Italowestern

Der Italowestern oder manchmal auch Spaghettiwestern genannt ist eine Unterkategorie des Western. Hier wird nicht lange Seite an Seite durch die schöne Prärie geritten. Die Handlung lässt sich meist auf ein Wort reduzieren. Rache. Frauen sind Mangelware und den “Helden” kann man von seinen Widersachern optisch und moralisch kaum unterscheiden. Wobei diese zahlreich kommen und genau so schnell wieder gehen.
Dabei ist der Italowestern keine Randerscheinung. Der VW Konzern erkannte recht früh sein Potential und produzierte in den 60er Jahren den TV-Spot “el volkswagen”. Hier übernahm ein VW Käfer die Rolle des treuen Pferdes. Er begleitete seinen Besitzer durch unwegsames Gelände und war stets einsatzbereit. Damit machte er seinen einsamen Besitzer sehr glücklich.
Der Italowestern hat viele bekannte Gesichter hervor gebracht. Clint Eastwood, Franco Nero, Charles Bronson und Henry Fonda (Ekki bitte ergänzen). Aber auch Terence Hill und Bud Spencer drehten Italowestern.

26. Oktober 2006 um 11:12
Kann mich Dir nur anschließen, Marco! Der Italowestern ist deshalb so spannend, weil er alle inneren Eigenschaften des »echten« US-Westerns, nämlich Ehrlichkeit, Fleiß, Disziplin – eben den ganzen langweiligen, protestantisch-puritanistischen Gründungsmythos der USA – auf die Kippe wirft. Stattdessen geht es um niedere Instinkte: Neid, Missgunst und Hunger… Unvergesslich bleibt mir die Szene, in der sich Bud Spencer mit der großen Kelle rülpsend die Bohnenpfanne einverleibt!
Das Feld ist besonders interessant für Sammler, da es, ähnlich der DDR, ein abgeschlossenes Thema mit unglaublich vielfältigen Variationen ist. Da gibt es die Klassiker Sergio Leones (»Zwei glorreiche Halunken, Für eine Handvoll Dollars«), die düsteren Epen Sergio Corbuccis (»Django, Leichen pflastern seinen Weg«) und die nihilistischen Märchen des späteren Zombieregisseurs Lucio Fulci (»Sein Gebetbuch war der Colt«). Hier sind reaktionärste Weltanschauungen neben marxistischer Gesellschaftskritik zu besichtigen. Nicht vergessen: Seine Hochzeit hatte das Genre in den Sechziger Jahren. Film war hier noch mehr als Unterhaltung und besonders in Italien ist der kitschige Herzschmerz dicht dran an der Weltpolitik. Der italienische Horror- und Westernfilm der Sechziger und Siebziger – von Django bis zu den Kannibalenfilmen – stellt eine abgeschlossene Epoche dar, die einzigartig ist. Eine ganz eigenartige Welt, doch es macht einen Riesenspaß, sie kennen zu lernen! Bella Italia!
26. Oktober 2006 um 11:29
Unterhaltsames in Ton und Bild zu Sergio Leone, dem berühmtesten Regisseur des Genres und seinen Fimen unter http://www.sergioleone.net
27. Oktober 2006 um 17:58
Es würde mir leid tun, wenn mit dem Namen Django ein mittelklassiger Western assoziiert bleibt. Als Alternative hätte ich noch einen außerordentlichen Gitarristen anzubieten.
Dessen Lebensgeschichte und Spieltechnik ist schon ungewöhnlich, aber bei allem: seine musikalischen Ideen sind das, was ihn zu einem Idol eines jedes ambitionierten Gittaristen haben werden lassen (mal von pentatonikbesessenen Krachmachern und bornierten Klassikern abgesehen). Die besondere Bedeutung Djangos in der Musik ergibt sich daraus, als erster Europäer stilbildend auf den Jazz Einfluß genommen zu haben. Das geschah in den 1930ern, als Jazz noch zurecht als zeitgemäße populäre Musik zu verstehen war, aber alles andere als trivial war.
3. November 2006 um 14:59
Wie belieben? Django von Sergio Corbucci mittelklassig? Da fehlt mir der Zugang! Als pentagrammbesessener Krachmacher lasse ich mich auch nicht klassifizieren, werter Herr! Empfehle zur Minderung des defizitären Bereichs den Erwerb des Tonträgers »Reign in Blood« der Rockband Slayer – klassische Musik, millionfach kopiert.