Hilfe, keiner kennt mich!

DDR-Kunst: Es war nicht alles schlecht, sagt MV-Landesvater Sellering.
photo credit: Dr. Pat
Nach den äußerst qualifizierten Äußerungen, die Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering zum Thema DDR-Unrecht von sich gab, dürfte sich sein Bekanntheitsgrad schlagartig verbessern. Die Idee dazu hatte wahrscheinlich ein Parteistratege oder PR-Berater, der ihm einflüsterte, »Erwin, mit dem Thema kannst Du bei den Ossis punkten«. Das mag (leider) nicht ganz falsch sein, aber intellektuell ist der gute Erwin mit dem Satz – »Ich verwahre mich dagegen, die DDR als den totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab« – völlig auf den Hund gekommen. Merke: Diesen Satz gab es in ähnlicher Form schon einmal. Meistens fing er mit: »Unterm Führer war auch nicht alles schlecht…« an.
Erwin, sitzen machen!

23. März 2009 um 23:17
Den Versuch einer differenzierten DDR-Betrachtung mit »Unterm Führer…« zu vergleichen, ist eine sehr billige Polemik.
24. März 2009 um 08:22
Boha, was ist das denn, 40 Jahre DDR und es war alles Unrecht? Polemik ist noch freundlich, die DDR hatte viele gute Seiten und kein systematisches Auslöschen ganzer Völker zu verantworten. Ein bisschen mehr Objektivität stünde ihnen gut zu Gesicht, Herr Richter.
24. März 2009 um 08:29
Der Vergleich DDR vs. Drittes Reich ist ebenso sinnvoll oder sinnlos, wie der Vergleich DDR vs. BRD. Sicher gibt es in jedem Land Positives: US-Amerikaner sind zum Beispiel die gastfreundlichsten Menschen, die ich kenne. Von Russen wird ähnliches behauptet. In Nordkorea gibt es angeblich die hübschesten Verkehrspolizistinnen und auf Guantanamo soll der Sonnenuntergang ganz toll sein.
Das alles hat seine Bedeutung für den Einzelnen und seine persönlichen Erfahrungen, aber es darf natürlich nicht die Gesamtbewertung beeinflussen. Es gibt Rechtsstaaten und Unrechtsstaaten. P.S.: Im übrigen muss wohl auch Herrn Sellering das erlaubt sein, was den Herren Koch und Rüttger billig ist und sie so erfolgreich machte – Populismus. Es gibt Schlimmeres!
24. März 2009 um 09:26
Es ist WAHLKAMPF! Also werden wir noch eine Menge Schwachsinn hören und überaktive Politiker erleben müssen.
24. März 2009 um 09:42
Ich kann diesen Satz nur unterschreiben! Er ist inhaltlich wie moralisch völlig korrekt. Was mir nur mächtig gegen den Strich geht, ist, dass wir ein Volk von Unterwürfigen Duckmäusern werden, wenn es nicht erlaubt ist, die Dinge beim Namen zu nennen. Gerade diese Debatte zeigt es besonders schön. Man darf es nicht einmal denken, obgleich es tatsächlich so ist. Ich wünsche mir “Pioniernachmittage”, die auch gern anders heißen dürfen. Sie wurden ohnehin von den meisten nicht als das gesehen, als das man sie entwickelt hat. Ich hätte auch gern Kindergärten, in denen man nicht ein Drittel seines Monatsgehaltes lassen muss, Lehrer und Polizisten, die Authorität besitzen. Dann sehe hier zumindest menschlich vieles anders aus.
Letztlich muss es verdammt noch mal möglich sein, gerade auch als Politiker offen auszusprechen, was viele denken, ohne gleich damit eine Rufmordkampagne zu riskieren. Das verlange ich sogar von meinem parlamentarischen Vertreter. Das gehört schließlich auch zur Demokratie. Wenn wir das verbieten, unterstützen wir den Trend, der sich bereits manifestiert hat. Als Kommunalpolitiker will man in der Regel noch etwas bewegen, auf Landtagsebene versucht man es noch ein, zweimal und dann ist man im wohl verdienten Ruhestand, dem Bundestag angekommen. Wer riskiert in dieser Position bitteschön die Sicherheit seiner Familie???
24. März 2009 um 10:02
Nehmen wir diesen Satz einmal auseinander: “Ich verwahre mich dagegen, die DDR als den totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab”.
waren es in der Regel die Arbeiter. Heute sind es vor allem die, die mit virtuellen Werten handeln. Aktienpapiere, bei denen sie einen Sch… darauf geben, wer hinter dem eigentlichen Wert steht, FussballRECHTE, die die Allgemeinheit zugunsten einiger Privilegierter tragen und bezahlen müssen. Bildrechte, für die der Fotograf 500,- EUR bekommt und die Fotobörse 15.000,- für die Exklusivverwendung.
Totaler Unrechtsstaat hieße, das wirklich jede Maßnahme gegen die Menschenwürde verstieße. Die bereits von mir angesprochenen eingeschlossen. Ebenso die Zusicherung eines Arbeitsplatzes für jeden. Eine Lebensplanung war damit weitaus einfacher. Sicherlich gabe es keine Managerposten und -gehälter, die Verteilung halte ich aber für gerechter, zumindest den Ansatz, der dahintersteht. Es sollen die verdienen, die Werte schaffen. Das Politbüro einmal ausgenommen
Ich will absolut nicht negieren, dass es Mauerschüsse und -tote gab, dass Leute in Gefängnisse gesteckt wurden. Verglichen aber mit denen, die aus ihrer eigenen Wahrnehmung heraus ein zufriedeneres, entspannteres, wenngleich mit weniger Geld als heute gesegneteres Leben führen durften, ist diese Zahl nach meiner Einschätzung doch sehr gering.
Ganz nebenbei fände ich es zur Abwechslung auch mal wieder sehr erholsam, mich nicht zwischen 50 Milchsorten entscheiden zu müssen und mich nicht mit “Geiz ist geil” oder “KIK, der Textildiscont” anschreien lassen zu müssen.
24. März 2009 um 10:04
Ganz ehrlich – die Pisastudie wäre zu DDR-Zeiten ganz anders ausgefallen. Das dahemalige Schulsystem, sowie das Miteinander von Heranwachsenden und den Alten und den daraus resultierenden Respekt zueinander haben entschieden zur Bildung von Allgemeinwissen und Interlekt beigetragen. Ich bin ganz fest der Meinung, das eben dieser Mangel an Respekt die Bildungslücken der Gegenwart wiederspiegelt. Wissen kann meines Erachtens nur dann vermittelt werden, wenn der, der es vermittelt auch als Respektsperson behandelt wird.
24. März 2009 um 10:07
@ Marco: Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Es ist immer Wahlkampf! Darum geht es doch, nicht etwa um so profane Dinge wie soziale Gerechtigkeit. Das sind nur Floskeln und die gehören … na wohin? Richtig! Zum Wahlkampf.
24. März 2009 um 10:16
@ Martin: Du hast vollkommen Recht. Uns liegt hier eine Bewerbung eines Mittzwanzigers vor, die ihresgleichen sucht. Daran kann man auch sehr schön die Ergebnisse der PISAstudie ablesen. Meine Frau ist gestern von einem ihrer Schüler, der das Abitur, also die allgemeine HochschulREIFE abzulegen gedenkt, beschimpft worden. Eine Überreaktion. Zeigt sie aber dennoch den Verfall der Sitten und offenbart gleichsam mit der sich anschließenden komplizierten Prozedur die Machtlosigkeit derer, die unsere Zukunft ausbilden soll.
Zu DDR-Zeiten ist klar gewesen, wer Opfer und wer Täter war, heute muss das die Justiz entscheiden und die Allgemeinheit bezahlen.
24. März 2009 um 10:17
So – nu is gut! Käffsche!
24. März 2009 um 10:18
Bingooo.
24. März 2009 um 11:36
@ Den Versuch einer differenzierten DDR-Betrachtung mit »Unterm Führer…« zu vergleichen….
Die Betrachtung von Sellring war was bitte?! Differenziert? Ich schmeiß mich weg..
Bitte mal aufwachen. Pioniernachmittage, Kindergärten, ein funktionierendes Schulsystem, etc. sind NICHTS wert, wenn der Preis dafür die fehlende Meinungsfreiheit, Stasi & Justiz a ´la DDR und die Toten an der Mauer sind. In so einem Land will ja wohl keiner von uns leben. Oder doch?
24. März 2009 um 11:52
Sagt ja keiner, das ALLES gut war. Es war aber auch nicht alles SCHLECHT. Jetzt angekommen?
24. März 2009 um 11:55
@ Jetzt angekommen?
Nö
24. März 2009 um 11:59
@ Nö
Schade.
24. März 2009 um 13:06
Hallo Martin,
ich schrieb “Versuch”, denn wir stehen erst am Anfang einer differenzierten Betrachtung, die durch deinen polemischen Vergleich gleich wieder abgeblockt werden soll.
Die DDR war ohne Zweifel ein “Unrechtsstaat”. Aber sie nur darauf zu reduzieren ist sehr armseelig und so dünn als würden wir behaupten wir leben jetzt in einer “gerechten Welt”, weil wir in einem Rechtstaat leben.
24. März 2009 um 13:17
Herr Sellering liegt offenbar goldrichtig mit seiner Einschätzung zur Gemütslage der Mecklenburger. Glückwunsch nach Schwerin! Bei der LINKEN ärgert man sich gerade sicher tüchtig über diesen Coup, der den Absender keinen Pfennig kostet und trotzdem ordentlich Punkte bringt. Saubere Nummer!
24. März 2009 um 13:58
@ wir stehen erst am Anfang einer differenzierten Betrachtung
Wirklich? Ich nicht. Für mich ist es ein Allgemeinplatz, zu wissen, dass die DDR ökonomisch, moralisch und politisch gescheitert ist. Und natürlich reduziere ich die DDR rückblickend nur auf den Terminus „Unrechtsstaat“, auf was denn sonst? Das lässt sich doch für jeden Bereich der Ex DDR locker durchdeklinieren. Man braucht doch nur an all die tollen sozialen Errungenschaften denken, die mit ökonomischen K.O. der DDR erkauft wurden. Was für eine Verschwendung von Arbeitskraft, Lebenszeit und Ideen. Die Leute so zu bescheißen war kein Unrecht?
24. März 2009 um 14:05
Manche sehen mit dem rechten und dem linken Auge genau dasselbe. Und glauben, dies sei Objektivität.
Stanislaw Jerzy Lec (1909-66), poln. Schriftsteller
24. März 2009 um 14:59
Okay war vielleicht etwas zu scharf formuliert. Aber ich geb mal ein Beispiel:
Meine erste Rostocker Wohnung war ne Platte. Miete: 49,90. Die zweite Wohnung in der Waldemarstaße 15 kostete 19,90. Verdient habe ich zum Schluss Mark der DDR 980. Im Verhältnis zur Miete hört sich das gut an. Allerdings konnte von diesen Mieten die Häuser nicht erhalten bzw. im Falle der Waldemarstraße, nicht in Stand gesetzt werden. (Von der Energieeffizienz der Platte ganz zu schweigen)
Um dieses zu ermöglichen, hätte ich “Marktpreise” bezahlen müssen, d.h. ich hätte wahrscheinlich auch ein 20% bis 30% meines Nettogehaltes für das Wohnen aufwenden müssen. So waren es nun 5% bzw. 2%.
Gleiches Problem/Thema bei Gas, Wasser, Strom, Grundnahrungsmittel, etc., alles war subventioniert. Arbeitslose? Wenige. Die Leute wurden mit durchgeschleppt, dementsprechend war die Produktivität der Unternehmen.
Rückblickend kann ich natürlich sagen, es war nicht alles schlecht. Ich hatte nen Job, ne billige Wohnung, günstiges Essen etc. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Der Staat war Pleite und der Staat sah auch aus wie Pleite. Das ist eine Tatsache. Und die Leute, die nach 1945 in dem Glauben angetreten sind, wir bauen hier das bessere Deutschland, die wurden um ihre Lebensleistung betrogen – und das war Unrecht. Das ist doch gar nicht zu diskutieren. Mit ist es komplett unverständlich, wie man hier noch etwas Gutes sehen will.
Den einzigen Punkt, den ich positiv sehe, der betrifft das Miteinander, was sicher “sozialer” war. Wobei man hier natürlich auch fragen kann, warum das so war und was war der Preis dafür.
Noch ein Buchtipp: Die vergessene ‘Autonomie’ der Arbeiter. Eine Studie zum frühen Scheitern der DDR am Beispiel der Neptunwerft
24. März 2009 um 15:42
@ Und die Leute, die nach 1945 in dem Glauben angetreten sind, wir bauen hier das bessere Deutschland, die wurden um ihre Lebensleistung betrogen – und das war Unrecht.
Ach und nach 1989 hat sich das geändert? Stimmt, jetzt wird ja nicht mehr gemeinsam an einem besseren Deutschland gearbeitet. Das macht jetzt jeder für sich aus. Polemik hin und her, jede Epoche hat ihr Gutes und auch ihr Schlechtes. Über das Maß bzw. die Gewichtung läßt sich, wie man hier sieht, tüchtig streiten. Vielleicht, bin ich ja auch noch zu jung, um wirklich mitreden zu können. Aber blind und dumm bin ich nicht, um zu erkennen, das der PISA-Sieger Finnland ein Bildungssystem verwendet, welches auf dem Schulsystem der DDR aufgebaut wurde. Der “Grüne Punkt” hieß früher “Sero” und hat zudem auch noch funktioniert. Die Jugend wurde beschäftigt und nicht wie heute in vielen Fällen sich selbst überlassen. Ganz zu schweigen von der Forschung und Entwicklung damals. Klar man hätte wirtschaftlich und damit auf Dauer mehr herausholen können. Nur verteufeln würd ich nicht alles. Vieles, aber nicht “ALLES”. Und wenn ich so weiter darüber nachgrübel, fällt mir bestimmt noch mehr “Nicht ganz so Schlechtes” von damals ein.
24. März 2009 um 16:23
@ Herr W.: Martin! Lass uns in die DDR ziehen!
24. März 2009 um 17:28
@Martin Weißflog: Gab es überhaupt etwas wirklich »Schlechtes« in der DDR? Die so genannte »Mauer«, der antifaschistische Schutzwall hielt immerhin die imperialistischen Revisionisten auf Abstand und die heute so häufig im Fernsehen bemitleideten, egoistischen Grenzverletzer brachten durch ihr verantwortungsloses Handeln die Grenzsoldaten – einfache, deutsche Jungs – in tausend Nöte!
Nicht nur das: Kindesmißbrauch, Aids und Drogen gab es dank Margot Honeckers beherztem Einsatz für die Jugend so gut wie gar nicht in der DDR.
Heute werden die Errungenschaften des Sozialismus leider häufig kleingeredet, doch zum Glück gibt es ja Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern, die treu zu ihrer Heimat stehen und ihren Eltern die Stange halten – trotz aller Hetze in den Westmedien über Stasi & Co. Ein Großer hat mal gesagt: Vorwärts immer, rückwärts nimmer! So wollen wir es auch künftig halten, liebe Kameraden. Mein Opa war übrigens bei der Waffen-SS, aber das gehört hier vermutlich nicht her, oder? Entschuldigung!
24. März 2009 um 17:54
Oha, harter Tobak lieber Ekkard Bäuerle. Hab ich also doch den Eindruck erweckt alles für Gut befunden zu haben. Wiederum ein Schade von mir dazu.
24. März 2009 um 18:05
@ Ach und nach 1989 hat sich das geändert?
Na klar! Ich konnte Studieren was mir in der DDR nicht möglich war. Ich kann mein Leben so führen wie ich es will. Mein Rechtsanwalt muss nicht bei der Stasi antreten, wenn ich mich kritisch zur Politik der “Partei & Staatsführung” äußere. Ich kann jedes Buch lesen das mir gefällt und drüber öffentlich reden. Meine Konsumbedürfnisse kann ich wann immer ich will befriedigen und sei es das ich dafür nach New York fliege. Wenn ich nach Rostock komme, dann sehe ich eine top sanierte Stadt mit 1 A Infrastruktur.
Das der BRD Kapitalismus als Vorstufe zum allein selig machenden demokratischen Sozialismus nicht das perfekte System ist, dürfte auf der Hand liegen. Den Vergleich gegen das Kackland DDR gewinnt er aber immer.
Go West, young man
25. März 2009 um 09:53
@Martin: Ja du kannst studieren, in die USA fliegen und Bücher lesen. Aber gleube mir Herr Schäuble und seine Wirtschaftsvertreter werden das schon bald ändern. Elektronische Pässe, Volkszählung, Telefonüberwachen (präventiv), “Bundestrojaner” und Sperrlisten für Webseiten. Das ist bereits heute in Teilen realität. Ihre Verhasste Stasi kommt wieder. Und das mit einer solchen Dominanz wie Sie es nicht für möglich gehalten haben. 1984 war gestern und im Vergleich zu morgen nur ein Witz. Auch Sie werden sich in 20 Jahren an die “gute alte DDR” erinnern und feststellen das nicht alles schlecht war.
25. März 2009 um 10:01
@ Ihre Verhasste Stasi kommt wieder.
Denk ich auch. Spätestens wenn Die Linke an die Macht kommt.
25. März 2009 um 10:39
“Denk ich auch. Spätestens wenn Die Linke an die Macht kommt.”
Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem Hier und jetzt befassen, die Linke hat mit der aktuellen Bundespolitik, nicht die bohne zu tun. Keiner der von Herrn Both angeführten Punkte wurde von der Linken, initiiert oder getragen. Über die weitreichende Überwachung, die in der BRD stattfindet und ebenso wie in der DDR auch zu massiven individuellen einschnitten führt kann man sich informieren, oder man kann bindlinks dran glauben das heute alles besser ist.
Schön das Sie nach New York fliegen könnten wenn sie denn wollten, und es sich leisten können, und nicht auf irgend einer No Fly liste stehen …. aber heute ist ja alles viel schöner und Bunter … schön wenn jemand so frei ja zu Bananen sagen kann, die am Rande bemerkt, heute ebenso Subventioniert sind. Ach ja Subventionen … mhhh wie war die Staatsquote der BRD vor der “Vertrauenskrise” … ~ 42% Herr Richter, wenn nicht hinschauen wollen, und dabei bemerken das auch die Kapitalistische Welt, schlicht Pleite ist, dann ist das Ihre sache, aber dafür kann die DDR nicht viel.
25. März 2009 um 10:39
In China ist seit Montag übrigens Youtube gesperrt und in Russland muss man als kritischer Journalist um sein Leben fürchten. Nur mal so nebenbei als Zusatzinformation für die Verteidiger der bundesrepublikanischen Internetfreiheit, die viele bei uns ja so brutal durch Frau von der Leyen bedroht sehen wegen der von ihr betriebenen, möglichen Sperrung von Kinderpornoseiten. Oder muss man diese kulturellen Unterschiede einfach akzeptieren? So nach dem Motto: Der Chinese ist nun mal ein feiner Absatzmarkt und der Russe kennt es halt eh nicht anders?
25. März 2009 um 11:05
Großartig die Auswahl an Themen: in der DDR war nicht alles schlecht, die Stasi kommt wieder, ich mag Bananen..
Aber in einem muss ich den einen oder anderen enttäuschen. Der Kapitalismus mag ja momentan etwas am Arsch sein. Aber verschwinden wird er glücklicherweise nicht.
25. März 2009 um 11:21
@Ekkard
Ein bisschen Zensur gibt es nicht, genauso wenig wie ein bisschen Schwanger . Die Bundespolitik ist in den letzten Jahren geprägt von Dammbrüchen, wenn sich Frau von der Lyen durchsetzen kann, werden binnen von nem Halben jahr die ersten nicht Kindesmissbrauchs seiten gesperrt sein. Und Hilft die Maßnahme ? Nein, nicht die Bohne, bei dem Vorstoß geht es nicht um den Schutz der Kinder, sondern um das Implementieren eines Verfahrens.
@ Martin R.
Nun, vielleicht nicht, aber das Chaos was ansteht wird die System Frage deutlich erleichtern.
25. März 2009 um 13:46
@ Stasi kommt wieder. Denk ich auch. Spätestens wenn Die Linke an die Macht kommt
Das würde ich gerne noch erklären: Nach über 100 Jahren linker Ideologie – von Rosa Luxenburg bis zu Chavez – darf wohl als gesicherte Erkenntnis gelten, dass die Linke ein Problem mit anderen Meinungen hat. Das ist bei allen Ideologien, die immer etwas leicht Totalitäres an sich haben, systemimmanent.
Mit dem stasiverdächtigen Gysi und mit Oskar Lafontaine an der Spitze der Linken, sehe ich da erst recht schwarz. Letzterer hat schon vor 20 Jahren das Presserecht im Saarland mit den Füßen getreten. Das meinte ich mit, „wenn die Linke an die macht kommt“
@ Systemfrage
Diese stellt sich nicht. Der Kapitalismus mag mit Mitarbeiterbeteiligungen, mehr Regeln etc. modifiziert werden. Am Ende heißt das System immer noch Kapitalismus. Es wird also weiterhin eine massive Ungleichheit im Einkommens & Wohlstandsgefälle einer Gesellschaft geben. Dagegen ist auch nichts zu sagen, solange alle am Wohlstandfortschritt ausreichend partizipieren. Daran hat es in letzter Zeit ja „etwas“ gemangelt. Das sollte also verändert werden.
Ein deutscher Denker drückte das mal so aus: „Freiheit ist der Gleichheit Feind“. Will ich also mehr Gerechtigkeit und damit auch mehr Gleichheit, dann muss ich die Freiheitsgrade innerhalb einer Gesellschaft einschränken. Das lässt sich aber nur begrenzt exekutieren, weil der Bürger mit dem Begriff der Freiheit, auch die Freiheit so viel Geld zu verdienen wie möchte oder wie er für angemessen hält, verbindet. Ab einem gewissen Punkt ist der Bürger einfach nicht mehr bereit, mehr für gleichen Lohn zu arbeiten, wenn er sieht, dass er mit weniger Aufwand das gleiche verdient. Dann macht sich Bürger unter U. selbstständig, ist vielleicht sogar sehr erfolgreich, kauft sich einen Porsche und schickt seine Kinder auf eine Privatschule. Sein ehemaliger Kollege dagegen fährt nen gebrauchten Kleinwagen und sein Kind geht in eine staatliche Schule. Etwas zugespitzt das Ganze, sicher. Frage: Welchen Einfluss/ welche Bedeutung hat der Wohlstand des Porschefahrers für das Leben des Kleinwagenfahrers? Antwort keinen. Zahlt der Porschefahrer fleißig seine Steuern, eher einen positiven Einfluss. Aber sonst?
Beide stehen sie an der Ampel, der eine in seiner sauteuren Karre und der andere schaut aus dem Kleinwagen rüber und denkt: Dieser Arsch, warum hab ich das nicht gemacht…..
25. März 2009 um 15:02
Das mit dem Porsche ist auch so eine Sache. Arbeit ist das Salz der Erde, aber im Regelfall kommt der Porschefahrer vor salzen gar nicht mehr zum essen. Ich kenne da so einige Fälle. Da trägt dann auch der Porsche nur noch begrenzt zur Motivation bei. Der dient manchem vielleicht zunächst als Projektion und Triebmittel, genügend Ehrgeiz zu entfalten, um sich auf den Weg nach oben zu machen. Dagegen spricht gar nichts, im Gegenteil, denn mit dem Mehrwert wird anderen die Arbeitslosigkeit finanziert. Vielleicht auch mal mir.
25. März 2009 um 20:19
Genau, das ist der Unterschied. Jetzt geht es nur noch um den Porsche.
Wenn ich eine Vergleichsliste machen würde, was war gut und was war schlecht, dann wäre die schlechte Liste viel länger und sie hätte mit dem System zu tun. Das Gute hätte mehr mit den Menschen zu tun, die mehr oder weniger Mut zu eigenen Entscheidungen hatten und oft genug mehr Freiheit auch in jenem System hatten, als uns aus heutiger Sicht zugestanden wird.
Ich vermisse die DDR nicht. Wenn ich etwas vermisse, ist es die Vision, dass die Dinge sich verändern könnten, dass es nicht lächerlich war, sich Gedanken zu machen, wie eine gerechtere vernünftige Welt aussehen könnte. Jetzt geht es nur noch um den Porsche oder die täglichen Bananen.
Ich vermisse die ZEIT, die wir zum Leben und zum DENKEN hatten. Jetzt habe ich KEINE Zeit mehr, bin nur mit Überleben beschäftigt, obwohl ich viel mehr besitze als ich zum Leben brauche (einen Porsche kann ich mir trotzdem noch lange nicht leisten, wozu braucht man den denn eigentlich?), viel mehr arbeite als zum Überleben nötig wäre. Aber das Rad muß sich ja drehen…
25. März 2009 um 20:53
So, Käffsche ausgetrunken, wo waren wir stehen geblieben?
25. März 2009 um 22:19
@ Gunnar: Du hast quasi fast nix verpasst.
25. März 2009 um 22:28
Beim Porsche. Das kommt von polarisieren.
29. März 2009 um 22:24
@Martin Richter
Ich habe mir nicht den gesamten Inhalt des doch zu recht zu wenig behandelten Themas durchgelesen, aber eines fällt auf:
Die, die am meisten die Äußerungen Sellerings (gebürtiger Westphale) kritisieren (mit verlaub, WESTDEUTSCHE), halte das System, in dem sie gelebt haben für das Richtige/Bessere. Nur das genau bei diesen Leuten überhaupt keine Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit stattfindet.
Es gibt keine differenzierte Behandlung des Themas DDR, wenn es dazu nicht auch die Aufarbeitung der BRD und ihrer “Besonderheiten” gibt.
30. März 2009 um 12:22
Eugen Roth: Umstürze
Ein Mensch sieht wild die Menschheit grollen:
Paß auf! Jetzt kommt, was alle wollen!
Doch schau, die Klügern sind schon still:
’s kommt, was im Grunde keiner will.
Achja, wer noch Lust auf ein bisschen DDR hat, sollte nach Norwegen kommen. Willkürlich herausgegriffen: Kostenloses Obst für Schulkinder, Kindermassenveranstaltungen (ob sie wollen oder nicht), (gelegentlich) Mittwoch um 13.00 Uhr Feueralarm, im Öffentlichen Dienst ständig Versammlungen um sich zu loben und gleichzeitig die nächste Versammlung vorzubereiten, Klempnertermin frühestens in einer Woche, OP-Termin in einem Jahr, das Leben verläuft insgesamt langsamer.
30. März 2009 um 12:29
@ Es gibt keine differenzierte Behandlung des Themas DDR, wenn es dazu nicht auch die Aufarbeitung der BRD und ihrer “Besonderheiten” gibt.
Die Aufarbeitung der DDR Geschichte bedingt die Aufarbeitung BRD Geschichte? Wieso das denn? Gab´s in der BRD auch einen Schießbefehl?
30. März 2009 um 14:25
Hilfe!
Es wird Zeit, dass dieses Forum seinen Olaf bekommt. Aufmerksam wurde ich durch die regionale Nähe des Administrators und einige schon etwas zurückliegende Beiträge zu einem Buch, in dem es unter anderem um sozialistische Schulden geht. Darunter fand ich einige nicht sonderlich niveauvolle Äußerungen.
Zunächst möchte ich euch um Mithilfe bitten. Wer hilft mir, eine Liste von – sagen wir fürs erste – 100 Staaten zu erstellen, die ökonomisch gescheitert sind?
30. März 2009 um 19:20
@martin:
genau! *kopfschüttel*
hat nur keine sau interessiert. ok, vielleicht den benno.
und vielleicht den rudi.
in der ddr gabs arbeit für jeden, in der brd gabs für einige nicht mal die möglichkeit, ihrer arbeit nach zu gehen, so von staats wegen.
nazis wurden hohe politiker, weswegen auch die jungen wilden auf die straße gingen, wo wir wieder beim benno wären. ein wenig verkürzt.
aber das wahr ja kindergarten gegen die ddr. sorry, greift zu kurz.
weder die ddr noch die brd sind zimperlich mit (selbstdefinierten) gegner umgegangen. beide staaten hatten aber auch vorteile. und ein vergleich bringt mehr als den einen staat unkonkret zu verurteilen.
30. März 2009 um 20:15
@100 Staaten zu erstellen, die ökonomisch gescheitert sind:
Ich fang mal an: Die BRD, so wie sie heute existiert können wir bestimmt schon mal dazuzählen. ..
30. März 2009 um 20:31
Der Punkt
ist doch, niemand kann sich seine erste Staatsbürgerschaft aussuchen. Irgendwo auf der Welt haben eine Frau und ein Mann Sex miteinander, und schließlich kommt der Moment der Wahrheit: ein neues Erdenleben! In meinem Fall ist zweierlei sicher:
1. Meine Eltern hatten Sex in der DDR!
2. Ich bin ein DDR-Bürger mit verlorener erster Staatsbürgerschaft!
Erst seit einigen Jahren ist mir bewusst, dass ich seit meiner Geburt eine zweite deutsche Staatsbürgerschaft habe, die der Bundesrepublik, die ihren Alleinvertretungsanspruch für alle Deutschen nie aufgegeben hat. Staatsbürger zu sein ist aber mehr als ein Pass und ein Personalausweis. Das bedeutet dazuzugehören, angenommen und Teil der nationalen Geschichte zu sein. Das bedeutet, den eigenen Lebenslauf in den großen Gesamtzusammenhang einordnen und ohne Groll zurückblicken zu können.
So gesehen wird mir mein im Grundgesetz zugesichertes Recht bis heute verweigert. Ich lebe, obwohl ich immer in der Heimat geblieben bin, im Exil.
31. März 2009 um 01:22
@ muidem:
Korrekt, weder die DDR noch die BRD gingen zimperlich mit ihren Gegnern um. Wenn ich an die ganzen Todesurteile in der BRD denke. Wirklich grausam. Wie hieß eigentlich das Pendant zu Hilde Benjamin in der BRD? So was feines hatte die BRD für armen DKP Lehrer (die meinen sie doch, oder?) bestimmt auch.
31. März 2009 um 09:01
Hallo Herr Richter,
so wehement und beharrlich, wie Sie wiederholt Ihre Meinung kundtun, möchte ich nun schon gerne wissen, was genau man Ihnen und Ihrer Familie angetan hat. Ich kann mit Sicherheit Ihren Standpunkt nachvollziehen und ein Verständnis dafür entwickeln, warum Sie nicht “ein” gutes Haar auf der Glatze des gescheiterten DDR-Systems finden wollen. Zumal ich hier bisweilen keinen Beitrag gefunden habe, der Ihre Meinung, das die DDR ein Unrechtstaat gewesen ist, nicht teilt. Im Gegenteil! Nur darum ging es ja auch gar nicht. Es gibt nun mal nicht nur Schwarz und Weiß; ja und nein, gut und schlecht. Sollten Sie allerdings traumatische Einschnitte während der DDR erlitten haben, dann kann ich die meines Erachtens “fehlende” Distanz Ihrer Sichtweise und Ihre Meinung gut verstehen.
31. März 2009 um 10:02
Das Wort
Unrechtsstaat hat ein mir bekannter DDR-Jurist zum ersten Mal 1990, auf dem Juristentag in München aus dem Munde von Klaus Kinkel gehört. Er war fassungslos. Hinter ihm tuschelten zwei Frauen. Eine fragte – sinngemäß, ob die andere mit in den Osten komme. Wieso, fragte die, was soll ich da? Ob sie denn noch nicht gehört habe, dass die DDR-Leute nicht mehr eingesetzt werden dürfen und alle Stellen neu besetzt werden müssen.
Im Folgejahr erschien im Siedler Verlag Berlin ein Buch von dem in Dresden geborenen Arnulf Baring: “Deutschland, was nun?” Hier ein Auszug, S. 59:
“Die heutige Lage in der ehemaligen DDR ist in der Tat vollkommen anders als bei uns nach 1945. Das Regime hat fast ein halbes Jahrhundert die Menschen verzwergt, ihre Erziehung, ihre Ausbildung verhunzt. Jeder sollte nur noch ein hirnloses Rädchen im Getriebe sein, ein willenloser Gehilfe. Ob sich einer dort Jurist nennt oder Ökonom, Pädagoge, Psychologe, Soziologe, selbst Arzt oder Ingenieur, das ist völlig egal: Sein Wissen ist auf weite Strecken völlig unbrauchbar. Wir können den politisch und charakterlich belasteten ihre Sünden vergeben, alles verzeihen und vergessen. Es wird nichts nützen; denn viele Menschen sind wegen ihrer fehlenden Fachkenntnisse nicht weiter verwendbar. Sie haben einfach nichts gelernt, was sie in eine freie Marktwirtschaft einbringen könnten.”
31. März 2009 um 10:33
@ Martin Weißflog
n = 1 großartig!
Das allzu Privates gehört nicht ins öffentliche Forum. Gerne bei nem Bier auf dem nächsten Blog Autoren Weihnachtsmarkt
31. März 2009 um 10:47
Okay. Bin dabei.
31. März 2009 um 11:55
Der Weihnachtsmarkt öffnet doch gerade wieder, wie ich gehört habe. Ich wette, es gibt sogar Mutzen.
31. März 2009 um 13:57
Hey Gunnar,
ist das wahr, du würdest die ostdeutsche Fördermittelindustrie (ist sowieso ein Auslaufmodell) hinter dir lassen und mit mir in die graue, industrieverdreckte DDR ziehen? Möglicherweise würde es ja nach 20 Jahren Marktwirtschaft gar nicht so übel aussehen in der DDR. Wenn wir also zurückwollen, müssen wir darauf bestehen, dass bei der Rückübertragung die guten alten Treuhandgesetze gelten und wir für den Produktionsausfall der letzten 20 Jahre entschädigt werden. Wie reimten die Treuhandmitarbeiter seinerzeit fröhlich: Nimm Papier und Blei und multipliziere mit drei. Ich denke, das wird ein gutes Geschäft – vorausgesetzt, du bist ein DDR-Bürger.
1. April 2009 um 10:40
@ Olaf: Ich bin ein DDR-Bürger, Angehöriger einer aussterbenden Rasse
Und die Idee mit der Rückübertragung finde ich ausgezeichnet. Lass uns umziehen.
Gut, ich hätte dann zwar kein Eifone, keinen Meckintosch und keine Speed Triple … aber irgendwas is ja immer.
1. April 2009 um 11:08
Die Idee mit der Rückübertragung hatte meine werte Mutter schon nach der Wende, irgendwann noch vor dem 2 Weltkrieg, gehörte ein Teil ( wie auch immer k.a. ) des Hofbräuhauses in den Familienbesitz, nun nachdem nun Hinz und Kunz sich alles zurückholen durften was irgendwann mal irgendwie in der Besitz ihrerer Familien gehörte zurückholen durfte versuchte sie dies, natürlich vergeblich, ebenso … Nun heute sind ja eh alle gleich
Nun da polemisierung eh was tolles ist, Unrechtsstaat BRD wie er leibt und lebt : http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30054/1.html und das ist bei weitem kein Einzelfall …
Aber immer schön weiter feste dran glauben das Hüben eh alles besser ist
1. April 2009 um 11:14
Auf meinen Mac
kann ich unmöglich verzichten. Aber warum meint nur alle Welt, die DDR sei ein statischer Zustand gewesen, ohne jede Alternative? Ist die Erde eine Scheibe? Hat Erich Honecker die Mauer gebaut? Nein, denn er war Dachdecker und nicht Maurer. Unseren ersten Mac hätten wir uns im Herbst 91 bei der Weinlese in Rheinhessen verdient. Mittlerweile gäbe es in der DDR jede Menge ganz widerwärtiger Neureicher, es gäbe Armut (wenn auch nicht in dem heutigen Ausmaß), nicht einmal an Klugscheißern würde es fehlen. Aber es wäre etwas Eigenes. Dieses 108.000 qkm große Territorium mitten in Europa hätte eine Perspektive.
Da ist nichts mehr zu machen. Doch zumindest können wir respekt- und niveauvoll miteinander reden.