Microsoft Reloaded!
Wie ich und das Officepaket von Microsoft Freunde wurden? Seit meinem ersten Studiensemester war das Päckchen mein steter Begleiter durch die Welt der Text- und Datenverarbeitung. Ein relativ zuverlässiger, aber auch etwas neunmalkluger Angestellter mit vielen Schwächen, der meinte, mir dauernd unerbetene Ratschläge erteilen zu müssen, obwohl er selber nicht einmal Tabellen vernünftig in Texte einbetten konnte. Manchmal war er kurz davor, mich mit seiner ganzen stupiden Computerlogik in den Wahnsinn zu treiben.
Irgendwann lernte ich dann bei einem Meditationswochenende, das meine ausgebrannte Seele heilen sollte, einen kleinen, interessanten Freigeist namens Open Office kennen, der ziemlich vielversprechend wirkte. Nicht nur, daß er völlig umsonst für mich arbeiten wollte: Er gab auch vor, mit allen anderen Angestellten und denen meiner Freunde bestens auskommen und kommunizieren zu wollen.
Sein einziger Fehler waren vielleicht seine etwas wichtigtuerischen, weltpolitischen Sprüche: Mein ehemaliger Angestellter von Microsoft sei, so bemerkte er nebenbei, ein ganz schlimmer Finger, der nach der Weltherrschaft strebe und am Ende ungefragt seine ganze Familie bei mir unterbringen wolle. Das sei so dessen Masche! Open Office aber gelobte, mir die Freiheit zu bringen. Ich war begeistert, auch wenn ich weiterhin keine Batik-T-Shirts trug und mich auch nicht makrobiotisch ernährte. Ich stellte ihn also aus eher pragmatischen Gründen ein und feuerte das verblüffte Micropaket.
Doch das dicke Ende kam schnell. Als ich ihn am Montag nach unserem zauberhaften Gespräch mit dem Team bekannt machte, stellte sich plötzlich heraus, daß er sprachgestört war. Nicht nur das: die anderen redeten plötzlich auch verzerrten Blödsinn, wenn sie nur einmal Kontakt mit ihm gehabt hatten. Als ich ihn deswegen zur Rede stellte, stritt er alles ab!
Ganz im Gegenteil – er bestand darauf, es läge an mir: Ich müßte mir nur die Zeit nehmen, ihn und seine revolutionären Ideen noch viel besser kennen lernen und solle vor allem daran denken, daß es uns doch gemeinsam um die Befreiung der Menschheit ginge. Ich willigte, trotz seiner kruden Sprüche, nochmals mürrisch ein. Doch es wurde nicht besser mit ihm. Er schwang weiter große Reden und verursachte heftige Probleme, wenn es mal dienstlich wurde. Es half nichts, schließlich kam es zum unumgänglichen Rauswurf. Er verabschiedete sich mit arroganter Miene und der bedrohlichen Versicherung, nun sei alles verloren.
Triumphierend stolzierte einen Tag später das alte Officepaket von Microsoft wieder ins Laufwerk. Freundlich lächelnd versprach ich ihm, es nie mehr mit Tabellen in Textdokumenten zu nerven und einfach seinen Job machen zu lassen. Seitdem sehe ich den angeblich so durchtriebenen und weltverschwörerischen Langeweiler mit anderen Augen. Er verdient leider viel zu viel und ist auch sonst alles andere als perfekt. Aber immer noch besser als sein verrückter Cousin mit der offenen Art!

20. Dezember 2007 um 10:19
Das hätte ich Ihnen gleich sagen können.
20. Dezember 2007 um 12:55
So – habe ich es auch erleben dürfen.
20. Dezember 2007 um 13:21
Schlimm, wenn man sich zwischen Junghippie und Altyuppie entscheiden muss. Beide Programme sind einfach nur Sch … lecht und leiden an annähernd vollständig ausgeprägter Profilierungsneurose (Diktatoren-Syndrom).
Das Krankheitsbild ist dabei dermaßen pathologisch, dass ich mich beiden Patienten gegenüber ratlos fand, trotz jahrelanger beruflicher Erfahrung als Diktatorenberater. Da ich nicht als Sozialarbeiter angestellt bin, mag ich mir die nervenaufreibenden Beschäftigung mit ihnen nicht weiter zumuten.
Was macht man aber mit nicht resozialisierbaren Zeitgenossen, die die Weltherrschaft für sich beanspruchen? Ich plädiere für Sicherheitsverwahrung sowohl zu unser aller Wohl als auch dem ihrer kranken Seelen.
20. Dezember 2007 um 16:59
Ich hätte da noch ein Netzbonbon zu diesem Thema:
Words don’t come easy! (Ton an!)
21. Dezember 2007 um 11:51
Ich weiß net was ihr habt. Mein Outlook ist verständlich und sagt mir immer, wann ich was zu tun und zu lassen habe. Außerdem sieht es verhältnismäßig übersichtlich aus. Während meiner Zeit als Angestellter durchfte ich auch Bekanntschaft mit dem lustigen Tool Teamagenda machen und ich muss sagen: Outlook, you are my favorite!
Ansonsten finde auch ich, dass mein(e) Patient(en) zuviel Geld verlangen. Das Problem dabei ist, ich kann sie nicht so ohne weiteres entlassen, was dem Autor dieses Artikels schlussendlich auch aufgefallen ist. Ich würde mich dann quasi von der Außenwelt abschneiden. Und das kann ich derzeit noch nicht. Ich habe noch keinen Sponsor gefunden und der Lottojackpot ist ja gerade einmal mit 4 Melonen gefüllt.