Die Hisbollah und Politisches Marketing

nasrallah_logolight.jpg

Vor einigen Tagen durfte ich in den Verkaufsräumen der Rostocker Heinrich Hünicke GmbH & Co. KG einer inoffiziellen Ausstellungseröffnung beiwohnen. Neben den Musikern und dem Personal waren noch etwa 60 Gäste aus Wirtschaft und Politik anwesend. Mehr als in der lokalen Kunsthalle üblich. Doch um die illustre Schau und die Plastiken von Enè Slawow, die dort übrigens noch den ganzen März zu sehen sind, soll es nur am Rande gehen.

Viel interessanter nämlich ist das Ende der Veranstaltung. Als nur noch der “harte” Kern – bestehend aus einigen gut aussehenden Damen, dem Künstler, Journalisten und mir – rauchend vor dem Halleneingang stand. Während wir so debattierten, leuchtete plötzlich neben mir das Portrait eines bärtigen Mannes auf. Ein bekanntes Gesicht. Aber es war weder das Konterfei Che Guevaras noch das von Karl Marx. Nein, der freundlich strahlende Herr zu meiner Linken war ein schiitischer Geistlicher, ein Milizenführer aus dem Libanon. Scheich Hassan Nasrallah – der Generalsekretär der Hizbollah! Wer hätte das gedacht.

Am anderen Ende der lichten Erscheinung befand sich ein junger Journalist, der verschmitzt lächelte und ein anti-zionistisches Logolight-Feuerzeug aus Beirut in der Hand hielt. Eine Polit-Devotionalie – wie der Obama-Sticker oder die chinesische Streichholzschachtel mit dem Roten Frauenbataillon von Xie Jin. Das Mitbringsel funktionierte wie ein Diawerfer, toll! Das ist Politisches Marketing. Warum dürfen eigentlich deutsche Politiker im Zeitalter des verdrossenen Wechselwähles keine Pop-Ikonen sein?

boff_mit-ob.jpg
Vernissage: Enè Slawow (2.v.l.) mit dem Oberbürgermeister (r.)