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Den 23. April stachen wir am Rostocker Stadthafen in See, als sich bereits die Sonne über der Hansestadt senkte. Abgesehen von einem bärbeißigen Fahrensmann waren noch zwölf froh gestimmte Patrone an Bord, deren unverhoffte Bekanntschaft das reinste Vergnügen war.

Mein Edelfräulein und Euer werter Schreiber erfreuten sich der Gesellschaft gestandener Patrizier und feiner Damen, die obendrein allesamt schwerem Port und tschechischem Fassbiere zusprachen, was die Zungen noch mehr löste, als es bei solchen Angelegenheiten allgemein üblich ist.

Links und rechts der Fahrt gen Flussmündung zum Mare Balticum blickten wir auf verlassene Arbeiterquartiere der Eingeborenen, die wir als Volksmasse an unserem Zielorte wiedertrafen, an welchem die Taufe des stolzen Kreuzers Bellinda von allerhand hohen Herren verrichtet wurde.

Der Reeder und Eigner dieser neuesten Schönheit der Meere ließ sich nicht lumpen und sorgte mit viel chinesischen Böllern beiderseits der Fahrrinne für viel »Ah« und »Oh« bei den Gästen. Das Schauspiel illuminierte den Nachthimmel mit einer Farbenpracht, die ich hier kaum zu schildern vermag, auch wenn sie sich meinem inneren Auge – und jenem meines teuren Weibes – unvergänglich eingebrannt hat.

Der Rest ist schnell erzählt: Nach glücklicher Heimreise schenkte ein jeder dem alten Bootsmann einen halben Taler und ging, erfüllt vom soeben Erlebten, seiner Wege, jedoch nicht ohne sich gegenseitig das Versprechen abzunehmen, eines Tages wieder gemeinsam so heiter zu reisen!