… der hat in seinem Leben einen Haufen Bücher gelesen. Ich kenne ihn noch aus der Schulzeit.

Schweiz

Später studierte er Germanistik und arbeitet mittlerweile in Berlin am Theater. Bei all der gesellschaftskritischen Auseinandersetzung ist er ansonsten ausgesprochen unternehmungslustig.

Einmal machte ich mit ihm einen Weihnachtsausflug. Am ersten Weihnachtfeiertag, wenn die Straßen von konsumrauschausschlafenden Menschen verweist sind, stellten wir uns an die Ausfahrt unseren Heimatortes, um irgendwohin Richtung Süden zu gelangen. Das war Anfang der 90er Jahre. Ein russischer Armee-LKW beförderte uns das erste Stück. Wir trafen eine Menge netter entspannter Leute und wir kamen gut voran.

Nach einigen Tagen wurde es Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Wir waren am Lago Maggiore in Norditalien und wollten über die Schweiz zurückreisen. Es ging auf der wenig befahrenen Bergstraße nicht gut voran und wir mussten die Grenzstation auf dem verschneiten Pass zu Fuß erreichen.

Die Sonne schien, als sich die Schweizer Zollbeamten unsere zonendeutschen Ausweise zeigen ließen. Während vereinzelte Fahrzeuge durchgewunken wurden, mussten wir unsere Bagage von den Hoheitswächter scheibchenweise filzen lassen.
Wir fanden das nicht sehr lustig, machten untereinander Bemerkungen wie „Ein Schweizer im Ausland – aber die Deutschen sind genau so.“. Ich kannte das Zitat und die Anspielung auf die Situation. Auch der Schweizer Grenzhüter hatte etwas aufgeschnappt und wollte wissen, was wir gesagt hatte.

Beamter: „Was haben sie da gerade gesagt?“
Freund: „Ach, nur ein Zitat von einem Schriftsteller.“
Beamter: „Was für ein Schriftsteller?“
Freund: „Franz Hohler.“
Beamter: „Ein Ostdeutscher?“
Freund: „Nein, ein Schweizer.“

(Franz Hohler ist einer der bekanntesten Schweizer Kabarettisten und wurde auch im Osten verlegt.)

Die Filzaktion war dann recht bald zu Ende und unsere Laune mehr als wieder hergestellt. Den Silvesterabend verbrachten wir bei der Familien eines Schweizer Journalisten in Zürich, der uns ein Menge erzählte über die Schweizer Demokratie.

Fazit:

  • Ab und an mal in die Schweiz fahren, ist ein wirklich nettes Land
  • Ab und an mal ein Buch lesen (gilt auch für Beamte)
  • Vom Gegner geschenkte Elfmeter unbedingt verwandeln, du könntest sie sonst beleidigen
  • Vom Bärndütsch nicht auf den Charakter eines Menschen schließen