Marketing: Grau ist alle Theorie!
Immer neue Modelle zur Absatzsteigerung stürzen auf den verblüfften Werber und seinen nervösen Klienten, den Marketingabteilungsleiter in Castrop-Rauxel ein. Beide lesen wöchentlich die selbe, kompetente Fachpresse und bestätigen sich deshalb auch bei einer Espressokonferenz am Telefon gern gegenseitig, wie überaus bedeutsam die neuesten Studien für den Trikotagenabsatz sind.
Das ist verständlich, beseitigt aber leider nur bis zur nächsten Woche die immer vorhandene Unsicherheit angesichts der beunruhigenden Frage, ob man wohl gerade das Richtige tut. Dann wird nämlich die nächste Marketingsau durch das Dorf gejagt. Schließlich muss die Fachpresse keine Produkte, sondern nur ihre Ideen verkaufen. Sie unterstützt deshalb gerne die beliebte Illusion, Marketing wäre eine Wissenschaft, wie die Biologie oder Mathematik.
Das wäre sehr praktisch, beim Marketing handelt es sich aber eben nur um eine Ansammlung von Konstrukten und Modellen, die das praktische Arbeiten deutlich erleichtern: Ist jetzt gerade das Internet oder die Drehorgel das wichtigere Medium in meinem Marketingmix?
Das Grundproblem à la Henry Ford bleibt trotzdem immer bestehen: »50 Prozent meines Werbebudgets ist hinausgeworfenes Geld. Niemand kann mir allerdings sagen, welche 50 Prozent das sind.« Tragisch, Herr Ford! Aber der große Philosoph und Kleinwagenhersteller hat ja zum Glück auch noch etwas anderes gesagt: »Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.«
Na siehste: nicht verzagen, jeden Morgen schön die Uhr aufziehen und dann die Werbeagentur mit den besten Ideen, Bildern und Medien auswählen, die zu meinem Produkt passen. Dann klappts bestimmt auch mit den Kunden!


16. Mai 2008 um 08:32
Erstaunlich wie viel Text man um zwei Zitate schreiben kann. Hoffentlich hats keiner gemerkt.
16. Mai 2008 um 08:35
Erstaunlich ebenfalls, wie das Selbstbewusstsein proportional zur Ahnungslosigkeit zu steigen scheint. Hoffentlich hats keiner gemerkt!
16. Mai 2008 um 08:41
Autsch! Jetzt weine ich mich wieder in mein Bettchen.
16. Mai 2008 um 10:43
Henry Ford schien seiner Zeit weit voraus. Ich zitiere ihn hin und wieder auch gerne mal. “Wer nicht wirbt, der stirbt.”
16. Mai 2008 um 10:55
Wieso ist eine Idee kein Produkt? Und was eine Wissenschaft ist, hängt von der Definition der selbigen ab. Und überhaupt, die Weisheiten des Herrn Ford haben mir schon immer gefallen.
16. Mai 2008 um 11:05
Setzt eine Wissenschaft nicht Grundlagen voraus? Diese Basis fehlt. Ohne Genese bleibt Marketing Handwerk und wird nie Wissenschaft. Diese ist nämlich Selbstzweck und dient dem Erkenntniszuwachs, nicht unbedingt dem Trikotagenverkauf, wie das Marketing.
16. Mai 2008 um 11:15
Getreu dem Motto, nur getroffene Hunde bellen, autsch, ich gelobe besserung.
Wir könnten das aber auch bei einem Täschen Mate Tee ausdiskutieren
aber da wir in Zukunft eh alle durch 0-Euro Arbeiter ersetzt werden : http://www.fixmbr.de/workfare-die-zwangsarbeit-des-21-jahrhunderts-bald-auch-bei-uns/ spielen so kleinigkeiten bald keine Rolle mehr
Und wissenschaft, wissenschaft ist was wissen schafft, und sei es über einen Konsumenten, die ganze Industrie die sich mit dem wissensbeschaffen über Konsumenten befasst gibt es ja eh nur weil wir alle nicht, und das irgendwie nie, die Zielgruppe sind.
16. Mai 2008 um 11:16
Also, meine Wissenschaftsdefinition nähert sich dem Gegenstand in diesem Fall seriöser.
16. Mai 2008 um 11:17
… mir kommt es manchmal so vor, als würde Marketing nur dafür erfunden worden sein, um sich selbst ab und zu wichtig zu fühlen – siehe Espressokonferenz.
16. Mai 2008 um 11:18
Ich denke, Herr Saul hat die Problematik heute am Treffendsten ergründet. Dickes Bienchen an den Nachbarn!
16. Mai 2008 um 11:32
Was ist los Herr Bäuerle, war die morgendliche Telco mit Kunde XY so beschissen wie unnötig? Immer dran denken, der Kunde zahlt das Gehalt, dafür darf er Ihnen auch mit ein paar heißgelaufenen Junior PM auf die Nerven/Nüsse gehen ..—-))
16. Mai 2008 um 12:08
Herr Richter, ich gelobe Besserung. Doch handelt es sich hier um ganz schlichte Erkenntnis, nicht etwa um emotionale Eruption. Habe jahrelang Fachliteratur studiert und daraus einiges gelernt. Vor allem aber, dass sie höchstens den Schmierstoff bilden kann, der die Idee umgibt, welche im Kopf entsteht – oder auch nicht!
16. Mai 2008 um 14:54
@ besten Dank Herr Bäuerle! Ich werde mit Herrn Blöhe am Wochenende darauf anstoßen & ein wenig über Marketing plaudern – findet ja sonst gar nicht statt…
16. Mai 2008 um 15:13
Das verstehe ich gut! Der Herr Blöhe ist ja ein netter und kompetenter Herr. Besonders der himmelblaue Retroroller, auf dem ich ihn heute sah, ist ein rechter Hingucker.
16. Mai 2008 um 16:27
Oh danke für den Tipp, jetzt weiß ich genau, dass ich dem Herrn Blöhe schonmal gegenüberstand.
16. Mai 2008 um 16:45
@ gegenüberstand: Mann gegen Mann und Retroroller vs. Retroroller? Welch ein kriegerischer Akt sich gerade vor meinem inneren Auge abspielt. Gewinnt Arthur von Vespa das Tunier und unterliegt Franz von Mokick? Oder verlieren sie beide diesen brutalen Zweikampf? Aber Vorsicht, einer der beiden beräderten Recken spielt mit unfairen Mitteln. Er kämpft mit Hilfe tückischer Windb(l)öhen. So … Schluß für heute. Ich brauche meine Medizin.
16. Mai 2008 um 16:53
Moooment!! Ich war inkognito da!! Muss doch nicht jeder wissen, dass ich mit dem babyblauen Roller meiner Frau unterwegs bin. Obwohl – ich mag ihn. Er versprüht so eine italienische Leichtigkeit. Eben Inspiration für das (e-)Marketing von morgen
@ Vlaic: Dem muss man auch mal gegenübergestanden haben!