Politik hat zu wenig Gehalt
![(c) by angelsami [pixelio]](http://www.blog-8.de/wp-content/uploads/2007/12/angelsami_geld2.jpg)
Die aktuelle Debatte zu den völlig überzogenen Manager-Millionen veranlasste unlängst den Herrn Koch (CDU), Ministerpräsident Hessens, sich in der Frankfurter Rundschau zu äußern. Seiner Ansicht nach sei “die Besoldung für Politiker eindeutig nicht angemessen, etwa im Vergleich zu dem, was wir Verwaltungsdirektoren von Kliniken oder Sparkassendirektoren bezahlen.”
Ich glaube, ich habe jetzt verstanden, wohin die Reise geht. Da man es nicht schafft – und es meiner Ansicht nach auch verfassungsrechtlich unmöglich ist – die Gehälter von Topmanagern gesetzlich zu begrenzen, zäumt man den Gaul doch einfach anders herum auf. Man hebt die Gehälter/Diäten der Herren und Damen Politiker an. Dann ist es auch nicht mehr so schlimm. Der Beweggrund für diese Debatte scheint also nicht der zu sein, dass soziale Gerechtigkeit im Allgemeinen sonder im Besonderen geschaffen werden soll. Nun ist mir alles klar!

13. Dezember 2007 um 09:07
Mal ein Gegenbeispiel: Wenn es einem Topmanager wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gelingt, unter hohem persönlichen Risiko den einst krisenhaft herumschwankenden, traditionsreichen Autobauer nicht nur auf gesunde Füße zu stellen, sondern den Unternehmenswert zu ver-87-fachen, so dass der einstige Zwerg den halben VW-Riesen schlucken konnte:
Dann, ja, dann stehen im nicht nur hundert Millionen jährlich zu, sondern auch das große Mutterkreuz in Gold und der Respekt der Massen. Einfach ein großartiger Geschäftsmann.
13. Dezember 2007 um 09:26
Das sehe ich ganz genauso. Nur dürfen nicht irgendwelche Luschen, die nur deshalb ein Amt bekleiden, weil sie von einer Lobby dahingeschleust oder von “Wissenden” wegdelegiert wurden, sich nicht um die eigentliche Arbeit als Abgeordneter, sondern ihrerseits um Lobbyismus und Aufsichtsratsposten kümmern und fernab jeder Realität leben nicht auf die gleiche Stufe stellen. Da hätte auch ich anstelle des Herrn Wiedeking etwas dagegen.
P.S: Herr Wiedeking hätte seinen Laptop mit Sicherheit nicht (oder zumindest nicht SO) versemmelt.
13. Dezember 2007 um 10:09
Das ist einfach eine dämliche und vor allem populistische Diskussion. Ich fürchte nur, das der Wähler auf dieses Geschwätz hereinfällt. Großartig wäre es aber, wenn die Managergehälter per Gesetz veröffentlicht werden müßten. Mit “Name und Anschrift” natürlich und das BVG auf die dann folgende Klage entscheidet, dass alle Arbeitnehmer ihre Gehälter veröffentlichen müssen. Da Neid und eine linksliberale Grundeinstellung der Bevölkerung in Deutschland korrelieren, wäre endlich mal was los in diesem Land.
13. Dezember 2007 um 10:18
Gute Idee Herr Richter. Es ist bekanntermaßen nicht in allen Ländern so, dass man über sein Gehalt nicht redet/reden darf.
Ich mache den Anfang: zwischen 1.200,- EUR und 7.500,- EUR Brutto mtl. je nach Projektdurchfluss
13. Dezember 2007 um 11:45
Zunächst vermutete ich hier eine eiskalt kalkulierte, auf Doppeldeutigkeit berughende Kampagne, ist es doch vielen Lesern im Blute, “zwischen den Zeilen” zu lesen. Zu wenig “Gehalt” könnte sich aufs Monetäre wie auch den Content beziehen, war meine Eingebung. Hab’ mich wohl getäuscht…
13. Dezember 2007 um 12:02
Die Doppeldeutigkeit war beabsichtigt, das haben Sie gut erkannt. Dass die aktuelle Politik gehaltarm oder zuweilen auch -frei daherkommt, wissen wir alle. Dass man in diesen Kreisen ständig nach mehr Gehalt dürstet, ist auch kein Geheimnis. Es sollte nur noch einmal gesagt werden …
13. Dezember 2007 um 13:05
Nebenbei bemerkt: Der Hessen-Koch ist doch ein lustiger Kerl. Wenn ich ihn sehe, blicke ich mich meist erschrocken um, ob gerade ein Kanevalsumzug stattfindet.
Ansonsten erinnere ich mal an die hessische Spendenaffäre.
13. Dezember 2007 um 14:10
»zwischen 1.200,- EUR und 7.500,- EUR Brutto«
…macht im Schnitt 4.350 Euro. Das ist nicht gerade viel, klingt aber vernünftig wenn man bedenkt, dass Sie das im ärmsten Bundesland Deutschlands verdienen. Zugegeben, ein wenig neidisch bin ich schon, ist es doch mehr, als ich monatlich bekomme ;o( Allerdings müssen wir beide auch keine Pools oder Villen beheizten, gerade wo doch die Energiepreise wieder steigen. Wir haben keine Jachten, Pferde und kaum Personal. Auch schlafen wir ruhiger, weil nicht hunderttausende Euro bei Vontobel in wackeligen Fonds und Gazprom-Aktien stecken.
Es ist doch so: Die Aussicht auf fette Pensionen und üppige Renten hilft bei den laufenden Kosten auch keinem Beamten wirklich. Ich bin mir sicher, wenn wir den Politikern und den tausenden Abgeordneten im Land endlich diese finanzielle Last von den Schultern nehmen würden, käme auch ein wenig mehr Gehalt in die Politik. Eine weiterhin weitgehend steuerfreie Grundversorgung von 14.000 (Ost) bzw. 28.000 Euro (West) im Monat kann da schon eine Menge bewegen.
13. Dezember 2007 um 17:27
Naja, neidisch musst Du nun wirklich nicht sein. Immerhin wird durch den fehlenden Hinweis auf Verteilung des Minimums sowie des Höchstwertes das Bild etwas verzerrt. Du hast richtigerweise erkannt, das ich vorwiegend in MV meine Brötchen verdiene. Das macht viel Spaß und bedeutet auch eine besondere Herausforderung, verheißt aber nicht immer die monetäre Wertschätzung der eigenen Arbeit, weil zumeist der Auftraggeber zwar möchte aber selbst auch nicht so kann wie er möchte. So kommt es denn auch, dass der Höchstbetrag nur selten erreicht wird.
Es gibt also keinen Grund, Neid aufkommen zu lassen. Ich befürchte fast, dass ich insgesamt sogar unter Deinem Mittelwert liege … Macht aber nix. Das wird durch die Unabhängigkeit und die Möglichkeit der freien Entfaltung wieder ausgeglichen.
Außerdem haben wir verstanden, selbst mit geringem Mitteleinsatz Qualität zu liefern. Mit 14.000,- EUR / Monat leistungsunabhängig könnte ich ja auf den Gedanken kommen, Qualität und Engagement seien nur lästiges Beiwerk. Da gehe ich dann um 16:30 Uhr zum Sqash und bis 10:00 morgens ins Fitnessstudio. …
14. Dezember 2007 um 09:10
Herrjeh, da haben aber einige mal wieder was reichlich Kurzes in der Wäsche! Ähem, zu Herrn Koch ist eigentlich dasselbe zu sagen, wie zum Bayernschlingel Stoiber: Die Euch so fremden Süddeutschen mögen ja sympathisch rüberkommen oder auch nicht –
A sie stehen/standen Ländern vor, die nicht auf Spenden angewiesen sind,
B sie können/konnten lange Jahre mit großer Zustimmung der Wähler regieren,
C sie haben keine Angst, Positionen zu beziehen, statt unter dem Radar zu fliegen.
14. Dezember 2007 um 10:59
Ein wenig Differenzierungsvermögen täte gut, mein Lieber. Sowohl auf meine urschwäbischen Wurzeln, als auch beim Blick auf süddeutsche politische Protagonisten.
Denn inhaltlich kann ich dem Herrn nur zustimmen. In verallgemeinerter Form bedeutet es doch, dass alle davon partizipieren sollten, wenn es gerade gut läuft.
Es scheint mir zweitrangig, wieviel oder wieviel mehr ein industrieller Spitzenverdiener gegenüber einem Normalangestellten bekommt. Problematisch ist vielmehr:
1. dass die Schere auseinandergeht
2. dass sich Kasten herausbilden
3. dass das untere Ende die Bindung zur Gesellschaft verliert
4. dass die obere Ende die Bindung zur Gesellschaft verliert
5. dass die Zugehörigkeit zur Kaste zunehmend sozial bedingt ist, also “vererbt” wird
Gerade letzterer Punkt ist für eine (Leistungs-)gesellschaft auf Dauer ein schwerer Hemmschuh. Kann es vielleicht sein, dass neben anderen Ursachen das bundesrepublikanische Schulmodell diese Entwicklung befördert hat, auch wenn die Konsequenz jetzt erst sichtbar wird, wo es uns nicht mehr besser, sondern nur noch materiell gut geht? (sollte tatsächlich als Frage verstanden werden)
14. Dezember 2007 um 11:25
Mit Punkt 5 hast Du leider sehr recht – ein wesentliches Problem, dass sicher mit dem gesamtdeutschen Schulsystem zusammenhängt. Persönlich wäre ich auch eher für ein gesamtschulisches Modell. In Deinen Punkten 1 bis 4 kann ich leider kein Differenzierungsvermögen, sondern nur typische sozialromantische Klischees der Siebziger erkennen. In Mecklenburg sind die Armen jedenfalls ärmer als in Bayern.
14. Dezember 2007 um 12:03
@»…dass alle davon partizipieren sollten, wenn es gerade gut läuft.«
Wie jetzt?! Meine Zeitung titelte heute in großen Lettern: »Aufschwung verliert deutlich an Kraft.« Zwei deutsche Institute haben Ihre Prognosen auf 1,9 für 2009 sogar auf 1,6 Prozent Wachstum korrigiert. (bei 3% Inflation p.a.) Amerika droht eine Rezension, die natürlich auch Asien und Europa erschüttern wird. Und Sie sprechen von partizipieren?
Willkommen im Kapitalismus, Herr Greh!
14. Dezember 2007 um 13:10
@Peter
> … , wenn es gerade gut läuft.
Das ist eine bedingte Aussage, sonst schriebe ich “… ,wo es gerade gut läuft”. Ich habe nicht behauptet, schon gar nicht global, dass es gut läuft. Wenn das aber bedeuten würde, nicht im Kapitalismus angekommen zu sein, gebe ich das mal an meinen Bezugsgeber Koch weiter.