Ich habe ein Spiel gesehen, wie es einem Fußballfan nur einmal in seinem Leben live zuteil wird. In einem Hexenkessel von 72.000 Gauchos und Germanen erlebte ich, was beim Worldcup möglich ist.

Glaube, unermüdlicher Einsatz und die nötige Portion Glück haben dem deutschen Team in einem schier endlos erscheinenden Spiel gegen überlegene Spielkultur und internationale Erfahrung der Argentinier zum Sieg verholfen.

So kannten wir uns noch gar nicht

Das 5:3 im ausverkauften Berliner Olympiastadion ist wohlverdient: Nicht wegen der Genialität von Einzelspielern, sondern durch eine überzeugende Symbiose von Teamgeist und Fansupport, die es so in Deutschland noch nicht gab.

Die Zuschauer haben den Sieg förmlich erzwungen: Jeder argentinische Ballkontakt oder Verschleppungsversuch durch den Torwart ging in einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert unter. Jeder deutsche Torschuss wurde von orkanartigem Jubel begleitet.

Der Sozialismus siegt!

Jedes deutsche Tor führte zu extremsten, orgiastischen Gefühlsäußerungen: Vorstände von Weltunternehmen lagen sich mit Dosenbierproleten in den Armen und sangen: »Schwaaaazund waaaaaaiß… Wiestehnaufeuräseitee!!!!!«

Der Sozialismus siegt, zumindest solange Deutschland beim Fußball siegt. Das Ende war ein Triumph ohnegleichen, ein Taumel vom Glück gezeichneter Gesichter auf dem Platz und auf den Rängen. Das hat so Spaß gemacht, das kann so weiter gehen!