Giftig? Doch erst in 10 Jahren!
(c) LO + Geralt / pixelio
Dieses Feld hier oben ist ein bisschen giftig. Klingt komisch – is aber so. Das haben – nein nicht amerikanische, sondern europäische – Forscher herausgefunden. Die verantwortungsbewussten Beamten haben dann auch sofort Alarm geschlagen und 22 von 400 getesteten Pflanzenschutzmitteln für gaaanz böse befunden. Und was machen wir nun damit? Verbieten! Ja, klar, aber noch nicht gleich. Bis auf zwei von Ihnen kann das noch bis zu zehn Jahre dauern. Die Pröbchen haben doch noch eine Zulassung! Ach so – verstehe.
Dann hat der Onkel Alfred, der unlängst betrunken zwei Omas über den Haufen gefahren hat, auch Glück im Unglück gehabt. Er behält seinen Führerschein – ist ja noch gültig. Danke, liebe Volksvertreter!


14. Januar 2009 um 14:38
Das Problem ist ja: Onkel Alfred überfährt die beiden Omas mit 80 km/h, statt mit 1 km/pro Jahr, wie es die chemische Industrie hier unternimmt. Das Ergebnis ist vielleicht dasselbe, wenn man nicht einschreitet, aber die akute Gefahrenlage ist eine etwas andere, oder? Die Industrie muss sich im Regelfall schon auf ihre teuren staatlichen Zulassungen verlassen können. Bei Contergan & Co. sieht die Sache allerdings wieder anders aus!
14. Januar 2009 um 15:00
Die Logische Schlussfolgerung der Politik zu Ihrer Einlassung Herr B. wäre wahrscheinlich, dass Onkel Alfred langsamer fahren sollte. Oder meinen Sie, dass es uns alle ohnehin irgendwann hinwegrafft? Da kommt es auf die paar Jahre dann auch nicht mehr an?
Ich finde nur die Denke unserer Europarlamentarier etwas eigenartig. Wenn man feststellt, dass Dinge gefährlich sind, muss man sie unverzüglich beseitigen. Das wird von Herstellern im Rahmen der Produkthaftung verlangt, ebenso wie von jedem Privatmenschen. Andernfalls ist das Handeln aufgrund der Kenntnis vorsätzlich, was – auf unseren Fall übertragen – schon jetzt auf strafrechtliche Relevanz untersucht werden sollte. Darüber hinaus kann ein Mittel keine Zulassung besitzen, dem eine schädigende Wirkung zugesprochen wird. So zumindest meine naive Denkweise. Oder funktioniert dies mit Arzneimitteln etwa genauso?
Was bleibt ist der Eindruck, dass hier eine mächtige Lobby wieder einmal die Fäden in der Hand hat und wir mit unseren Steuern offenbar unfähige, rückgratlose Vertreter bezahlen.
14. Januar 2009 um 15:12
Die absolute Mehrheit von uns ist manchmal unfähig und rückgratlos – manchmal auch nicht! Im Christentum würde man vom »schwachen Fleisch« sprechen, ansonsten vom »allzu menschlichen« Faktor.
Ich meine: Von Landwirtschaft und Chemieindustrie leben Abermillionen Deutsche. Sollen die künftig Naturroggen anbauen? Wer soll das bezahlen? Keiner, also muss man einen Mittelweg zwischen eiskaltem Raubbau und bornierter Ökonaivität finden. Der Kompromiss beinhaltet dann z. B. Restlaufzeiten für Atommeiler, Düngemittel und Medikamente mit Nebenwirkungen.
Grundsätzlich haben Sie recht, aber eben nur grundsätzlich. Das Leben ist eben nicht grundsätzlich, sondern selbst der größte Wirtschaftstycoon ist privat ein netter Vater mit Golden Retriever in der Garage und Rückenbeschwerden im Büro. Gut und Böse sind da unpassende Begriffe, die selbst zu Marxens Zeiten nur annähernd gepasst haben, oder?
14. Januar 2009 um 15:22
Gut und böse wurde hier auch nur gewählt, um etwas zu provozieren. Selbstverständlich hat Alles seine zwei Seiten, und ich sage ja auch nicht, dass man nun alle Pestizide aus dem Verkehr ziehen soll.
Ich meine nur, dass ich solch Studien nie veröffentlichen würde, wenn ich genau wüsste, dass ich die richtige Konsequenz nicht ziehen kann, weil ich schließlich eine Abmachung mit meinen Freunden aus der Chemiebranche habe. Das kann man sich klemmen. Es ist einfach peinlich!
Es entspricht in etwa der Entwicklung der Kosten zur gesetzlichen Krankenversicherung in den letzten Monaten. Erst auf ein hohes Niveau “angleichen”, dann im Konjunkturpaket II wieder herabsetzen – ist doch alles nur Augenwischerei! Was machen die Herrschaften dort eigentlich? Wofür bekommen die mehrere 1000 EUR im Monat???
Ich weiß – das ist wieder Polemik, aber es kot… mich eben an…
14. Januar 2009 um 15:32
Natürliche Selektion. Alles unterliegt doch im Großen und Ganzen den Gesetzen der Natur. Und wenn Mutter Natur nun mal will, dass Onkel Alfred, ob nun mit 80 oder doch nur mit 1 Kilometer pro Stunde, das Schicksal der zwei Omis festlegt, dann ist das so! Ob nun Pest, Aids, Labormais etc., all das dient der natürlichen Selektion. In diesem Fall, die der Menschheit. Wer stark genug ist, der darf weiterleben. Und wenn es keiner der Unseren schafft, dann dürfen endlich die kleinen süßen Kakerlaken ran. Vielleicht stellen sie sich etwas cleverer an. Das gilt auch für das Thema Fußball und für die Weltwirtschaft. Kakerlaken an die Macht!
14. Januar 2009 um 15:37
Ich habe genug mit den »Kacker-Laken« meiner Tochter zu tun und die Weltrevolution wird wegen großem Senderausfall nach St. Nimmerlein verschoben.
Die »da oben« unterscheiden sich übrigens kein bisschen von der Mehrheit, sondern sind ihr Spiegelbild. Allerdings ist »Abgeordneter« im Regelfall ein äußerst aufreibender Job und keinesfalls reich entlohnt, vergleicht man das Einkommensniveau zu jenem in Wirtschaftskreisen. Macht ja auch nix, denn es sollte eine Ehre sein, zu dienen. Meine ich wirklich so!
14. Januar 2009 um 15:59
Herr Bäuerle, Sie streben wohl auch eine Karriere in der Politik an. Machen Sie sich doch zumindest deren Argumentation zueigen: Wir bekommen zwar 6.000,- bis 10.000,- an Diäten, im Vorrentenalter eine üppige Pension und zu Amtszeiten noch eine Menge Nebeneinnahmen durch Tätigkeiten in diversen Aufsichtsräten, was aber verglichen mit den viel diskutierten Managergehältern eindeutig zu wenig ist! Wenn ich mit meinem Abgeordnetendasein genug zu tun habe, wie kann ich denn nebenbei noch die 2-8 verantwortungsvollen Pöstchen bekleiden?
Scheinbar bekommen diese “Kollegen” doch zuviel – oder zuwenig, deshalb die “Nebenjobs”
14. Januar 2009 um 16:00
Zu allererst ein großes Danke schön an Gunnar für das Thema. Leider ist die wichtigkeit unter die Räder von Onkel Alfreds 17 Jahre altem Opel gekommen.
Es geht in der Festlegung um Dünger, Pestizide, etc., welche das Erbgut schädigen und verändern können. Das die getroffenen Entscheidungen immernoch Ausnahmen erlauben, liegt wohl nicht an der biologischen Abbaubarkeit der entsprechenden Mittel, sondern an der Hartnäckigkeit der Vertreiber und Hersteller. Die Gefahrenlagensituation ist wohl irrelevant und zu vernachlässigen. Allerdings würde der Begriff der Lebensqualität an Bedeutung gewinnen.
Was bitte ist Naturroggen? Und was hat Labormais mit natürlicher Selektion zu tun?
14. Januar 2009 um 16:07
Laboranten sind auch nur Menschen; denk ich. Und wenn wir auch alle bald von Automatismen und Chemikeulen umzingelt sind – wir haben das zu verantworten. Darum hat Labormais auch etwas mit natürlicher Selektion zu tun. Der Rest ist lediglich auf Sarkasmus und FiKtion aufgebaut.
14. Januar 2009 um 16:10
Der »Naturroggen« war Polemik, genau wie der Rückzug auf die Fundamentalposition »Dünger kann schädigen« Polemik ist. Natürlich kann er das – Sonnenflecken, schlechte Ernährung und Straßenverkehr aber auch. Risikoforscher, die aus guten Gründen von Katastrofenproklamatoren und Trümmerlotten nie zitiert werden, würden nach genauer Abwägung sicher zu dem Schluss kommen, dass Onkel Alfred viel gefährlicher ist, als Pestizide. Und genau so ist es auch, aber er lässt sich so schlecht als graue Eminenz im Spinnennetz porträtieren.
14. Januar 2009 um 16:27
Du kennst Onkel Alfreds Familie nicht!
Naja, Onkel Alfred ist natürlich auch Polemik und dient der Anschaulichkeit. Die Gefahr, die von ihm ausgeht, ist schon schlimmer oder zumindest näherliegend. Die Gefahr unser Thema betreffend kann allerdings genauso hoch sein, nur wissen wir es möglicherweise zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Erst in ein paar Jahren, wenn es dann Prozesse – ähnlich denen gegen die Tabakindustrie geben wird. Dann wird man uns ebenfalls vorhalten: Ihr habt es doch schließlich gewusst, 2009 haben wir es euch gesagt! Der Unterschied ist nur, dass ich mir aussuchen kann, ob ich rauche, nur leider nicht bei allen Lebensmitteln deren genaue Herkunft nachvollziehen kann.
14. Januar 2009 um 16:56
Sehr guter Punkt. Das kann man tatsächlich leider nicht, auch wenn ich mir mehr Sorgen um Pestizide als etwa um den berühmten Genmais mache. Wer Genmais hat, braucht ja gerade keine Pestizide mehr – darin liegt eben der Vorteil. Dem Menschen schadet er auch nicht, denn was sollte er übertragen: Gene? Da geht es eher um philosophische Fragen des menschlichen Eingriffes in die Schöpfung – da scheiden sich bekanntlich die Geister.
14. Januar 2009 um 20:23
Mit Genmais habe ich auch keine Probleme. Das Ganze erinnert mich nur manchmal an »Brust oder Keule« mit dem lieben Louis de Funes. Solange der Mais keine Gliedmaßen hat, ist alles i.O.
15. Januar 2009 um 09:10
Genfood Comedy à la francaise: Brust oder Keule!