Ich hatte mal einen Freund (IV), …
der war eine Gourmet-Koryphäe.

Nun, Freund ist in diesem Falle übertrieben. Ich arbeitete seinerzeit für eine Agentur, die Veranstaltungen gehobener Gastronomie organisiert und begegnete dem Typen vielleicht zwei mal im Jahr bei besagten Events. Der Mann war mir sympathisch.
Fakten:
- Der Bas-Armagnac ist ein besser Armangnac
- Der Armangnac ist besser als ein Cognac
- Cognac und Armagnac sind besserere Weinbrände
- Cognac und Armagnac sind durch Destillation aus Wein gewonnene Schnäpse
- Schnaps ist was zu trinken, löscht aber nicht den Durst
- Durst ist …
Er verdiente sich in seinem früheren Berufsleben als Leiter eines Rechenzentrums und pflegte schon zu dieser Zeit Besuche in ausgewählten Häusern deutscher Esskultur. Im Internetzeitalter veröffentlichte er ein nach ihm benanntes Restaurant-Ranking. Für Leute aus der Szene und etablierte Köche wurde das Ranking zu einer Instanz – wie Jürgen Dollases Kolumnen in den Printmedien.
Anwendung:
- Schwenker umfassen, schwenken und durch Handwärme das Aroma entfalten
- Nase ins Glas hineingleiten
- Schnüffeln
- Schlückchenweise nippen
- Vom Bas-Armagnac erzählen
- Fortfahren bei Punkt 1
Mein Aufgabenfeld bestand in ein wenig Organisation und Koordination im Rahmen der Veranstaltung – ich könnte auch Managment auf mittlerer Führungsebene dazu sagen. Allerdings blieb mir die Welt der den Events entsprechenden Etablissements wenig vertraut, was den Job für mich anstrengender machte, als er inhaltlich zu bewältigen gewesen wäre. Kann natürlich auch es sein, dass mir das entscheidende Managergen fehlt.
Gegenanzeige:
- Bas-Armagnac nicht wie einen Kurzen kippen
- Bas-Armagnac ist für das Prekariat nicht zu empfehlen und kann beim Sozialamt schlecht abgerechnet werden
- Bas-Armagnac ist für Ernährungszwecke von Kindern nicht zu empfehlen
- Bas-Armagnac nicht mit der Microwelle behandeln
- Bas-Armagnac ist für Alkoholiker nicht zu empfehlen (siehe Punkt 1+2+3+4+6)
- Bas-Armagnac schützt nicht die und vor der Königin
Jedenfalls war ich zumeist sehr erleichtert, wenn die Veranstaltung und das anschließende VIP-Treffen zu Ende gingen. Dannach gab es noch eine lockere Absackerrunde der Organisatoren, zu der sich der Gourmet-Guru – als Einziger davon hatte er schon das ausgiebige Galamenü und den Gängen entsprechenden Wein genossen – gesellte und erzählte bei einer Gelegenheit der interessierten Gesellschaft anschaulich über das nach fachkundiger Etikettenkontrolle vom Barkeeper ihm ausgehändigte Getränk. Bas-Armagnac.
Recherche:
Der bessere Cognac – Armangnac bei Wikipedia
Ranking vom Gourmet-Guru

6. März 2008 um 09:26
Oh, hatten Sie den Auftrag das Hisbollah-Artikelchen aus dem Browserfenster zu dissen? Na gut, machen wir halt hier weiter. Zwei Frühaufsteher haben ihn ja noch gefunden.
6. März 2008 um 10:13
Nein, natürlich läge mir eine solche Taktik fern. Leider hatte ich aber gestern abend noch kein passendes Bild, ohne das ich den Küchen-Beitrag nicht veröffentlichen wollte. Also nichts für ungut, wenn ich ihnen unvorsetzlicherweise hernach gekommen bin.
6. März 2008 um 10:19
Ich sehe es Ihnen nach, mein Freund. Zumal Sie sich dort ja auch sehr rege beteiligen.
7. März 2008 um 08:15
Der gute Armagnac wird ja, ebenso wie führende englische Fußballspieler, in der Gascogne zusammengebritzelt. Dass der frankophile Doppelkümmel so toll sein soll, verwundert. Auch wenn mein Opa immer sagte, das schönste Jäckchen wäre das Konjäckchen. Aber das muss nicht stimmen.
7. März 2008 um 08:23
Lieber Herr Lück, etwas zum Thema »Artikel rauskegeln«: Wie Sie festgestellt haben dürften, haben hier zuletzt ebenso Artikel linientreuer Altstalinisten als auch Propagandaschauen antikommunistischer Falken auf dem Programm gestanden. Eng wird es im Blog doch immer nur bei Rechteverletzungen, persönlichen Beleidigungen und Gossensprache, oder wie meinen?
7. März 2008 um 11:36
Wie Sie meinen. Hatte halt den “Kommentare”-Link versucht wörtlich zu nehmen, wollte dabei aber bestimmt niemanden beleidigen.
Darauf einen Bas Armagnac! Obwohl?! Zitat: “Bas-Armagnac ist für das Prekariat nicht zu empfehlen…” Vielleicht bleibe ich dann doch lieber beim Freiluft-Yoga.
7. März 2008 um 12:10
Sehr schönes Bild. Das erinnert mich an einen uns wahrscheinlich über die Geliebte gemeinsamen Bekannten. (die übrigens war schon lange nicht mehr in dieser Runde, oder habe ich einen entscheidenden Pseudonymwechsel verpasst).
Dieser Kollege jedenfalls war über Jahre berühmt für seine artistischen Einlagen am Ende diverser Feierlichkeiten. Ich selbst habe einige seiner Übungen miterleben dürfen, bevor ich den Abend mit einem gebührenden Sicherheitsabstand durch Einneahme der Horizontalen für mich beendete.
Später hat er seine Kunst zum Beruf gemacht, er wurde Yoga-Lehrer.
7. März 2008 um 15:43
Hier ist offenbar die Rede von meinem ehemaligen Wohnungsnachbarn, der ursprünglich aus Ihrem Kulturkreis stammte, Herr Greh. Ich kenne den Herrn noch als lebensfrohen, plauderfreudigen Single mit individueller Mansardenwohnung, der für jedes kühle Herrengedeck leicht zu haben war. Er nannte einen bunten Freundeskreis sein eigen und lebt heute in glücklicher, wenn auch wohl reichlich strenger Ehe in der Freien und Hansestadt Hamburg. Er hat es nicht anders gewollt, der Jesus. Oder so ähnlich.
7. März 2008 um 16:48
Ja, der Herr hat sich mit einem Deckmäntelchen der Bürgerlichkeit umgeben. Ist ja auch keine 18 mehr. Ich gehe jedoch davon aus, dass er seinem Jugendhobby, in exponierter Lage anscheinend schlafend bewegungslos zu verharren, dann und wann frönt.
Mit seiner Kulturkreisabstammung allerdings liegen der Herr Bäuerle deutlich daneben. Das wäre ungefähr so, als wenn ich sie einen Eidgenossen oder gar Rätoromanier nannte. Macht aber nichts, Kulturgeschichte ist ja nicht jedermanns Sache.
10. März 2008 um 07:43
Ach so, jetzt wird auch noch das bulgarisch-rumänische Großreich unter dem Botokudenfürsten Stanislaus (1300-1349) nihiliert? Die größte Zeit dieses Kulturkreises dem Vergessen anheim gegeben? Niemals, mein Lieber! Das würde bedeuten, dem Siebenbürgerland das Herz herauszureissen. Undenkbar!
1. August 2011 um 19:29
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