Furz zu lassen, dafür 90% des Budgets abgreifen und den Rest der Praktikanten die Arbeit verrichten lassen, die Sie schlussendlich auf die Titelseite der W&V bringt.
Obwohl – schön wär’s oder?
22. Juni 2009 um 14:47
Ja, ich lasse mich sofort korrumpieren – hallo Großkonzern, bitte nimm mir die Selbstachtung! Ach, Du willst gar nicht? Schade…
22. Juni 2009 um 23:53
ach, es geht hier nicht um das filmfestival von cannes.
wieviel menschen leben eigentlich von der werbung, was wird denn da umgesetzt, hier in europa.
ich kann mir vorstellen, das arbeitsplätzer in den “leichten” branchen schneller vernichtet werden.
23. Juni 2009 um 07:48
Ja, das kann schnell gehen. In der Branche gibt es natürlich keine IG Metall, die Jobgarantien fordern könnte. Aber dafür macht die Sache viel Spaß! Es ist allerdings nicht das Filmfestival gemeint, sondern die Verleihung der »Werbelöwen«.
23. Juni 2009 um 09:33
@ Ekkard: Richtig! Keine IG Metall, keine Jobgarantien. Das heißt, arbeiten und mit Qualität überzeugen. Weihnachts- und Urlaubsgeld … was ist das?
Wenigstens haben wir mindestens einen Arbeitstag mehr im Monat zur Verfügung, da wir nicht permanent zu irgendwelchen Demos und Streiks müssen. Ich weiß, das war jetzt böse. Aber ich denke dabei immer an die streikenden VW-Mitarbeiter … dieses Thema hatten wir hier schon.