Epilog zur Rostocker Taufreise
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Den 23. April stachen wir am Rostocker Stadthafen in See, als sich bereits die Sonne über der Hansestadt senkte. Abgesehen von einem bärbeißigen Fahrensmann waren noch zwölf froh gestimmte Patrone an Bord, deren unverhoffte Bekanntschaft das reinste Vergnügen war.
Mein Edelfräulein und Euer werter Schreiber erfreuten sich der Gesellschaft gestandener Patrizier und feiner Damen, die obendrein allesamt schwerem Port und tschechischem Fassbiere zusprachen, was die Zungen noch mehr löste, als es bei solchen Angelegenheiten allgemein üblich ist.
Links und rechts der Fahrt gen Flussmündung zum Mare Balticum blickten wir auf verlassene Arbeiterquartiere der Eingeborenen, die wir als Volksmasse an unserem Zielorte wiedertrafen, an welchem die Taufe des stolzen Kreuzers Bellinda von allerhand hohen Herren verrichtet wurde.
Der Reeder und Eigner dieser neuesten Schönheit der Meere ließ sich nicht lumpen und sorgte mit viel chinesischen Böllern beiderseits der Fahrrinne für viel »Ah« und »Oh« bei den Gästen. Das Schauspiel illuminierte den Nachthimmel mit einer Farbenpracht, die ich hier kaum zu schildern vermag, auch wenn sie sich meinem inneren Auge – und jenem meines teuren Weibes – unvergänglich eingebrannt hat.
Der Rest ist schnell erzählt: Nach glücklicher Heimreise schenkte ein jeder dem alten Bootsmann einen halben Taler und ging, erfüllt vom soeben Erlebten, seiner Wege, jedoch nicht ohne sich gegenseitig das Versprechen abzunehmen, eines Tages wieder gemeinsam so heiter zu reisen!

24. April 2008 um 08:45
Ähm, hier mal, wie die ungeladenen Besucher das fröhliche Fest erlebt haben.
24. April 2008 um 11:02
Ja, ja, erst mitmachen und sich dann als Opfer der Eventkultur stilisieren…….-) So geht das nicht, Herr tap.
24. April 2008 um 11:44
@tap: Unsere Bordgesellschaft stand mit französischem Schaumwein an der Reling, um den Reederherren gebührenden Applaus zu spenden. Das Volk hinter den Barrikaden war aber von dort aus kaum zu erkennen. Ich höre immerhin, es wurden auf Kosten des Königs gesottenes Schwein und deutsches Bier gereicht. Für viele sicher ein Festmahl!
24. April 2008 um 13:25
Sollte bei so einer Veranstaltung nicht aber der breiten Masse so ein Schiff schmackhaft gemacht werden? Die dachten sich, super DVB-T-Video mit ständigen Aussetzern und gräßlicher Bildqualität, der Kameramann hat gesoffen; die Leute sind echt in Form. Naja, so was macht halt Eindruck. Es scheint so, als wenn da Kreuzfahrtfans von weither angereist sind – die haben echt den Hauptgewinn gehabt.
Ich könnte mich immer noch beeiern über den dramatisch angepriesenen Moment der Taufe, kein Ton, ein schöner Schlepper, lauter Fragezeichen in den Gesichtern. Das war echt ein Highlight und ehrlich gesagt, bestimmt irgendwie lustiger als die Taufe selbst.
24. April 2008 um 15:24
So ist das mit der schönen neuen Eventkultur für die gemeine Masse. Hätten Sie sich mal, wie der Herr Bäuerle, mit französischer Puffbrause besoffen und dies auf einem gecharteten Schiff, wär Ihnen das nicht passiert. Merke: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft zeigt ihr gemeines Gesicht auch bei Volksbelustigungen jeglicher Art. Herr Bäuerle, richtig so!
24. April 2008 um 16:18
Ich denke, Herr Tap, Sie haben das genau richtig wahrgenommen, um mal ernst zu werden. Das Event an Land war möglicher Weise nicht massenkompatibel organisiert, die TV-Darstellung kenne ich nicht, aber so, wie sie es beschreiben, hätte sie mir auch nicht gefallen.
Vom Schiff aus war das Ganze herrlich, wenn auch etwa zwei Stunden zu lang. Ich befürchte, ich hauste auf einem der Schiffe, die auf zehn Meter an die Bella heran kamen und den Kameras so möglicher Weise die Sicht nahmen. Pardon dafür, wenn Sie nichts sehen konnten!
24. April 2008 um 17:26
Wieder was überlebt. Denn sind wir ja hoffentlich bis zur nächsten Wahl von diesen stadtbildschändlichen Großpappen verschont.
25. April 2008 um 07:00
Sie meinen die goldbraunen 18:1-Plakate zum »schönsten Lächeln« am Wegesrand? Meine Frau fand sie sehr schön! Die Citylights in der blauweißroten CD-Einrahmung der Hansestadt Rostock wirkten dagegen tatsächlich farblich etwas gebrochen auf mich.
25. April 2008 um 07:43
Pixelio wird übrigens immer aktueller, finde ich.
25. April 2008 um 09:14
schon bemerkt!