Gutschein oder Irrtum?
Seit Weihnachten von gewinnsüchtigen Einzelhändlern erfunden wurde, wälzen sich Menschenmassen durch die Geschäfte auf der Suche nach Geschenken, die später umgetauscht werden müssen.
Das Hauptproblem dabei: das vom Kinde zutiefst gewünschte Computerspiel vs. Papas Holzbaukasten. Für Spielzeug, das auf einem bekannten Privatsender penetrant im Viertelstundenrhytmus in die Kinderhirne gehämmert wurde, geben die Eltern viermal mehr Geld aus, als für Spielzeug mit Grips & Herz, so der Bundesverband des Spielzeughandels.
Die Leidtragenden sind, ohne es zu wissen, zuerst die Eltern, weil Sie verlernt haben, »NEIN« zu sagen und danach die Kinder, weil das sehnlichst gewünschte Spielzeug oft nach kurzer Zeit von einem anderen begehrenswerten Merchandisingartikel abgelöst wird.
Zum Schluss verliert das völlig unspektakuläre Spielzeug, weil es immer seltener Käufer findet, die noch wissen, dass man bei einem Teddy keine Batterien wechseln muss. Ist nostalgisch anmutendes Spielzeug noch sinnvoll ?
P.S.: Dieser Artikel stammt aus der Feder meines Freundes, Maik Saul, der den Erhalt dieser Karte zum Anlass nahm und mich bat, diese Misere einmal für ihn zu veröffentlichen.


12. Dezember 2008 um 14:22
Aha, Maik Saul also…
“Seit Weihnachten von gewinnsüchtigen Einzelhändlern erfunden wurde…” (=;
12. Dezember 2008 um 14:41
Ja schon, Axel, aber ich komme täglich auf meinem Dienstweg an Herrn Sauls Auslagen vorbei und muss sagen: da steht Qualität offenbar im Vordergrund! Es scheint fast so, als käme er ohne große Zugeständnisse an seelenlose Spielzeugmultis à la Toys R Us aus, die Tonnen bunten Plastiks unter das Jungvolk schütten. Ehrlich gesagt fand ich aber als Kind die chinesischen Plastiksoldaten und Actionfiguren ganz wunderbar!
12. Dezember 2008 um 14:51
Der sehnlichste Wunsch unserer Jüngsten (im Januar Acht) ist ganz klar ein Nintendo DS. Die halbe 2b hat schon einen und es findet ein reger Tausch der Pferde- und Katzenspiele statt. Will man nicht bewusst einen Aussenseiter heranziehen, muss man wohl darüber nachdenken, endlich auch so ein Ding unter den Baum zu legen. Allerdings war es um so schöner mitzuerleben, wie die Kleine morgens um 6 am Nikolaustag im Schein einer Taschenlampe ganz banal mit ihrer neuen Biegepuppe “Mama mit Tasche” – übrigens von einem sehr gut sortierten Spielzeughändler am Rostocker Hopfenmarkt – spielte. Das Puppenhaus und die Schleichs sind Gott sei Dank ihre wahren Favoriten.
12. Dezember 2008 um 14:56
Ja, die Schleichs, die bekommt unsere auch immer von der Omi und anderen geschmacksbewussten Mitbürgern geschenkt. Andererseits hält sich die Aufmerksamkeitsspanne bei der Luxusplaste genau so lange, wie beim Spongebob-Utensil aus der Bentwischer McJuniortüte. Dem erwachsenen Auge gefallen die vergessenen Schleichs nur besser, gell!
12. Dezember 2008 um 15:00
Ich habe füher mit Vero Construct Dinge gebaut, die die heutigen Kinder sich nicht mal vorstellen können. Auch meine Eltern konnten sich damals nichts unter dem vorstellen, was ich dort kreiert habe – macht aber nix. Immerhin habe ich genug Vorstellungsvermögen gehabt, um aus ein bischen Holz und Plastik ein Raumschiff entstehen zu lassen. Klar, Anleitungen gabs auch, Spaß hats aber erst gemacht, wenn man etwas “erfunden” hat. Dies scheint der heutigen Jugend zumindest teilweise abhanden gekommen zu sein. Wenn die DS, das Handy oder die PS Portable nicht zur Hand ist, starren einen tote Augen an.
PS: Wir haben konsequent gegen den Wunsch einer PS o.ä. gehalten. Ist zwar anstrengend, zahlt sich aber dan doch aus. Statt dessen haben wir einen richtigen PC hingestellt, mit dm man im Zweifel sogar Hausaufgaben machen kann. Tolle Sache das ….
12. Dezember 2008 um 15:03
@ Ekkard.
Ich kenne Väter, die ihren Jungs gern alle erdenklichen ferngesteuerten Spielzeuge schenken. Natürlich nur, weil die Kinder ständig betteln.
Achso und was die Schleicher angeht, so haben wir mit unserem Sortiment zu Hause bestimmt schon Anteile an der Firma erworben
12. Dezember 2008 um 15:04
Zum Christfest bekommt unsere dreijährige Tochter das, was sie sich am meisten wünscht: Ein Polizeiauto und einen Bagger. Ein Hansatrikot trägt sie auch bereits voller Stolz. Holt Vati es aus dem Schrank, so spricht sogleich das Töchterlein: »Hansaschöööört, Pabba!«
12. Dezember 2008 um 15:09
… Und der Papa kassiert die Barbies …
12. Dezember 2008 um 15:15
» Neulich, bei Blöhes auf der Terrasse
12. Dezember 2008 um 15:46
… was bei Blöhes alles in der Strasse passiert , das ist sowieso nicht zu glauben !!! Sogar wilde Tiere sind gesehen worden !
Also wenn ich das so lese, hat der Grips ja noch eine Chance.
Ich bin nicht neidisch auf die Verkaufszahlen von Computerspielen – ich bin nur irritiert über die nicht nachvollziehbaren Verkaufswünsche:
Zitat eines Kunden (die neue Playstation in der Mediamarkt – Tüte):
” Wir suchen noch etwas kleines, gutes, aber teuer darf es nicht sein !”
Da zweifelt man dann doch an der Einsicht der Eltern.
Sicher ist, das ein Computerspiel mittlerweile sein muss, ansonsten droht die Verbannung aus der Schulklasse wie bei “falschen” Klamotten.
(Nintendo müsste für seine Imagewerbung zu den “Braintwister” Spielen sowie ausgezeichnet werden ! – Alle Welt denkt: die stellen doch Denkspiel her…)
Erstaunt bin ich nur darüber, das der Preis für ein Nintendo Spiel (39,95 €) anstandslos bezahlt wird, obwohl es meist nur eine Lebensdauer von ca. 4 Monaten hat, dagegen ein Brettspiel für 29,95 € als zu teuer gebrandmarkt wird und weniger kostet als ein Familienbesuch im Kino.
12. Dezember 2008 um 15:58
“Nintendo müsste für seine Imagewerbung zu den “Braintwisterâ€? Spielen sowie ausgezeichnet werden ! – Alle Welt denkt: die stellen doch Denkspiel her…”
Chhrrrr.. ;o) Stimmt, die machen das gut. Ein Argument meiner Tochter war auch, dass es auch Englischlernspielchen dafür gibt. Konnte nur schmunzeln. “Schon klar…” Finde übrigens die Blöhelösung gar nicht so blöde. Allerdings kann dass noch zwei Jahre warten. Für unseren Großen ist die Powertaste am Rechner so was wie der Lichtschalter, wenn er die Wohnung betritt. Von wem er das nur hat…?
12. Dezember 2008 um 16:48
Neulich vor Ekkard’s Garage …
12. Dezember 2008 um 17:53
@»Neulich vor Ekkards Garage…«: Ein Ferrari im Hello-Kitty-Look, sehr beliebt bei unserer Kleensten! Die Sachen gibt es immer als Zugabe beim Burgerking.
@»Die neue Playstation in der Mediamarkt – Tüte: Wir suchen noch etwas kleines, gutes, aber teuer darf es nicht sein!«: Ich will kein Politfass aufmachen, befürchte aber, dass es sich hier um die selben Leute handelt, die mit ihrem Geld nie auskommen und die Schuld dafür stets gerne Papa Staat geben. Die Kinder werden ja auch nur deshalb gehauen, weil die Gesellschaft kalt und böse ist. Mahlzeit!
13. Dezember 2008 um 13:41
Lieber Herr Bäuerle : nur weil ihre Tochter das Konsolenalter noch nicht erreicht hat …
Bei den Inselaffen gabs vor ein paar Jahren eine Studie die eine Korrelation zwischen niedrigem Einkommen, und dem Geld welches für die lieben kleinen in Geschenke investiert wird, relativ eindeutig nachweisen konnte, umso niedriger das Haushaltseinkommen, umso medienlastiger und Teuerer fallen die Geschenke aus. Das ist normales kompensations verhalten. Die Meisten kinder aus einkommensschwachen Famillien haben es so schon nicht leicht gegen die anderen Kinder zu konkurieren, da möchten die eltern da den Kindern was besonders gutes tun.
Gutes Spielzeug ist was tolles, mein Favorit ist nach all den Jahren noch immer Lego, welches bedeutend länger hält als jede Schleich Figur, und dauerhafter Spass macht.
Nun da wir Brettspiele Lieben, mal ehrlich Herr Saul, die wenigsten kosten 29.95
und bei der Verarbeitungsqualität von den meisten ( auch wenn in den letzten Jahren wirklich viele Toll gemachte Spiele auskamen) ist so unterirdisch das da die 19.90 noch zuviel wirken.
Weihnachtlich gestresste Grüsse
13. Dezember 2008 um 19:23
Ich komme gerade vom Einkaufen und war dabei auch auf einem kurzen Abstecher im ToysRUs. Das ist ja wirklich gruselig, was dort angeboten wird. Mehrheitlich seelenloses Zeugs von kurzem Zeitwert. Als ich nach Hause kam musste ich mich noch mal ärgern: meine Frau kam mit einer vollgepackten Papiertüte aus dem Hopfenmarkt; nur für mich war da nichts drinne! Bin ich denn schon sooo erwachen?
14. Dezember 2008 um 13:20
@ Axel: Eine Carrerabahn war also nicht dabei?? Böser Herr Wu!
14. Dezember 2008 um 15:20
@ “…geben die Eltern viermal mehr Geld aus, als für Spielzeug mit Grips & Herz, so der Bundesverband des Spielzeughandels”
Das er Bundesverband des Spielzeughandels das so sieht, war zu erwarten. Schaun wir mal welcher Satz den Verbandfunktionären einfällt, wenn deren Enkel in 30 Jahren zugedröhnt aus der „Holosuite“ fallen.
14. Dezember 2008 um 15:39
@ “…geben die Eltern viermal mehr Geld aus, als für Spielzeug mit Grips & Herz, so der Bundesverband des Spielzeughandels�
Aber eventuell wiederholt sich gerade ein geschichtlicher Prozess von dem der moderne Mensch denkt, das kann gar nicht sein…
Vor gut 1 ½ Jahrtausend Jahren, ging das Römische Imperium – nachdem es ein jahrhunderte lang die europäische Welt beherrschte, endgültig zu Grunde und es folgten eine Zeit der „Dunkelheit“, die – scheiß auf das Mittelalter – bis zur Renaissance andauerte. Ein Ereignis für das die christliche Sichtweise den moralischen Verfall der Römer verantwortlich machte. Die moderne Geschichtsschreibung sieht das zwar „etwas“ differenzierter – Parallelen zur heutigen Zeit lassen sich aber durchaus ziehen.
Die Römer hatten eine für die damalige Zeit technisch hoch entwickelte und hoch zivilisierte Gesellschaft geschaffen, die für das gemeine Volk zur Unterhaltung auch solch großartige Vergnügungen wie das fast 2000 Jahre alte Kolosseum in Rom bereithielt. Ein Gebäude in dem sich 50.000 Menschen damit unterhielten, sich anzusehen, wie Menschen an Löwen verfüttert wurden. Wir mögen das heute abartig finden, und glauben, dass sich die Menschheit weiter entwickelt hat. Betrachtet man dieses Gebäude (derer es in unterschiedlicher Größe ja mehrere im römischen Imperium gab) als den TV/ Radio / Web -Ersatz von heute, dann liegen die Ansprüche des antiken und des modernen Menschen gar nicht so weit aus einander. Wir ziehen uns heute – für jeden frei verfügbar – Gewalt, Pornografie, schwachsinnige TV Shows und anders mehr rein und glauben, das wir zivilisatorisch über den Menschen der Antike stehen.
Genau wir vor 2000 Jahren, ist die Akzeptanz dieser „Mediennutzung“ ein Grundkonsens unserer heutigen Gesellschaft – und das leider gilt auch für unseren Nachwuchs…..
15. Dezember 2008 um 10:27
Ein bemerkenswerter Ansatz Herr Richter,
und das sind ja nur die soften Varianten. Die Live-Übertragung des Golfkrieges hatte weltweit wohl auch ganz gute Quoten. Die Liste der modernen Zerstreuungen könnte man sicher noch beliebig ergänzen: FALLOUT 3, MASS EFFECT, COMMAND & CONQUER GENERÄLE, THE GUY GAME, GTA SAN ANDREAS, EGO SHOOTER, DOOM3… um nur einige zu nennen. Wenn man sich den inhaltlichen Ansatz dieser Spiele ergoogelt, liegt der Untergang der Zivilisation diesmal wohl längst hinter uns.
15. Dezember 2008 um 11:37
Na sowas, die Maike hat Ihnen endlich geantwortet, Herr Lück!
15. Dezember 2008 um 12:57
;o)
Ja, habs gelesen, Herr Bäuerle. Muss ihr da schon Recht geben, wenn ich meine beiden Kommentare lese. Vor allem ihr letzter Satz gefällt mir, da steckt viel Wahres drin. Naja, nun ists passiert und der ganze Blog weiß, dass ich das anders sehe und gern solche Schauen bereise.
15. Dezember 2008 um 14:21
Ist das “Schöner Wohnen bei Familie Lück”? Jedenfalls haben sie einen freien Parkplatz, wie’s ausschaut. Warum die lieben Kleinen aber im Zelt nächtigen müssen, ist mir nicht ganz klar
15. Dezember 2008 um 15:34
Nein Gunnar,
das ist die rückwärtige Ansicht des feudalen Schankraums einer solchen Wettbewerbslocation in Berlin, wo ich mir alljährlich den Blanc de Blancs hinter die Perlenohringe kippe. Meine private Wohnsituation ist eher umgekehrt. Die Kinder haben je ein eigenes Schlafzimmer, meine Frau und ich teilen uns eins.
15. Dezember 2008 um 16:23
Das tut mir aber Leid. Das gibt sich – bestimmt! Ich habe von Paaren gehört, die ab einer bestimmten Anzahl von Jahren des Zusammenseins dann doch wieder je ein Schlafzimmer bewohnen, wobei es dann auch darauf ankommt, dass der Eine im Süd und der Andere im Nordflügel logiert.
Um etwaige Verdächtigungen bereits im Keime zu ersticken: Bei uns ist es Gott sei Dank nicht so!! Und das ist auch gut so!