Dreierlei Zuverlässigkeit

Bienvenue à Schloss Bellevue.
photo credit: james_clear
Wer soll unser Präsident werden? Merkel weiß natürlich um Christian Wulffs Verlässlichkeit. Luc Jochimsen von den Linken ist auf ihre Weise sicher die pure Zuverlässigkeit, aber eben auch äußerst polarisierend. Joachim Gauck hingegen ist verlässlich in seiner authentischen Unberechenbarkeit, folgt einem unbestechlichen, moralischen Kompass. Gauck ist der Kandidat, der Ost und West tatsächlich verbinden könnte. Wulff verbindet nur CDU und FDP.

9. Juni 2010 um 09:40
Tja, die Wahl wird nicht leicht werden! Obwohl der Herr Gauck ja schon irgendwie eine Aussage dazu getätigt hat! Auch, wenn dies schon ein paar Tage her ist. Die Frage bei ihm ist ebend nur noch, ob der Job des Bundespräsident "ehrenhalber" oder doch "fulltime" definiert ist. Eine Antwort erübringt sich hier sicher. Ich bin ja der Meinung, dass das Amt des Bundespräsidenten einem "Weisen" aus Wissenaschaft oder Wirtschaft vorbehalten bleiben sollte. Damit es auch Kontra gegen Politik und Politiker geben kann. Die oder derjenige, sollte natürlich genau dafür auch den "Arsch" in der Hose haben und den Mum in den Knochen das Wort zu erheben.
9. Juni 2010 um 09:45
Das mit dem Wirtschaftsweisen war ja leider nicht von Dauer. Mumm und Arsch hat Herr Gauck ganz sicher durch seinen Lebenslauf bewiesen. Außer dem denke ich, der geht alles in seinem Leben »fulltime« und »fullspeed« an. Die arme Frau!
9. Juni 2010 um 09:52
Das der Horst, nicht gerade der "Aufmucker" vor dem Herrn war, bestreitet ja keiner. Ich zumindestens nicht. Ich meine, wir brauchen für diesen Job einen Typen, wie den hier. Der Dinge beim Namen nennt, Zusammenhänge erkennt und auch mal das Wort "Skandal" in den Mund nimmt. Ob es denn auch etwas bringt, steht ja auch einem ganz anderen Blatt geschrieben.
9. Juni 2010 um 09:54
… steht ja auch AUF einem ganz … [ich bin so schusselig] !
9. Juni 2010 um 09:58
Hab ich doch verstanden. Polarisiert der Herr nicht auch wieder etwas sehr? Der Präsident soll ja eigentlich weniger das Parlament anzünden und die Systemfrage stellen, als vielmehr die Menschen verbinden, oder?
9. Juni 2010 um 10:13
Wir wählen unsere Politiker, wenn wir denn wählen gehen, in die Ämter und Positionen, in denen sie dann meist gegen das VERsprochene Wahlverprechen agieren und labertieren. Da bleiben uns nur wenig Instanzen über, die uns vor garantierten Unheil eventuell noch schützen könnten. Zum Einem ist das die Oposition (uuhhh, ahhh, ihhh) und zum Anderen das Veto des Bundespräsidenten. Mehr Handhabe haben wir doch nicht! Darum – KEINE POLITIKER in dieses Amt!!! Und Entertainment haben wir doch auch genug. Oder? Ich weiß doch auch nicht.
9. Juni 2010 um 10:16
Hauptsache keine Marionette der Politik.
9. Juni 2010 um 10:16
Da gebe ich Dir recht. Aber der Herr muss vor Dienstbeginn dringend noch zum Frisör! Die buschige Mütze ist ja wohl von Barbies Ken gemoppst!
9. Juni 2010 um 10:17
Jo, das stimmt.
9. Juni 2010 um 10:22
Offenbar hat Wulf – anders als Merkel – wenigstens Kontakt zur Aussenwelt. Zitat Wulf im Hamburger Abendblatt zur Direktwahl des deutschen Staatsoberhaupts: “Ich bin dagegen, den Bundespräsidenten vom Volk wählen zu lassen.”
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Aktuelle Umfargewerte
Stern: 92 % Joachim Gauck, 7 % Christian Wulff
Bild: 75 % Joachim Gauck, 25 % Christian Wulff
Radio Hamburg: 62 % Joachim Gauck, 38 %Christian Wulff
Welt: 80 % Joachim Gauck, 20 %Christian Wulff
SWR: 89,9 % Joachim Gauck, 5,6 % Christian Wulff
Süddeutsche: 91 %Joachim Gauck, 6 %Christian Wulff
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Fehlende Prozente sind Stimmen für “Andere”. Das Ergebnis der ARD-Umfrage (knapp 100.000 Stimmen, Stand heute), die eine ebenso deutliche Sprache spricht, wurde hier ja schon x-mal kommentiert.
9. Juni 2010 um 10:31
Ich bin eigentlich auch dagegen. Ansonsten wären nämlich Campino und Beckenbauer unser Präsidentenpaar und der Einschmeichelungswettbewerb um des Volkes Befindlichkeit würde in eine neue Runde gehen. Es reicht auch so schon!
9. Juni 2010 um 10:44
Klar, das setzt voraus, dass die These von Politikern und Bankern, ein Bundesbürger kann nicht bis Drei zählen, stimmt. Eine Wahl Gaucks könnte die aktuelle Regierungskoalition destabilisieren. Schon deshalb, wird die Bundesversammlung (in der Theorie bestehend aus sog. “Volksvertretern”) es zu verhindern wissen.
11. Juni 2010 um 08:56
Hat jemand von euch ein Ahnung, warum sich diesmal ein so großer Teil der so genannten “Masse” für die Besetzung des Bundespräsidentenamtes interessiert? Das war doch vorher eigentlich nie besonders spannend. Auch auf http://www.freitag.de/alltag/1022-das-netz-erliegt-dem-gauck-fieber wird, wie hier im Blog schon mehrfach angedeutet, eine breite Netzbewegung pro Gauck konstatiert. Ich bin gespannt, ob und was passiert, wenn dieses Meinungsbild bei der Wahl des Präsidenten in Berlin aus rein parteipolitischen Gründen ignoriert wird.
11. Juni 2010 um 09:03
Vielleicht liegt es an dem spektakulären Rücktritt Köhlers, der ja sehr gegensätzliche Bewertungen ausgelöst hat, die von seiner Beschimpfung als »Feigling« bis hin zur positiven Bewertung als »konsequent und menschlich« reichen. Der zweite Punkt ist möglicher Weise das aktuell äußerst schlechte Ansehen der Bundesregierung und Merkels. Hier geht es manchem evtl. auch um eine symbolische Watschen für CDU/CSU und FDP.
11. Juni 2010 um 10:26
Wenn sich Politik wie eine schlechte Soap präsentiert, dann weckt dies das Interesse der breiten “Masse”. Immer nur DSDS, GZSZ und Big Brother geht doch auch nicht.
11. Juni 2010 um 12:13
@ “ein so großer Teil… für die Besetzung des Bundespräsidentenamtes interessiert?”
Ich würde mal sagen, weil sich in diesem Land nichts mehr bewegt: Vier Jahre große Koalition und das einzig vorzeigbare Ergebnis war eine verkorkste Gesundheitsreform. Danach eine liberal konservative Regierung die es vorzog bis zur NRW Wahl – d. h. ein halbes Jahr – gar nicht zu regieren.
So langsam begreift auch der letzte Dep, dass den Parolen der Parteien (das Geschwafel von der sozialen Gerechtigkeit für den Linkswähler / Leistung muss sich wieder lohnen für die liberalkonservativen Wähler) kein Taten bzw. Ergebnisse folgen. Das es wirklich NUR um den Erhalt der Macht für die jeweilige Regierung geht und nicht Verantwortung & Haftung für das eigene Handeln. Das sind zwei Begriffe die Politiker nun wirklich nicht auf sich beziehen. Der Stammtisch würde sagen „Die machen doch eh was sie wollen und scheißen auf den Wähler“
So wie eben auch bei der Kandidatenkür zur Bundespräsidentenwahl. Merkel holt sich lieber einen Soldaten aus der eigenen Partei, als einen Kandidaten den sich nicht kontrollieren kann und der das macht wofür er gewählt wird: repräsentieren nach außen und moderieren nach innen. Und das Ganze bitte schön neutral und im Sinne einer breiten Mehrheit beim Wähler.
Ich bin ebenfalls „gespannt, ob und was passiert, wenn dieses Meinungsbild bei der Wahl des Präsidenten in Berlin aus rein parteipolitischen Gründen ignoriert wird.“ Vielleicht neigt der Deutsche bald zu etwas mehr gallischer Renitenz. Die angesprochenen Voten im Netz sind ja schon mal ein Anfang. An dieser Stelle daher ein großer Dank an Sir Timothy John Berners-Lee, der am Dienstag seien 55zigsten Geburtstag feierte. Guter Mann!
11. Juni 2010 um 13:18
Habe den Herrn mal »gegoogelt«. Schreibt man das eigentlich so? Jedenfalls hat er lt. Wikipedia das World Wide Web erfunden. Das ist doch was. Von mir gibt es einen Googlehupf mit Spam zum Festtag!
Zum Thema: Mir gefallen die Franzosen in ihrer »gallischen Renitenz«, ehrlich gesagt, auch besser als die Deutschen, wenn es um Qualitäten wie Zivilcourage und Konfliktfähigkeit geht. Oder wie es der stolze Gallier sagen würde: »La France et l´Allemagne, c´est le jour et la nuit (Frankreich und Deutschland, ein Unterschied wie Tag und Nacht).«