Kreative von der Rolle
Große deutsche Werbeagenturen drohen angesichts wirtschaftlicher Probleme damit, Kreativwettbewerbe künftig zu bestreiken. Festivals von Clio und Cannes bis ADC richten sich schließlich im Schwerpunkt an die Werber selber und kosten sie sehr viel Geld. Wortführer der Prosecco-Aufrührer ist Andreas Grabarz von Grabarz & Partner: »Wir finanzieren eine ganze Festival-Industrie und haben nichts davon«, so der Chef der 200 Köpfe starken Kreativschmiede. Angeblich verhandeln Agenturbosse schon, welche Wettbewerbe man in Zukunft nicht mehr beschicken will.

8. Dezember 2008 um 12:17
Ganz ehrlich: Wer braucht denn diese Wettbewerbe? Bei der Preisvereihung treffen sich doch eigentlich nur geklonte Herren und Damen. Damen: blond, langhaarig, Perlenohrringe, Strenesse-Hosenanzug, pinker Lippenstift. Herren: Zurückgegelte Haare, schwarze Designer-Brille, Boss-Anzug, lautes donnerndes Lachen. Inhalt jeder Unterhaltung: Selbstdarstellung bis zum Anschlag. Fertig. Ich finde es immer wieder interessant, dass diese Spezies nicht schnallt, wie unwichtig sie eigentlich ist. Ach so, hab ich vergessen: Sie sprechen von Bekannten immer über “DER Marcel” oder “DIE Jana”. Dann kommt immer der Nachsatz: “Ist ein langjähriger Freund von mir, haben zusammen die verrücktesten Geschichten erlebt.” Gäääääääähn!
8. Dezember 2008 um 12:59
Ja ganz böse; wenn sich Kreative treffen.
Die hängen dann ihre Ideen an die Wand und zeigen Dinge, die fern von jedem Lokalflyerchen für die Boddentherme sind. Unkastrierte Ansätze, liebevolle Handarbeiten, Spaß von Nachwuchsdesignern etc. Das muss unbedingt weg! Man darf nur das zeigen was auch wirklich in der NNN geschaltet wird. Die nachhaltigsten Waschmittelwerbungen sind die besten. Damit wird Geld verdient. Wen juckt schon der Nachwuchs, Originelles und der ganze Schubladenkram. Alles wertlos, nur für den ADC ausgedacht. Den Horizont schief fotografieren und nur die Hälfte scharf… das kann doch jeder. Maike hat Recht – weg damit!
8. Dezember 2008 um 15:54
@ hängen dann ihre Ideen an die Wand und zeigen Dinge, die fern von jedem Lokalflyerchen für die Boddentherme sind.
sauber herr lück!
8. Dezember 2008 um 16:04
Na ist doch wahr, lange nicht so einen Unsinn gelesen.
“Unwichtige Spezies, blond und Perlenohringe…” tssss. Einfach mal in den Spiegel und über den Erbsenteller gucken. Ich finde so was einfach nur frech, die totale Selbstüberschätzung und Nichtachtung der Arbeit anderer. Sorry Maike, aber das musste raus. Geht mir schon besser. ;o)
8. Dezember 2008 um 16:25
@ Damen: blond, langhaarig, Perlenohrringe, Strenesse-Hosenanzug, pinker Lippenstift.
also was zum ficken?
9. Dezember 2008 um 09:10
Schön, dass das Thema so ein Aufreger ist! Kann den Herrn Grabarz allerdings auch verstehen, denn es handelt sich ja bei diesen Festivals weniger um gut gemeinte Nachwuchsförderung, sondern vor allem um Foren zur kostspieligen Selbstdarstellung, auch wenn dies noch so kreativ geschieht.
9. Dezember 2008 um 12:37
9. Dezember 2008 um 13:58
Herr Bäuerle,
eigentlich ists doch gar kein Aufreger. Grabarz und Co. sind zum Glück intelligente Leute, die ganz bestimmt nicht die Einstellung von Wettbewerben fordern, denn genau dadurch werden die großen Agenturen ja definiert. Ein Treppchenplatz im Ranking etwa durch Erfolge beim ADC oder der Cannes-Rolle ist mehr als das “Gold” des Preises wert. Wenn ich den Diskussionen auch am Rande des letzten ADC glauben kann, so handelt es sich eher um den Unmut, in bevorstehenden schweren Zeiten, 20 oder mehr Festivals mit Material und horrenden Antrittsgeldern zu versorgen. Natürlich macht es Sinn sich in der kommenden Rezension auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Das heisst aber nicht, dass man nicht mehr am Clio, ADC oder ähnlichen Leistungsshows teilnehmen will. Man möchte – klar nachvollziehbar – eine Auswahl der wichtigsten Schauen zu besseren Konditionen bereisen. Das wird in diesen Kreisen aber schon einige Jahre diskutiert. Vor allem eben im Interesse auch der Nachwuchsagenturen, die sich den Spaß gar nicht leisten können. Ich habe keine Ahnung, wie viele der “Festivals” von den Wortmeldern hier selbst aufgesucht worden sind und warum dann die breite Nachwuchsförderung nicht wahrgenommen wird. Fakt ist, es gibt sie mehr den je. Das fängt bei der Praktikanten-Garantie an und hört bei Junior Days auf. Mehrere hundert ADC-Quadratmeter widmen sich jährlich genau diesem Thema. Vielleicht einfach mal hinfahren, statt wie Maike, die Leute derart zu diskreditieren. Sorry, ich bin echt fassungslos über soviel Hochmut.
http://www.adc.de/servlet/PB/menu/1001185/nachwuchswettbewerb.html?catID=1001118
9. Dezember 2008 um 14:12
Ach so, na dann muss ich wohl mal wieder hinfahren zur Innungsfeier–
mit gegeltem Haar und Prosecco in der Flöte natürlich!
9. Dezember 2008 um 14:51
Also, wenn ich mich hier auch einmal einmischen dürfte.
Ich sehe das Ganze so wie der Peter …. und der Ekkard … und die Maike …
Ich finde derartige Wettbewerbe sehr interessant, amüsant und auch lehrreich. Sie öffnen einem zuweilen auch die Augen. Ich habe schon so oft herzhaft lachen müssen und war auch schon traurig, dass oftmals die Ideen, die man dort präsentiert bekommt scheinbar nirgendwo verwendet wurden.
Allerdings – und das ist der Nachteil – ist aus solchen Veranstaltungen schon ein ganzer Industriezweig gewachsen. Da mag man sagen: “Schafft doch Arbeitsplätze!” Stimmt. Aber leider hat man den Anschein, dass diese Festivitäten gleichsam zu praktiziertem Lobbyismus und Selbstbeweihräucherei verkommen, wie der Gewinnmaximierung dienen. Es ist nicht mehr die Kreativschau, die es einmal war, als es los ging. Jetzt verdienen die Veranstalter weit mehr als der kreative Praktikant, der Luigis Idee letztendlich umzusetzen hat. Da wird Geld nur so verpulvert, was durchaus auch in die eigenen Mitarbeiter investiert werden könnte.
Gut – ich weiß. Der PR-Gewinn eines Treppchenplatzes auf dem Cannes-Podium ist nicht in Geld aufzuwiegen, gleichwohl sollte bei aller Selbstdarstellung der neu entwickelte alte CSR-Gedanke nicht verloren gehen. Ein gesundes Unternehmen definiert sich vor allem über die Zufriedenheit – nicht Trägheit – seiner Mitarbeiter. Dann kommt auch wieder die Kreativität und dann die Erfolge bei denen, für die der ganze Zirkus bestimmt ist – die Kunden.
10. Dezember 2008 um 09:24
Die Seite von Grabarz & Partner ist übrigens origineller Weise als Mac-Oberfläche konzipiert und einen Besuch wert. Gute Idee, Link im Artikel.
10. Dezember 2008 um 10:53
@ Ekki
Ne komm echt jetzt ist ja wahnsinn … und so richtig voll neu zumal als Anwender und suchmaschienen freundlicher Flash Film … WebDesktops gibts wie sand am Meer, und die sind zumeist dann auch wirklich sinnvoll gemacht nicht wie dieser Flash irrsinn …
10. Dezember 2008 um 11:10
Da schau her, der Avantgardist spricht! Also, ich kannte das noch nicht und fand es eine schöne Idee. Mehr aber auch nicht, denn zum nachmachen eignet es sich gar nicht. Wenn Du aber noch mehr so schicke Sachen siehst, bitte ich um Linkzusendung!
10. Dezember 2008 um 19:14
@sebastian + ekki: Mir hats gefallen. Sehr komplexe Anwendung und konsequent durchgehalten. Man kann sich darin verlieren. Den Entwickler ein dickes Bienchen! Was nun die Suchmaschinenfreundlichkeit angeht, so glaube ich nicht, dass dieser Fakt eine Agentur von diesem Kaliber in Bezug auf ihre eigene Seite auch nur ansatzweise interessiert. Sch… auf Google und Co. Wer wissen möchte, wer DEVK oder IKEA macht, der wird früher oder später ohnehin irgendwie bei Grabarz landen, ob mit oder ohne Flash.
P.S: Der DEVK-Spot mit dem Radler ist einfach Klasse. Kannte ich noch nicht. Hab fast auf dem Tisch gelegen. Simple Idee, einfache Umsetzung – das ist Werbung die Spaß macht!
P.P.S: Im übrigen können auch Flashinhalte in gewisser Weise sogar von Google indiziert werden, Flashplattformen können sogar barrierefrei gestaltet werden! Man braucht nur den richtigen Screenreader und den richtigen Entwickler – na gut, ein paar Barrieren sind’s dann doch
10. Dezember 2008 um 19:56
Flash kann nicht indexiert werden, Google ist dabei eine Möglichkeit zu schaffen aber noch äonen weg.
Der Entwickler bekommt, ein dickes Minus, wer heute auch, gerade als Big Player, so etwas dahin exerziert gehört bestraft. Flash macht an stellen sinn an denen es keine Alternative gibt, Streaming zu bsp. . Nicht bei sowas.
Scheiss auf “whatever” ist genau die Einstellung die zu Browser dem Mist geführt hat den wir heute noch immer an vielen Stellen des Webs zu sehen bekommen, es gibt in zeiten von unobstrusiv javascript Canvas Element und XHTML keinen Grund mehr für solch eine Einstellung, es sei denn man möchte demonstrieren das man auf das verwenden von Lösungen die zugänglich sind, und offene Standards scheisst.
Meines wissens gibt es keine Flash Lösung die den Anforderungen BITV genügt, oder WAI konform ist.
11. Dezember 2008 um 11:41
Ich will euch ja nicht den Spaß verderben und den Flashgegnern ihren Feind madig machen aber hier einmal zwei Links zum Thema Suchmaschinenrelevanz und zum Thema Accessibility.
Diese Quellen sind bei weitem nicht die einzigen. Man braucht noch nicht einmal lange suchen, man muss nur wollen. Wie bereits gesagt worden ist: Über den verstaubten Tellerrand schauen ist manchmal ganz hilfreich
14. Dezember 2008 um 17:08
Boah, Herr Lück, da hab ich aber ins Wespennest gegriffen…tut mir leid, da hab ich Sie wohl im Innersten getroffen. Sorry, aber wenn ich die Emotionalität vielleicht final mal ganz kurz unterbrechen darf:
1. Zu: Ich finde so was einfach nur frech, die totale Selbstüberschätzung und Nichtachtung der Arbeit anderer. Sorry Maike, aber das musste raus. Geht mir schon besser. ;o)”
Freut mich, wenn es Dir dadurch besser ging, machte aber bei Deinen nachfolgenden Kommentaren nicht wirklich den Eindruck…..
2. Zu: “Vielleicht einfach mal hinfahren, statt wie Maike, die Leute derart zu diskreditieren. Sorry, ich bin echt fassungslos über soviel Hochmut.
Muß Dich leider enttäuschen, auf diesen Festivals war ich selbst schön (gezwungenermaßen, weil organisatorisch) öfter und bin dadurch zu meiner Meinung gekommen, sonst hätte ich mich nicht zu dem Thema geäußert. Im Vergleich zu Dir unterstelle ich Leuten nämlich ohne Hintergrund nichts.
Ein kleiner Tipp: Bevor Du mit Wörtern wie “Hochmut”, “Arroganz”, “Selbstüberschätzung” um Dich wirfst, solltest Du vielleicht einmal mehr ins Sonnengeflecht atmen und erst dann zur Tastatur greifen.
16. Dezember 2008 um 16:05
Tja Maike,
solange ich auch darüber nachdenke, ich finde Deine Einschätzung über die Besucher/Aussteller solcher Schauen dennoch überheblich. Das Du “gezwungen” warst dort organisatorisch tätig zu sein, tut mir leid – wenngleich eigentlich mehr für die Anderen. Ich kaufe mir für solche Ausstellungen sogar eine Karte. Da sieht man, wie verschieden wir sind. Auch bin ich kaum verwundert bei Preisverleihungen dieses Kaliebers Herren in BOSS-Anzügen oder Frauen mit Perlenohringen zu sehen. Noch weniger wundert es mich, dass junge Kreative Designer anstatt eines verchromten Kassengestells eine freche schwarze Designerbrille tragen. Wenn es Dich beruhigt; ich bin kein Brillenträger und reise meist mit dreistreifiger Kapuzenjacke dort an. Entschuldige, wenn ich Deine Aussagen über die Leute dort als herablassend empfand aber ich möchte es mal erleben, wenn jemand eine solche Meinung über Dich zum besten gibt: Zitat: “…geklonte Herren und Damen”, “Selbstdarstellung bis zum Anschlag… Interessant, dass diese Spezies nicht schnallt, wie unwichtig sie eigentlich ist.” Seis drumm, ich möchte die Nummer hier auch nicht über Gebühr strapazieren. Du wirst Gründe für Deine Haltung haben und das respektiere ich dann am Ende auch irgendwo.
16. Dezember 2008 um 18:06
Lieber Peter, aaalso, im Vergleich zu Dir habe ich dort GEARBEITET und ich würde es doch als merkwürdig empfinden, wenn ich mir dafür auch noch eine Karte kaufen müsste. Oder zahlst Du jeden Morgen Eintritt, damit Du in Dein Büro darfst?
Klar sind wir verschieden, aber wir wollen ja auch nicht heiraten. Was ich ganz grundsätzlich nicht verstehe: Es gibt hunderttausende von Meinungen, warum lässt Du diese nicht einfach gelten? Davon mal abgesehen höre ich über meinen Berufsstand tagtäglich diese Art von “herablassenden Äußerungen” und ich kann Dir gar nicht sagen, wie egal mir das ist. Jeder hat seine Meinung.
Hör doch endlich auf, so intolerant zu sein, das nervt auf die Dauer wirklich. Ich finde, Du HAST inzwischen die Nummer wirklich über Gebühr strapaziert. Gehab Dich wohl!
16. Dezember 2008 um 18:54
@ am Ende auch irgendwo
Denkt Herr Lück da an einen bestimmten Ort? Wo ihm das Respektieren dann leichter fällt?
Aber im Ernst:
Bei dieser Flucht aus dem Konkreten handelt es sich um ein Phänomen, dass derzeit auch in Werbetexten vermehrt zu beobachten ist. Da ist dann Alles ‘irgendwie’, resp. ‘irgendwo’.
Oder sollte es sich nur um eine Floskel, ein Gedankensurrogat handeln?
Discuss.
16. Dezember 2008 um 22:25
“… Morgen sind wir tolerant, tolerant, tolerant
und finden selbst die größten Idioten interessant.
Wir reichen jedem Arsch die Hand.
Und was uns stört in diesem Land,
das wird ab morgen nicht mehr eine Schweinerei genannt.
Ab morgen sind wir positiv
und nicht mehr so auf dem qui-vive.
Wir rücken nichts mehr gerade,
nein, wir lassen alles schief,
Na, klar!…”
aus einem Lied von Robert Long
16. Dezember 2008 um 23:04
Ach Du Schreck, was ist denn hier los? Kann man euch denn gar nicht alleine lassen? War der Glühwein schlecht oder stimmts im Bett nicht mehr? Ich möchte ja nicht intolerant erscheinen, aber was Frau Maike (ist doch eine Frau, oder? Wer sonst würde derart über Blondinen mit Perlenohrringen herziehen?) in ihrem ersten Kommentar schrob, würde eine unabhängige Jury zweifellos als intolerant bewerten.
Egal. Bald ist Weihnachten, das Fest der Liebe! Man muss es nicht zwingend auf den Geschlechtsakt beziehen, Herr Richter, aber der Fantasie und der technischen Umsetzung sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Also vertragt euch, ihr Arschnasen! Und Maike kann ich trösten: Herrn Lück musst Du in der Tat nicht heiraten. Das mache ich schon selber irgendwann. Eine muss es ja tun, der weiß auch schon Bescheid.
Ach so, weshalb ich eigentlich hier bin: Letzte Woche hatte ich auf dem Weihnachtsmarkt die wunderbare Gelegenheit, Herrn Saul persönlich kennenlernen zu dürfen. Es war mir ein Fest! Herr Saul, du bist in Ordnung!
So, und nun beruhigt euch mal wieder. Ab in die Kiste – mit oder ohne Ohrringe, mit gegelten Haaren oder Glatze, ganz egal. Das Leben ist viel zu kurz, als dass man sich über solchen Firlefanz streiten müsste. Im Übrigen trage ich heute auch Perlenohrringe, bin jedoch nur im Geiste blond. Schade.
Zum Schluss noch ein Zitat des totkranken Christoph Schlingensief, das mich gestern zu Tränen gerührt hat – und das meine ich ohne jede Ironie: “So schön wie hier kann es im Himmel gar nicht sein.” Er hat so verdammt recht!
17. Dezember 2008 um 09:05
Hi Suse: tut mir sehr leid, dass ich diesen Termin nicht wahrgenommen habe. Ich dachte nicht, das er so real war! Schade, Schade!
Klischees zum ehelichen Miteinander: Das Institut der Ehe ist kein Zuckerschlecken. Das Aufgebot muss rechtzeitig bestellt sein. Alles weitere regeln das Standesamt und der Hochzeitsredner bzw. im Christentum der Pfarrer. P.S.: Ich finde die Ehe großartig und würde auch gerne heiraten!
Zum Artikel: Ich fände es schön, wenn weiter alle Gas geben würden, denn sonst ist mir langweilig und der schweigenden Mehrheit – immerhin tausende von Passivnutzern – vermutlich ebenso. Komische Vorstellung übrigens, dass man diese seine Sätze einer mucksmäuschenstillen Stadthalle voll von Gästen vorträgt, oder?