Please, Please, Please
Was der Tod von James Brown
bedeutet
James Brown starb vergangene Weihnachten. Einzig Elvis hatte mehr Hits in den U.S. of A. als der »Soul Brother Number One«. Sein Erbe ist eine schwere Bürde, gerade für die Rostockerinnen und Rostocker, die eigentlich eher Horst Köbbert und Schlumpfentechno in der Plattentruhe haben.

James Brown starb in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 2006 im Alter von 73 Jahren an einer schweren Lungenentzündung. Der »Godfather of Soul« hinterließ die schockierte Musikwelt in Tränen. Man erinnere sich: James »Sexmachine« Brown nahm 800 Songs auf, machte zahllose Platten und zählte zu den größten Live-Legenden des Erdenrunds. Einzig Elvis hatte mehr Hits als James, der virile Vater von sechs Kindern.
Die Schergen des Meisters versuchen ihr Glück
Kurz vor seinem Tod haben sich ein paar junge, begabte Spunde den Stress aufgenackt, das Werk des Meisters sanft zu veredeln. »The Hardest Working Man In Show Business« konnte schön an der importierten Commie-Zigarre lutschen, während die aufgeregten, kleinen Weißbrote zittrig im Studio um ihn herum rannten. So entstand ein Diadem mundgeblasener Remixe, das dem »Soul Brother Number One« ein kurzes Grinsen auf die amüsierten Gesichtszüge zauberte. Jeder der verschwitzten Beteiligten wusste um die Ehre des Amtes und schuf amtliche Oden an den urigen Urvater der modernen schwarzen Musik. Dieses Schatzkästlein erscheint nun unter dem Titel »James Brown – Dynamite X« und sorgt für Stimmung daheim und unterwegs. Ein Stück Geschichte, das riesig Spaß macht!

14. Februar 2007 um 20:01
Er war ein Meister!!! 2005 hatte ich die EHRE, ihm im Hamburger Stadtpark zu huldigen. Eine der abgefahrensten Performances der letzten Jahre. Ein neben mir stehender »Veteran« meinte aber, dass dies nichts im Vergleich zu den 70ern war. Schade, da durfte ich unter Aufsicht meines Bruders nur zu Lift, Electra und anderen Ostgrößen. Scheiße!
Zu Hause gab es aber das gute ZK 120 und den Plattenspieler, da durfte ich dann wieder richtige Musik hören… Das Poster zur letzten »JB-Tour« hängt in meinem Office.
14. Februar 2007 um 20:20
»I Feel Good«, jeah!!!
Das hätte ich gern bei einem Brown-Konzert im Ostseestadion zusammen mit dem singenden Lokaltorwart Horst-Andreas Köppert, Gott habe sie seelig, gehört…
15. Februar 2007 um 09:29
Wat gibt es denn an Lift und Co. auszusetzen?
Wäre froh, dabei gewesen zu sein.
15. Februar 2007 um 09:47
»Lift« ist mir nur als Kräuterlimonade der Siebziger Jahre bekannt, war aber sicher ebenfalls eine ansprechende Band.
James Brown jedoch machte immer auch durch seine privaten Eskapaden von sich reden. Er war nicht nur einer der großartigsten Musiker der Welt, sondern saß auch mal zwei Jahre im Gefängnis wegen schwerer Körperverletzung und Flucht vor der Polizei. Selbst seine Frau bedrohte er noch vor ein paar Jahren mit dem Tode und musste deshalb Strafe zahlen. Trotzdem blieb er musikalisch eine absolute Ausnahmeerscheinung. Das ist doch was!
15. Februar 2007 um 11:45
http://www.lift-rockballaden.de/
15. Februar 2007 um 11:50
Zu »Wat gibt es denn an Lift und Co. auszusetzen?«
…naja – zu Hause hörten wir halt Stones, Clash, usw. – die Musik des Klassenfeindes war halt cooler. Die Favorites meines Bruders waren Pink Floyd, Yes und Genesis und von dort führt ein direkter Weg zu Lift, Electra und Stern Combo Meissen, etc. Für mich waren das dann die ersten Konzerterfahrungen. Ich kam aber an diese Musik nicht so richtig ran. Das war mir zu bedeutungsschwer, mein Atheismus-Gen hat mich da wohl etwas gebremst.
Kleine Titelauswahl an die ich mich noch gut erinnere:
-Kampf um den Südpol
-Tritt ein in den Dom
-Weißes Gold
Das Thema der letztgannten Platte ist die Suche nach dem Geheimnis der Porzellanherstellung! Ich will das hier nicht schlechtmachen, es war einfach nicht mein Ding. Die Phudys fanden wir aber beide Scheiße – »laß deinen Drachen steigen« hin oder her!
15. Februar 2007 um 11:50
Porzellan herstellen? Also: Herr Brown war eher für Würstchen verstecken zuständig. Dementsprechend ging es ihm auch weniger um ernste deutsche Befindlichkeiten, sondern vermutlich um die verbale Inszenierung von Primärbedürfnissen. I feel good!
http://www.couchrecords.com/
15. Februar 2007 um 12:03
Ja
15. Februar 2007 um 20:31
Dafür hat Lift der Welt Textzeilen wie “Wenn dem Vogel Rock / ich mein Herz hinbrock / ist das Mut?” geschenkt, in “Sindbad” von der LP “Spiegelbild”, 1981. Es war die beste Platte der Band, ansonsten wegen der vielen Personalwechsel ein uneinheitliches Schaffen. Der Text stammt übrigens vom Nicht-Mitglied Andreas Reimann. Es war bei vielen DDR-Bands ja üblich, mit externen Textern zusammenzuarbeiten (so wie heute Werbeagenturen).
Zum Artrock à la Yes, Lift & Co.: Natürlich lässt sich zu einem Fünfvierteltakt schlecht ein Würstchen verstecken, aber neben der Darstellung von Primärbedürfnissen ist Musik als Kunst auch für diverse Sekundärbedürfnisse zuständig. Oder? In diesem Fall Strawinski mit anderen Mitteln. Man soll übrigens die Leute da draußen nicht unterschätzen, was den Musikgeschmack angeht, Ekkard, in der Öffentlichkeit wird das wohl immer klischeehaft abgebildet. Es gibt sogar in Rostock viel mehr als Horst Köbbert (lasst dem alten Mann doch die zwei Bs) und Schlumpfentechno.
15. Februar 2007 um 20:59
Ich mag Horst Köbbert. Es gab wirklich Schlimmeres in DDR Sanges-Szene – und: er ist Warnemünder!
15. Februar 2007 um 20:40
Lieber Thorsten, Du hast recht: Der Mann wird mit »bb« geschrieben und bei »der Musik« geht es eigentlich um alles: Faschismus, Karneval, Freiheitskampf, Fahrstuhlberuhigung – aber im Fall Brown eben auch um das – jetzt schon etwas abgenutzte – Würstchen verstecken.
Ich habe gestern zuhause eine Platte von ihm aufgelegt und alle waren gut aufgelegt – weder nachdenklich noch neunmalklug, sondern einfach nur vergnügt haben meine Frau und mein Baby mit den Hüften gewackelt. I feel good!
Ich unterschätze die Leute auch ehrlich gesagt gar nicht wirklich, ich versuche nur ständig Aufmerksamkeit zu erregen. Mir ist bewusst, dass Rostock eine unglaublich vielfältige und kreative Musikszene hat, die von Jazz über Rock bis zur Klassik überall Spitzenmäßiges leistet. Alleine schon der mir bekannte Gernot Winkler spielt in 97 ambitionierten Projekten mit. Jawoll!
>>Rostocker Rocktipps unter http://www.blog-8.de/rostocker-rocktipps/
16. Februar 2007 um 09:50
Ich mag Hörst Köbbert noch viel mehr! Immerhin haben wir von seinem Prime Time-Showevent den Titel unseres Blogs, nicht wahr! Und der äußerst erfolgreiche Chartbreaker »Schlumpfentechno« und seine zahlreichen Nachfolger sind bestimmt auch nicht so schlecht wie ihr Ruf! Zumindest, wenn man die Rechte hält. http://www.amazon.de/gp/product/images/B00000B5GF/
16. Februar 2007 um 11:28
@Ekkard
Nana, Ekkard, keine Namen bitte. Aber wenn denn so sehr mein Kommentar auch zu dieem Blogbeitrag eingefordert wird, dann sei es.
@Alle
1. James Brown
wird meines Erachtens überbewertet. Gut, seine Grooves sind unwiderstehlich, die Stimme elektrisierend, die Riffs einfach und doch nicht gewöhnlich. Aber sonst? Was haben uns die Römer denn gebracht? Ich würde also nicht so weit gehen, Mr. Sexmaschine auf eine Stufe mit J. S. Bach zu stellen. Im Getümmel der im Abstand nachfolgenden Meute kann er allerdings dank hervorragender Körperarbeit einen vorderen Platz behaupten.
2. Horst Köbbert
Nie gehört. Konnte den Namen auch in der Startliste nicht finden.
3. Electrische Steine im genesischen Lift
Kommt mir irgendwie bekannt vor, kann mich aber nicht an den Zusammenhang erinnern.
4. Würstchen im Fünfvierteltakt
Es sollte nicht erst seit »Take Five« bekannt sein, dass so ein Fünfvierteltakt durchaus die Hüften in Wallung versetzten kann. Ist der wirklich gut gemacht, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sein Würstchen in die steife Audiobrise zu hängen und vibrieren zu lassen.
16. Februar 2007 um 16:14
Ah, Köbbert korrigiert, das ist ja wie bei Bildblog hier. Stimmt, “Take Five” ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein krummer Takt grooven kann. Aber das (abgenutzte, Ekkard?) Würstchen deswegen in die steife Audiobrise hängen, ich weiß nicht …
16. Februar 2007 um 16:23
Herr Winkler ist ein anonymer Quadrophiler – ein Soundmessy im Endstadium: die ganze Wohnung steht voller Boxen, die Tag und Nacht wummern. Das macht den Armen ganz wuschig! Trotzdem kriegt er immer noch feuchte Bosefinger, wenn er mit hochgestelltem Mantelkragen am Fachgeschäft vorbei huscht. Selbst in der Besenkammer: Lautsprecher in allen vier Ecken!
16. Februar 2007 um 19:07
Ja, tatsächlich, solche Leute gibts.
Kenn ich sogar welche, aber in diese Kategorie passe ich nicht. Ich würde auch niemals auf die Idee kommen, die Boxen in die Ecke zu stellen, selbst wenn sie Bose sind. Das wäre erstens Verschwendung und zweitens birgt es bei bosen Boxen die Gefahr, sie nicht wieder zu finden.
Eher anfreunden könnte ich mich mit der Idee, den Raum an sich als Resonator zu funktionieren, also dem Motto zu folgen “Living in a Box”.