Knödel Daddel Du
Wen es nach einem Original Rinderbraten Wenzel Art mit Böhmischen Knödeln und Waldpilzsoße gelüstet und wer dazu ein Staropramen Premium und ein Gläschen Becherovka wünscht, dem empfehle ich neuerdings eine Reise an die Ostsee. Am besten zu den »Prager Bierstuben« nach Warnemünde. Denn nur dort kann man einen ausgedehnten Verdauungsspaziergang am Meer unternehmen und das legendäre Schmugglerboot »Moet« besichtigen.
In das Lokal über den Dächern des Fischmarktes am Alten Strom führt eine gediegene, altersgerechte Rolltreppe. Oben angekommen kann man auf gefühlten 1.000 Quadratmetern bei Blasmusik Knödel verspachteln, bis sie einem zu den Ohren wieder herauskommen. Als ich am vergangenen Sonntag auf dem Weg ins »Wenzels« war, machte ich obendrein noch eine flüchtige Damenbekanntschaft.
Wie immer stellte ich die Limousine vor dem Fähranlieger nach Markgrafenheide ab, weil man von dort aus später das Seebad schneller wieder verlassen kann. Nach wenigen Schritten, gerade als ich aus der Bahnhofsunterführung auftauchte, begrüßte mich eine ältere Dame in strapazierter Freizeitkleidung und mit roten Wangen. Sie bat mich ihre Bierflasche zu öffnen. Da ich seit Jahren kein Feuerzeug mehr dabei habe, geschweige denn einen Flaschenöffner, entkorkte ich die Flasche einfach am nächsten Treppengeländer – was mir einiges an Bewunderung einbrachte. Die Augen der Bierdame glänzten als ich ihr die Flasche reichte; »Sie haben mir das Leben gerettet!« meinte sie dankbar. Ich war mir nicht sicher, bin allerdings auch kein Arzt und ließ es schließlich dabei bewenden.


6. Februar 2008 um 08:26
Aus Böhmen kommt die Musik… Aber Ihr »…auf gefühlten 1.000 Quadratmetern bei Blasmusik Knödel verspachteln« klingt für mich etwa so wie Thüringen, wenn man noch eine Rolltreppe dranbauen würde. Zudem bewundere ich die nonchalante Art, mit der Sie der Dame zur Hand gingen.
Durst ist schlimmer als Heimweh und Kavaliere sind heute leider selten. Also nichts gegen Staropramen, aber was genau geschieht denn bitte »HIER?
6. Februar 2008 um 09:35
Eigentlich ist es ja der Slogan des Frankfurter Flughafens aber »Service zwischen Himmel und Erde« passte den Werbern wohl auch ganz gut zu Staropramen. Das es genau sieben junge Damen sind, von denen man massiert wird, kann ich bestätigen! Bei mir waren sie jedoch »oben ohne«, da ich noch ein paar Becherovka dazu hatte.
6. Februar 2008 um 10:17
Peter, die waren nicht oben ohne! Und die haben auch nicht massiert. Das war ich, als ich Dir auf den Rücken geklopft habe, damit die Knödel besser rutschen. Das Wirtshaus ist wirklich eine Reise wert. Dort sitzen überdurchschnittlich viele alte, dicke Damen mit riesigen Pelzmützen auf dem ondulierten Schädel und drücken die Knödel in die Gulaschsauce, dass es nur so spritzt. Auch der Service ist bemerkerkenswert. Eine ca. 1,35 m große Kellnerin – sehr niedlich, aber RAF-Mitglied – schlendert extrem langsam und burschikos durch den Saal. Trotzdem bekommt man ca. 2 Minuten nach Bestellung schon Bier und Essen – fabelhaft und reichlich für 8 Euro!
Die Bahnhofsbekanntschaft mit der Bierflasche sah so glücklich und erlöst aus. Sie hätte Peter auf der Stelle geheiratet. Nur ihre Gesichtsfarbe war so lila und dramatisch wie ein stürmischer Winternachmittag am Meer.
6. Februar 2008 um 10:49
Ach, herrlich! Ich würde da mal so sagen: »…ein dichtes Netzwerk scharlachroter Verästelungen durchzog ihre aufgedunsenen Wangen, gleich blutgetränkten Fischernetzen, die ihren schmerzhaft bleichen Fang nicht preisgeben wollten.«
Im Restaurant muss ich jedenfalls dringend mal vorbei, da ich schon über den Flyer mit den böhmisierten Überschriften sehr lachen musste. Die Betreiber nehmen sich wohl nicht allzu ernst!
6. Februar 2008 um 12:02
Irgendwie verspüre ich gerade eine ungeheure Leere in der Magengegend.
Essen? – Die Glocken läuten auch gerade!
6. Februar 2008 um 12:11
Serviette »…mit den böhmisierten Überschriften..«
Ja, »Idee trifft Mut.«! Das sind die prachtvollen Ideen einer frischen Dresdner Werbeagentur namens »Speck, Obst & Gemüse«. Die nehmen sich selbst auch nicht so Ernst, ihre Kunden wie Cyberport (127,7 Mio. Jahresumsatz) hingegen schon!
6. Februar 2008 um 13:45
Alleine »Nix Sushi!« und darunter ein Teller mit Knödeln und Speck! Man lacht Tränen angesichts der Kampagne. Erinnere im tschechischen Zusammenhang an die Kampagne 2007 von Pilsner Urquell: Plakate mit den Headlines »Kein Cranberry. Kein Lemon. Kein Bullshit« und »Die Würde des Bieres ist unantastbar«. Großartig! »ZUM ANGUCKEN
6. Februar 2008 um 14:58
Lecker Essen auch für “Unter10Euro”?!? Das klingt sehr verlockend und doch nicht real. Gleich meinem Mittagserlebnis heute gegen 1 Uhr. Ich wollte mir einen Alibi-Chicken-Salat an der Dönerbude am Hauptbahnhof einverleiben. Diesen Gedanken trug auch manch Anderer an diesem Tage. Die Schlange war elendig lang. Der Türkische Kollege, der vor mir bestellt hatte, bezahlte dann auch noch seinen Salat mit einem 500 Euroschein. Wohlgemerkt ohne das der Schabefleischverkäufer muckte oder gar murrrrrrte. 500 Euronen?!? Nicht gerade ein alltäglicher Anblick. Es sei denn, man ist Bänker, arbeitet am Schalter oder im Rotlichmilieu. Ja, ja oder auch bei Qbus. Ist ja gut. Trotzdem läßt mich diese Begebenheit nicht mehr los. … Ich glaube ich habe irgendwo noch eine halbe Flasche Becherovka zu stehen. Die hilft beim Verarbeiten.
6. Februar 2008 um 14:58
Bei SPOG (Speck, Obst & Gemüse) wollte ich mich auch mal als nette, kaffeekochende Praktikantin vorstellen, landete aber doch im Konsum nebenan und erstand aus Verlegenheit dort ein paar Giraffenbananen. Und Wenzels bieten wohl auch bald den böhmischen Caipirinha an, den man mit einer saftigen Buchtel umrühren kann. Macht nix slank, aber besoffi. Mmmmh, lecker, das Salsarico bekommt Konkurrenz.
6. Februar 2008 um 15:24
Am Alaunpark gibt es noch einen Konsum? Wann waren Sie denn da? Und ausserdem, was bitte sind Giraffenbananen? – Hört sich irgendwie fleckig an, als ob sie viele braune Stellen hätten wie ein Giraffenhals.
6. Februar 2008 um 15:52
Na fast mein Gudster. Wenn man sich in der Tannenstraße auf der falschen Straßenseite befindet, sich einmal um die eigene Achse dreht, links über einen dicken Dackel stolpert und dann fälschlicherweise die Alaunstraße weiterläuft, steht man vor dem Kosnum und kann Speck, Giraffenbananen oder Gemüse erstehen. Die Praktikantenstelle war schon weg. Die Giraffenbanane sollte man nicht mehr essen, die wächst noch.
7. Februar 2008 um 16:17
……nach dem Verkauf des Dackels geh ich um 6 in die Kneipe
7. Februar 2008 um 16:32
Herr Richter,
schön das Sie hergefunden haben! Sie hassen doch Hunde soviel ich weiß. Aber bestimmt können Sie etwas Licht ins Dunkel um das Schmugglerboot »Moet« alias Anton Saefkow bringen?!
8. Februar 2008 um 13:42
@ Sie hassen doch Hunde soviel ich weiß.
Eben! Mein Geld verdiene ich ja auch mit dem Fangen derselbigen. Nachzulesen in meiner Biografie. Eine Ausnahme gibt es natürlich: den Familienhund.
Zum Schmugglerboot Moret, so der richtige Name des Kutters, folgende Informationen:
Es handelt sich wie von Ihnen richtig bemerkt, um die ehemalige Anton Saefkow der Fischereigenossenschaft in Saßnitz. Der ursprüngliche Namensgeber war ein von den Nazis 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichteter Kommunist. Zum Bedeutung des heutigen Namen kann ich nichts beisteuern – am besten den Schiffer fragen. Zu erreichen unter: http://www.kutter-moret.de/
Das Boote selber gehört zu einer Großserie von 17-und 13-Meter Fischkuttern, von denen nach dem 2. Weltkrieg einige Hundert als Reparationen an die Russen und für die ostdeutsche Fischerei geliefert wurden. Die Moret (Bj. 1949) gehört in die Klasse der 17 Meter Kutter. Diese Boote hatten den größten Fertigungsanteil weshalb von ihnen noch relativ viele erhalten sind. Eher selten geworden ist allerdings der Einsatz in der Fischerei, meist finden die Boote heute Beschäftigung als Angelkutter
Ein Kutter der 13-Meter Klasse liegt übrigens immer direkt am Eingang des Fischmarktes. Der Skipper dieses Bootes ist eine kleine lokale Berühmtheit und wurde mal alten Eschenburg und von N3 porträtiert.
Zur Konstruktion und Bau der Kutter: Die Bauweise erfolgte entweder als Kompositbau oder als reiner Holzbau. Die Unterschiede sind leicht erklärt, beim Kompositbau sind die Spanten aus Stahl und die Planken aus Holz. Beim Holzbau werden Spanten und Planken aus Holz hergestellt. Charakteristisch für beide Bausausführungen war die Eichen-Beplankung der Rümpfe (Im Gegensatz zum Yachtbau, wo gerne Mahagoni verwendet wurde und wird)
Die Vorteile der Kompositbauweise sind die Gewichtsersparnis und die hohe Standfestigkeit der Bootsrümpfe. Als Nachteilig kann sich der hohe Anteil Gerbsäure in der Eiche auswirken, bei unzureichendem Schutz greift die Säure die Stahlspanten an und Korrosionsschäden sind die Folge.
Beim Holzbau finden keine größeren Stahlteile Verwendung. Die Planken & Spanten bestehen aus Holz, lediglich die Verbolzung der beiden Bausteile erfolgt mittels Stahlbolzen.
Möglich ist auch die Verbindung der Bauteile durch Hartholznägel. Diese Bauweise findet sich aber eher selten in Nordeuropa. Angewendet wird sie aber noch in Asien, zum Bsp. in Indonesien beim Bau der sogenannten Pinisis -> http://de.wikipedia.org/wiki/Pinisi
oder am Arabischen Golf und in Ostafrika, wo heute noch Daus in reiner Holzbausweise entstehen. (Hinweis: Im europäischen Holzbootsbau wird über den Stahlbolzen noch ein Holzpfropfen gesetzt, so das die Holzrümpfe von außen den Eindruck vermitteln, als wäre auch die Verbindung von Planke und Spant in Holz ausgeführt)
Noch ein Exkurs zu den ebenfalls am Alten Strom (etwas weiter in Richtung Mole) liegenden großen Holzkuttern. Bei diesen Booten handelt es sich fast ausnahmslos um sogenannte Kriegsfischkutter aus dem 2. Weltkrieg. (http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsfischkutter)
Für die Konstruktion dieser Boote zeichnete u. a. der der bedeutende Yachtdesigner Henry Gruber verantwortlich.
8. Februar 2008 um 15:13
Nun Herr Richter, sehr schön! Da sieht man mal wieder, dass man hier immer noch etwas lernen kann. Allerdings muss ich Sie in einer nicht unwichtigen Kleinigkeit korrigieren:
Das Schmugglerboot, das ICH meine, wäre kein Schmugglerboot, wenn es »Moret« hieße! Die »MS Moret«, auf der anderen Kaiseite gelegen, haben Sie ja ausführlich beschrieben. Nicht aber die »MOET«, benannt nach dem bekannten Champagner aus Épernay. Dieses Schiff liegt auf der Steuerbordseite des Hafenarms und wird oft mit der MS Moret verwechselt, da es ihr fast aufs Haar gleicht. Und genau diese perfekte Tarnung machte es so erfolgreich. Nun raten Sie doch einmal, was – zugegeben heute nur noch selten – damit wohl geschmuggelt wird?!
8. Februar 2008 um 15:40
Ach die Moet! Naja egal, es freut mich jedenfalls, das ich ihnen einen kleinen Einblick in die Geschichte der örtlichen Fischerei-Industrie und des Holzbootsbaus geben konnte.
Nächste Woche gebe übrigens meinen – ich darf sagen berühmten – Kurs “Wie baue ich ein Eskimokajak?” in der Rostocker Volkshochschule. Für die dazu benötigten Katzenfelle veranstalte ich wie immer eine Treibjagd in der Kröpeliner Tor Vorstadt. (Achtung! Weiträumige Sperrung der Waldemarstraße und der angrenzenden Gebiete)
Um dem fertigen Kajak die nötige Weihe zu verleihen, führen wie am Ende des Kurses einen alten Schamanentanz auf, zu dem wir uns – sie ahnen es schon – entkleiden und mit den Gedärmen der erlegten Katzen beschmieren.
8. Februar 2008 um 15:48
Herr Richter
Herr Richter stammt vom Kaukasus.
Er ist ein alter Mann,
hat einen Wickel um die Brust
und sieben Mäntel an.
Er hat seit tausend Jahren schon
die Gicht im linken Bein.
Drum webte man in seinen Thron
zehn Katzenfelle ein.
Sein dicker Schal aus Wolle
ist geschlungen um den Hals.
Der Nordwind ist sein Leibgardist,
der Westwind ebenfalls.
Als starke Wachen schützen ihn
der Raureif und der Frost.
Auch machte er zum Paladin
den strengen Wind aus Ost.
Herr Richter ist ein armer Mann;
denn springt im warmen März
der kecke junge Lenz heran,
schleicht Angst ihm in das Herz.
Ja, die Tyrannen sind nicht froh.
Tyrannen sind verbittert.
Sie selber zittern ebenso,
wie man vor ihnen zittert.
8. Februar 2008 um 15:49
hohoho
8. Februar 2008 um 17:17
Ach übrigens, wussten Sie auch dass Herr Retzlaff, der Kapitän von Ihrer »MS Moret« in Hochseeanglerkrreisen liebevoll “Mutter Theresa” genannt wird?! Wegen seiner unerschütterlichen Hilfsbereitschaft, sagt man.
8. Februar 2008 um 17:23
Ich weiß, gelegentlich fahr ich mit dem Boot raus. Er führt mich (fast)immer zum Fisch. Guter Mann.
8. Februar 2008 um 17:27
Müsste er dann nicht der Führer heißen?
8. Februar 2008 um 20:04
NEIN! Der Führer bin ich!