Nachfragepolitik setzt auf staatliche Eingriffe in den Wirtschaftsprozess. In diesem Wirtschaftsmodell tritt der Staat als “Unternehmer” in Erscheinung in dem er beispielsweise Kredite aufnimmt und dieses Geld in die Infrastruktur investiert. Ein weiteres Handlungsfeld für den Staat ergibt sich durch die Gestaltung der Steuer- und Zinssätze. Zusammen genommen nennt man dieses Handeln konjunkturpolitische Maßnahmen.
Diese Politik ist das Mantra aller Gutmenschen in diesem Land und sie ist natürlich auch das Vorbild für das wirtschaftliche Handeln der Stadt Rostock.
Allerdings funktioniert dieses Model nur, wenn Staat die Kreditaufnahme in Grenzen hält. Lässt der Staat diese Faktoren außer Acht – wie im Beispiel der Stadt Rostock – so führt die hohe Kreditbelastung zwangsläufig zu einem finanzpolitischen Ko. Für die Kulturpolitik der Stadt Rostock bedeutet diese Entwicklung ebenfalls den Ko – jedenfalls wenn man es konsequent zu Ende denkt. Mir stellt sich nun die Frage, ob dies den nun so schlimm wäre – oder was wäre wenn?
Würden wir kulturell verelenden, wenn ein Teil des kulturellen Angebotes nicht mehr erschwinglich wäre oder ganz wegfallen würde? Wenn wir Shakespeares Hamlet nur noch in einer Sparversion sehen könnten? Was wäre wenn der Bürger für das Spartenprogramm der Companie de Comedie mehr zahlen müsste und dieser Zuschauermangel zum Konkurs der Bühne führt. Wäre dies ein Verlust? Was wäre wenn der Bürger für ein Klassikkonzert 60 Euro bezahlen müsste, eine Summe die er auch für ein Konzert der Red Hot Chili Peppers bezahlt. Wenn das Mau keine Förderung mehr bekäme?
Wenn nur noch Schüler, Arbeitslose, etc in den Genuss eines verbilligten Zugangs zur Kultur kommen und alle anderen zahlen bitte voll.
Wenn wir also Marktpreise für die Kultur bezahlen müssten und damit – möglicherweise – die kulturelle Vielfalt in Rostock reduzieren würden. Was wäre dann?
Es wäre interessant zu beobachten, ob wir dann wirklich “kulturell verarmen”. Gegen dieses Szenario spricht jedenfalls das Konsumverhalten im sagen wir mal “privaten Bereich”. Für ein Buch der im Buchhandel größten Kategorie, der Belletristik, gibt der Bürger im Durchschnitt 13 Euro aus und dies bei steigenden Umsätzen im Handel (auch in Bezug auf die Anzahl). Positiv verlaufen auch die Umsätze der Hersteller von Unterhaltungselektronik- Stichwort IPod, der ja per se nur ein Transmitter für ein bestimmtes kulturelles Angebot ist. Als letztes noch einmal der Verweis auf die Preise für Konzertkarten: die geforderten Preise von bis zu 100 Euro sind sicher alles andere als “sozial”, trotzdem gibt es aber keine gesellschaftliche Forderung nach einer entsprechenden Subvention.
Natürlich stammen die genannten Beispiele aus der so genannten “populär-kultur”, dem massenkompatiblen Mainstream der sich finanziell selber trägt.
Es stellt sich also die Frage, was mit den kulturellen Angeboten geschehen soll, die sich finanziell nicht selber tragen. Anders gefragt, soll der Bürger für diese speziellen Angebote zu Kasse gebeten werden oder nicht? De facto subventioniert die Gesellschaft ja nur die private Selbstverwirklichung von einigen Bürgern, die als Künstlern arbeiten, bzw. die Kultur organisieren.
Die finale Frage lautet also: Muss ich für ein kulturelles Angebot bezahlen das mich nicht für 50 Cent interessiert?!