Games: Wie Evil darf es sein?

photo credit: Colony of Gamers
34 Millionen Exemplare der Resident Evil-Spiele wurden in den vergangenen Jahren an die Kellerkinder-Community zwischen Afghanistan und Winnenden verkauft. Die tritt jetzt bereits zum fünften Male selbstlos und entschlossen gegen den globalen Bioterrorismus an: »Resident Evil 5« ist also eines der seltenen Spiele mit einem ernsthaften Anliegen.
Quatsch, reingefallen: natürlich geht es hier nur darum, alles abzuschlachten, was nicht bei drei auf den Hightech-Bäumen der böswilligen Umbrella Corporation sitzt – also jener Regenschirmfabrik und ihren Tochterfirmen, die unsere schöne Welt aus pekuniären Gründen in den Abgrund stürzen wollen. Ganz schön komische Story, aber sehr erfolgreich. Bleibt die Frage zu beantworten, welche Nebenwirkungen das Spektakel hat: Ich bemerke keine, aber ich hatte auch eine nette Kindheit und werde bald vierzig.

17. März 2009 um 11:36
Ich bin Fan dieser Serie und habe alle Teile gespielt. Und das mehr als einmal. Resident Evil ist der Vater des Survival-Horror-Genres. Das Spiel ist nicht einfach eine Sammlung von übertriebenen Gewaltdarstellungen. Der Spieler hat diverse Aufgaben. Es müssen Rätsel gelöst, Ressourcen verwaltet und Taktiken geplant und umgesetzt werden. Nicht zuletzt bieten die Spiele auch eine (zugegeben: spezielle) Art von Humor.
17. März 2009 um 12:09
Ich möchte jetzt nicht gemein sein, aber den Humor sehe ich regelmäßig im Fernsehen. Hätte der Winnenden-Gestörte mal lieber mehr Rätsel gelöst. Ja, ja, jetzt hau ich auch in die Kerbe. Passt ja auch so schön. Ich jedenfalls halte die fortschreitende Verrohung im Zusammenspiel mit der Vernachlässigung der lieben Kleinen für die Kernursachen solcher Übergriffe.
Filme, in denen geküsst wird oder ein Schlübber zu sehen ist, sind P16, andere, in denen Elefanten der Rüssel unter Strömen von Blut abgeschlagen wird, dürfen 12-jährige schon sehen. Den Eltern selbst schwindet auch die Grundlage zum Setzen von Grenzen, immerhin durfte der Rest der Klasse das Kettensägenmassaker auch sehen.
Solange solche Paterrensender wie Pro8-1 derartigen Müll rauswerfen dürfen und die Eltern aufgrund des Drucks in der Arbeitswelt zu müde sind, nein zu sagen, wird sich daran nichts ändern. Die angesprochenen Spiele dienen offensichtlich als Ventil für den aufgestauten Frust, die allerdings irgendwann auch nicht mehr dichthalten.
P.S: @ Marco: Solche Spiele verwenden m.A.n. genau die Dinge, die Du ansprichst als Alibi bzw. Deckmantel unter dem man dann mit gewisser Rechtfertigung Leute umballern darf, is schließlich n Denkspiel. Sorry.
17. März 2009 um 16:58
Ich glaube auch. Wenn Eltern sich wieder mehr engagieren würden, Lehrer und überhaupt alle Mitbürger sich verantwortlich für Kinder und Jugendliche fühlen würden, dann wäre der wesentliche Schritt gemacht, denn Gleichgültigkeit schadet Kindern vermutlich noch deutlich mehr als Maulschellen.
17. März 2009 um 17:16
Ach so, das Spiel an und für sich war mir übrigens zu kompliziert. Ich finde »Black« super. Allerdings komme ich selbst da ohne Cheats & Hints nicht weiter – meine Problemtoleranz im Freizeitbereich sinkt zurzeit generell dramatisch!
17. März 2009 um 17:17
Hi Gunnar. Ich hab nicht ganz verstanden, was Du meinst. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir Eltern das Maß der Dinge sind und für unsere Kleinen die Verantwortung tragen. Es liegt an uns, unseren Kindern eine gewisse Medienkompetenz zu vermitteln. Es reicht nicht, einen Gameboy zu kaufen, damit wir unsere Ruhe haben.
Was mir sauer aufstößt, ist die Diskussion um die Spiele. Spiele machen keine Mörder! Es könnte aber nicht schaden, den Lehrern und Erziehern einen Partner zur Seite zu stellen, der Ihnen hilft, die Aufgaben zu meistern. Eine Lehrerin kann nicht der Ersatz für ein Elternhaus sein.
Die Politik kürzt Stellen, streicht soziale Einrichtungen zusammen und hält die “Harzer” an der kurzen Leine. Passiert aber mal was, sind plötzlich die Computerspiele, das Fernsehen oder Marilyn Manson schuld. Nur nicht Frau von der Leier.
17. März 2009 um 17:25
Wir haben 85 Millionen Bundesbürger. Da ist es leider “normal” das einige mal grundsätzlich bescheuert im Kopf sind. Es tut mir für die Angehörigen sehr leid. Aber so etwas wird immer wieder geschehen. Auch wenn wir alles verbieten und wegsperren. Taten wie diese wird es immer wieder geben. Leider.
Ich bin dafür Autos zu verbieten. Immerhin sterben dadurch mehrere 1000 Menschen pro Jahr in Deutschland. Auch Ziegaretten gehören verboten. Wieder ein paar 10.000 Menschen gerettet. Jetzt untersagen wir den Konsum, Besitz und Handel mit Alkohol. Und schwupps haben wir 500.000 Tote pro Jahr weiger in Deutschland. Prima.
17. März 2009 um 17:29
Leider haben wir dann ein Problem. Weiger Steuereinnahmen, Umsatzeinbußen bei der Tabak und Alkoholindustrie und sicherlich ein paar Arbeitslose mehr. Wenn wir den Faden also weiterspinnen ist die Bundesregierung also mit Schuld am Tot all diese Leute. Oder zumindest billigt sie das.
17. März 2009 um 20:58
Lieber Marco. Ich hab Dich doch lieb!
Wollte nur ein wenig stänkern. Ich weiß, dass Dir – und bestimmt 70% aller übrigen Bundesmännern – solche Spiele gefallen. Ich habe ja auch nichts gegen diese Spiele. Nur haben die Argumente, die herangeführt werden, wenn die Spielenden gefragt werden, doch immer etwas Rechtfertigendes. Man kann doch einfach sagen: “Ich muss mal Dampf ablassen und ein bischen rumballern. Bei den meisten Menschen führt das auch nicht zu Realitätsverlust, nur eben bei einigen. Denen kann man auch nicht helfen, in dem man Spiele verbietet, sondern, indem man sie wahrnimmt, indem man seinen Mitmenschen wahrnimmt und sich für dessen Probleme interessiert.
Wahrscheinlich können viele das derzeit nicht ausreichend, weil der eigene Sack zu voll ist, oder?
Ansonsten wünsche ich Rohr frei!!
19. März 2009 um 09:06
Ein Jäger übt das Schießen, weil er während der Jagd Wild treffen will.
Aus welchem Grund üben den Spieler das töten von Menschen mit Hilfe eines Computerspiels ?
Ich halte das spielerische töten von Lebewesen aller Art nicht für eine Variante der Rätsellösung oder das erlernen von Taktiken.
Alles was der Mensch theoretisch übt, möchte er irgendwann einmal praktisch anwenden.
Nur manche Menschen können den Unterschied zwischen virtuellen Toten und real getöteten Menschen nicht mehr unterscheiden.
Möglicherweise sind die Mörder dann so erschrocken über die Realität, das Sie sich deshalb selbst umbringen.
19. März 2009 um 10:27
Ähh nö. Das töten von Menschen ist in den meisten Spielen nicht das Ziel. Ich möchte es nicht als Nebeneffekt oder Randerscheinung bezeichnen. Aber jeder der mal eine Waffe in der Hand hatte oder von einem Garagendach gesprungen ist weis das diese Spiele mit der Realität soviel gemein haben wie Gregor Gysi mit dem Wu Tan Clan.
Durch einen virtuellen Amoklauf hat noch nie jemand ein Spiel gewonnen. Es ist der kranke Geist des Menschen der ihn irgendwann aus der Bahn wirft.
19. März 2009 um 10:30
Tja, vielleicht hast Du Recht. Andererseits hat man als Kind doch auch häufig Krieg, Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm gespielt. Das war allerdings nicht so plastisch und bedurfte der eigenen Fantasie. Bin ratlos. Auf jeden würden mehr gegenseitige Anteilnahme und mehr Mittel für die Kinderbetreuung helfen.
23. März 2009 um 10:00
Gregor gehört zum Wu Tan Clan? Der Mann erstaunt mich immer wieder! Wahrscheinlich ist Snoop Doggy Dog auch nur ein Kommunalpolitiker aus Thüringen oder so …