Sachbeschädigung am Feiertag
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Am Freitag ist Reformationstag. Evangelische Christen feiern dann die Reformation, also die ungewünschten Ausgründungen evangelischer Kirchen aus dem papistischen Mutterkonzern. Das kam so: Kommenden Freitag vor genau 491 Jahren soll Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür zu Wittenberg genagelt haben. Wildes Plakatieren, das heutzutage sofort eine Anzeige wegen Sachbeschädigung nach sich ziehen würde.
Damals sah man diese Dinge etwas liberaler, da die Werbewirtschaft noch in den Kinderschuhen steckte und solche Taten zunächst die Ausnahme waren. Leitmedien waren zu Luthers Lebzeiten das Kirchenfenster und fahrende Sänger, Buchdruck war noch etwas für Hightechfreaks und Geheimnisträger wie Sean Connery – siehe dazu auch »Der Name der Rose«.
Langweilig war aber trotzdem keinem, da man 18 Stunden täglich auf dem Feld arbeiten musste und meistens nicht älter als 30 wurde. Blinddarmentzündung, Koma und aus! Merke: Maschinenmedizin und Antibiotika haben auch ihr Gutes.
Ach so: Der Reformationstag ist gesetzlicher Feiertag in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Außerdem in Slowenien und Chile, im Rest der Welt aber nicht. Siehste!

29. Oktober 2008 um 18:38
Wie eine kurze Suche ergab, ist der Reformationstag in Chile in der Tat auch wirklich jung: » Mehr dazu. Erst seit 2006 dürfen sich die Protestanten einmal ihm Jahr an das ungeliebte Kind des Herrn Luther erinnern.
30. Oktober 2008 um 09:29
Allerhand, was die chilenische protestantische Minderheit sich so erlaubt. Das ist ja so, als ob die Saudis einmal im Jahr den Tag der Mohammedkarikaturen feiern würden. Obwohl ein bisschen Selbstironie ja nicht schaden soll.
30. Oktober 2008 um 10:20
Atheismus ist Freiheit!
30. Oktober 2008 um 12:08
Freiheit ist eine schöne Sache, aber nicht dann, wenn sie mit Einsamkeit erkauft wird. (Bertrand Russell)
30. Oktober 2008 um 12:20
@ Bertrand Russell
Schön, dieses Zitat von einem der großen atheistischen Denker. Im Gegensatz zu anderen großen englischen Dichtern & Denkern (Waugh, Greene, etc) fand B. Russel im Alter nicht zum Glauben zurück. Wahrscheinlich war er nicht einsam…
30. Oktober 2008 um 12:25
Ja, ich würde es ihm wünschen. Die meisten Atheisten sind allerdings keine großen Denker, oder? Und ob der Glaube an Ufos, Buddha und Elektrosmog beim Sterben wirklich hilft, weiß ich nicht.
30. Oktober 2008 um 12:43
@ große Denker
Beweisführung?
Im Übrigen, höre ich hier einen etwas unsanften Vergleich zwischen Christentum (dem selbstverständlich überlegenen Glauben) und den Anhängern des Prinzen Siddhartha heraus?
30. Oktober 2008 um 12:49
Nicht doch, es handelte sich lediglich um dem Versuch einer ironischen Bemerkung über den verbreiteten Richard-Gere-Buddhismus, der ähnlich einer Ambient-CD das leichte Unwohlsein vom aufgeklärten Seelengaumen vertreiben soll. Religion Light, sozusagen. Der Dalai Lama selber stellt ja immer gerne klar, das die Europäer besser bei ihrem eigenen Glauben bleiben sollten, auch wenn das von den urbanen Weltmusikhörern nicht so gerne zur Kenntnis genommen wird. Glauben ist viel zu verbindlich!
30. Oktober 2008 um 12:53
Ach so, sie meinten die sinnsuchenden Konvertiten, verstehe.
30. Oktober 2008 um 13:07
Konvertiten von der Brigitte zu Buddha, sozusagen.
30. Oktober 2008 um 14:13
Sehen sie, jetzt werden sie auch noch etwas frauenfeindlich und.. mhh wie nennt man eigentlich Menschen die dem Esotherischen abhold sind? Also das Pendant zum Atheisten.
30. Oktober 2008 um 14:16
Das Pendant zum Atheisten wäre der Polytheist, der Vielgötterei betreibt, wie es etwa der gemeine Römer tat. Monotheismus ist heute wohl am häufigsten anzutreffen – also ein Gott pro Person. Göttin geht natürlich auch!
30. Oktober 2008 um 14:31
ne ick meinte doch den anti esotheriker. Aber ich habs schon: Atheist – Polytheist – Esotheist
30. Oktober 2008 um 14:44
Esothephobiker, vielleicht im Gegensatz zum Esothephilen.
30. Oktober 2008 um 14:56
@ Esothephobiker
Ein Krankheitsbild also.
30. Oktober 2008 um 22:43
Oft gesagt ist trotzdem nicht richtig:
Das Anschlagen von Thesen hat nichts mit Nägeln und Hammern zu tun, sondern eher mit Kundtun.
Und das das Durchschnittsalter bei 40 lag, heißt nicht, das die Menschen so alt wurden. Sie wurden schon älter. Doch wenn von 10 Kindern nur 2 die Volljährigkeit erreichen (weiß die Zahl nicht genau, aber um den dreh wirds sein), denn drückt das mächtig die Quote.
31. Oktober 2008 um 10:28
@ und meistens nicht älter als 30 wurde
Ich meine mich zu erinnern, dass im Bad Doberaner Münster ein paar Kirchenbänke aus dem Mittelalter stehen, an deren Ausführung sich gut erkennen läßt, das Menschen damals auch etwas kleinwüchsiger waren.
Eine interessante Korrelation:
geringe Lebenserwartung, kleine Menschen = großer Glauben
hohe Lebenswerwartung, große Menschen = kleiner Glauben
Und ich dachte immer das Zeitalter der Aufklärung hätte den Menschen vom religiösen Wahn (mehr oder weniger) befreit. Dabei ist das alle einfach nur eine Sache der Biologie.
Charles Darwin hatte also recht.
2. November 2008 um 19:43
… das der Reformationstag doch eine Menge interessanter gesellschaftlicher Veränderungen bewirkt hat – schließlich gibt´s nun auch schon seit einigen Jahren ein so schön verkitschtes Halloween Spektakel.
Ob das nun im Hausflur oder auf den Anzeigenseiten der Tageszeitung stattfindet ist doch egal. Hauptsache es wird mal wieder was reformiert.