Ich hatte mal einen Freund … (III)
… der sagte zum Ende der Kohl-Ära: “Wir brauchen einen neuen Kanzler. Wer will schon von jemandem regiert werden, bei dem man sich einfach nicht mehr vorstellen kann, …” Du weißt schon.
Entschuldigung, nichts gegen Herrn Kohl und seine mittlerweile Dahingeschiedene. Tragische Geschichte. Aber kurz darauf bekamen wir tatsächlich einen neuen. So ein hemdsärmeliger Typ mit ruhiger Hand, dem man gerne in der Kneipe begegnet, wenn man mit dem Gedanken spielt, am nächsten Tag sein Leben zu ändern. Meinen Freund und andere solide Menschen überzeugte er durch seine junge Frau, die er – taktisch klug und den bürgerlichen Normen entsprechend – ein Jahr zuvor geehelicht hatte.
Eingefallen sind mir die alten Kammelen aber nur, weil sich unsere Nachbarn zur Linken gerade einen neuen geangelt haben. Der Mann heißt Sarkozy und das singende Model an seiner neuen Seite Carla. Eigentlich ein altmodischer Name, aber das mag in ihrer italienischen Heimat anders aufgefasst worden sein. Meine Großmutter übrigens hieß Zorkóczy. Die Frau war Künstlerin, wie der französische Präsident ungarischer Abstammung und ist 1941 in der Klapper gestorben. Auch so eine unschöne Geschichte. Aber egal. Die Franzosen jedenfalls haben nun ein gewähltes Problem.
Einerseits hatten sie sich fortschrittlich wie eh für einen Einwanderersohn eintschieden, der noch Visionen hat und weiß, wie mit seinesgleichen umzugehen ist. Auch seinen persönlichen Geschmack dürfte mehr als nur der männlichen Bevölkerungsteil befürworten. Und die Frau kann tatsächlich singen.
Auf der anderen Seite müssen sie jetzt jemanden ertragen, der einem mit seiner Rolex und seinem demokratischen Glück auf die Nerven geht. Erinnert er einen doch zu stark an die eigenen Unfähigkeit, sein Schicksal selbst in die zittrige Hand zu nehmen. Außerdem ist da noch die Geschichte der verschmähten Ségolène, die nicht nur das repräsentative Äußere, sondern gar den passenden Namen mitgebracht hätte.
Vielleicht ist es einfach nicht gut, alles zu haben. Vor allem nicht, dazwischen wählen zu müssen. Da können wir mit uns Angie doch recht zufrieden sein. Einerseits kann man sich irgendwie vorstellen, andererseits muss man auch nicht.
Fazit: war schon.

28. Dezember 2007 um 18:12
Unsere Kanzlerin, subkutanes Urgestein Mecklenburgs: sozialistische Arbeitsethik, protestantisches Pflichtgefühl und die Durchsetzungsfähigkeit von Helmut Kohl.
Über Herrn Sarkozy gibt es folgende Geschichte – wieder mal aus der Cicero. Einer Journalistin, die eine hochpolitische Zeitung las, blickte er im Wahlkampf minutenlang schweigend über die Schulter. Als sie ihn schließlich nach seiner Meinung fragte, antwortete er nur: “tolle Uhr”: Er hatte sich die ganze Zeit die Anzeige für eine Luxus-Rolex angeschaut. Pas de problème, monsieur le président!