Gala-Konzert mit Emil Gilels

Um es gleich klarzustellen: Ja, ich bin ein Gouldianer.

Als Gouldianer werden Freunde der Klassischen Musik bezeichnet, bei denen die eigenwilligen Interpretationen des kanadischen Pianisten Glenn Gould flammende Begeisterung hervorrufen. Alle anderen Klassikfreunde bewerten die Gouldschen Einspielungen für gewöhnlich als totalen Mist (die Weltlichen) oder wollen noch nie von ihm gehört haben (die Religiösen).

Neben Goulds Aufnahmen allerdings gehört zu meinen Lieblingsplatten ein Konzertzusammenschnitt des gänzlich anders auffassenden, aber nicht weniger brillanten Emil Gilels. Sicher, ich kenne nur einige Pianisten und habe dazu nur von einer Handvoll Audiomaterial. Geschweige denn, deren Konzerte besucht zu haben.

Besagte Scheibe jedoch, die für wenig Geld als Zonenrestbestand zu erwerben war, kann ich für mich nur als Offenbarung bezeichnen. Das Teil ist mittlerweile so oft über den Teller gelaufen, dass für einen Außenstehenden bei all dem Gekratze und Geknacke kaum mehr ein Genuß zu vermuten wäre.

Standesgemäß J.S. Bach zu Beginn und zum Ende der Doppel-LP, dazwischen Beethoven (da kratzt es viel weniger), Prokofjew, Medtner und … tatsächlich hat es der Typ mit seinem Spiel geschafft, mich mit der Romantik zu versöhnen. Ravel und Chopin klingen unter seinen Fingern einfach wunderbar.

Nebenbei bemerkt ist die nunmehr vergilbte Ausgabe auch optisch ansprechend, eine Zierde in jeder Ernsten-(Musik-)Plattensammlung.

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