Teil 1: Europa, Südamerika, Asien & Ozeanien

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Backpacker, Cluburlauber, Automobiltourist oder Zuhausebleiber – ganz gleich welche Präferenz für die Gestaltung der wichtigsten Tage im Jahr gehegt wird: zum Urlaub gehört ein Buch.
Meist ist es ein Roman oder Krimi, welcher den Weg in die Hängematte findet, leider etwas seltener zu finden sind Reisebücher. Dies liegt zum einen an der vergleichsweise geringen Anzahl von Titeln, die dieses Gerne produziert, zum anderen sind wirklich gute Reisebücher Mangelware. Eigentlich etwas schade, ist doch dieses Genre geradezu prädestiniert, den Menschen in die Ferne zu treiben. Im Folgenden eine kleine – willkürliche und nicht vollständige – Empfehlung:

Europa

W.G. Sebald – Die Ringe des Saturn. Eine englische Wallfahrt
Der vor ein paar Jahren verstorbene W.G. Sebald beschreibt hier eine Wanderung durch das ostenglische Sussex. Zwar nicht das ganze England aber wahrscheinlich der bessere Bill Bryson.
mehr unter: http://www.amazon.de/Ringe-Saturn-Eine-englische-Wallfahrt/dp/3596136555

Patrick Leigh Fermor – Zeit der Gaben
Zeit der Gaben, ist Teil 1 einer Wanderung durch Europa nach Konstantinopel in den 30er Jahren. Das Besondere an diesem Buch ist die Schilderung Deutschlands der damaligen Zeit.
Fermor, der ein teilweise recht aufregendes Leben geführt hat, gilt im angelsächsischen Raum als einer der ganz Großen, bei uns ist er nahezu unbekannt.
http://en.wikipedia.org/wiki/Patrick_Leigh_Fermor
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/432292/

Paul Theroux – An den Gestaden des Mittelmeers
Der Autor ist ebenfalls ein moderner Klassiker. Theroux beschreibt in recht subjektiver Manier Menschen und Länder bei seiner Reise rund um das Mittelmeer. Das Buch ist vielleicht nicht eines seiner Besten, lesenswert ist das Kunststück ihn als Erzähler unsympathisch, das Buch aber klasse zu finden, allemal.

Noch ein spezieller nicht ganz ernst gemeinter Tipp:

Lothar Gunther Buchheim – Tage und Nächte steigen aus dem Strom. Eine Donaufahrt

Richtig gelesen! Buchheim hat uns nicht nur den Seekrieg nahe gebracht sondern auch den Wassersport. Ende der 30er Jahre besteigt er in Passau ein Faltboot und fährt die Donau hinab bis zu ihrer Mündung.

Südamerika

Bruce Chatwin – In Patagonien
Chatwins berühmtes Buch entstand Mitte der 70er Jahre. Stilistisch klasse geschrieben und in Beschreibung von Landschaft und Geschichte genau, hat es nur ein kleines „Problem“: Chatwins Beschreibung der Menschen bzw. deren Erlebnisse sind wie man heute weiß, von einer gewissen literarischen Freiheit geprägt. Wenn es der Story dienlich war, dann machte er dann aus dem Leben zweier Menschen nur eine besonders interessante Lebensgeschichte.
Chatwin reiste immer mit so einer Art „Globetrotter-Schriftsteller-Attitüde“ durch die Welt und starb 1989 an der Cote Azur (also standesgemäß für einen englischen Literaten) an einem geheimnisvollen chinesischen Virus, so steht s noch in manch alter Ausgabe. Das ist natürlich Müll, der Typ starb an Aids.

John Harrison – Piranhas zum Frühstück
Leider nur noch antiquarisch erhältlich, ist diese wirklich abgefahrene Beschreibung einer Paddeltour durch den Dschungel des Amazonas.
Wer sich für Patagonien interessiert, dem sei vom selben Autor noch: „Wo das Land zu Ende ist“ empfohlen. Das Buch ist bei weitem nicht so gut wie der obige Dschungeltrip, passt aber gut als zweiter Teil zu Chatwins „In Patagonien“.
Der Autor ist wie Charles Darwin und andere Entdeckergrößen Mitglied der Royal Geographical Society und wer wäre das nicht gerne…..

Der spezielle Tipp für diesen Kontinent ist

Gunter Plüschow – Silberkondor über Feuerland
Jawohl! Der kaiserliche Teufelsflieger von Tsingtau überflog als erster mit einer in Warnemünde (!) gebauten Heinkel die südlichen Anden. Auf der zweiten Patagonien-Expedition kam er dann beim Absturz seiner Maschine ums Leben. Das Buch ist was für wahre Aficionados dieser Landschaft.
Vergessen ist der gute Gunter übrigens nicht: Plüschow führte bei seiner Expedition als Basisschiff einen Büsumer Fischkutter mit. Das Schiff wurde kürzlich auf den Falklandinseln entdeckt (wo es als Transporter für Schafe diente) und von Plüschow Fans nach Deutschland zurückgeholt.
http://www.abendblatt.de/daten/2006/07/13/585663.html

Asien

Eric Newby – Ein Spaziergang am Hindukusch
Ein Reisebuch über Afghanistan (!). Handlung: Zwei Engländer die vom Bergsteigen keinen blassen Schimmer haben (der eine ist Diplomat, der andere Verkäufer für Damenmode), reisen in den 50er Jahren in den Hindukusch um einen 6000er zu besteigen. Die Geschichte eines großartigen Scheiterns.
http://www.perlentaucher.de/buch/9804.html

Paul Theroux – The Great Railway Bazaar. By Train Through Asia
Das Buch ist in Deutschland unter dem Titel „Abenteuer Eisenbahn. Auf Schienen um die Halbe Welt“ (uahh!) erschienen. Die Welt (fast) nur aus der Sicht eines Eisenbahnabteils. Therox besteigt Anfang der 70er Jahre den Zug in London und reist auf dem Hippietrail nach Asien. Wendepunkt der Reise ist Japan, dann geht’s mit der Transsib wieder zurück.
Die Erwähnung zweier im Zugabteil pimpernder Hippies, holt Theroux 20Jahre später wieder ein. Bei einem Interview in Sydney, revanchiert sich eine der damals handelnden Personen auf recht unfreundliche Art für diese ihr nicht genehme Schilderung.

Die etwas „andere“ Empfehlung für diesen Kontinent ist:

„Mandelaugen am Hindukusch“ von Johnny Gad
Ein etwas trivialer Titel für ein Reisebuch. Handlung: Eine Reise durch das Afghanistan der 90er Jahre, stellenweise etwas pornographisch. (Burkasex!)
Afghanistan aus einer etwas schrägen Optik sozusagen. Nur im Privatverlag erhältlich

Ozeanien

Tony Horwitz – Cook. Die Entdeckung des Entdeckers.
Der Autor reist auf den Spuren James Cooks durch den Pazifik. Das Buch ist Mischung aus Biografie und Reisebuch. Spannend und sehr gut geschrieben.

Paul Theroux – Die glücklichen Inseln Ozeaniens
Noch einmal der amerikanische Vielschreiber. In Australien beginnend geht durch die Weiten des Pazifiks und zu den Endpunkten des polynesischen Dreiecks: Osterinsel – Neuseeland – Hawaii
Mit das beste Buch über diesen Erdteil.

Der spezielle Tipp für Ozeanien:

James A. Michener – Die Südsee
Michener gehört in Deutschland ganz klar in die Kategorie der Unterhaltungs-Literatur. In einem „ernsthaften Gespräch“ über Literatur macht man mit diesem Autor daher keinen Stich. Inhalt: Kurzgeschichten über den Krieg im Pazifik. Kein Reisebuch, mehr ein Teil des Literaturkanons zur Südsee. In diese Kategorie gehört auch: Taipi von Herman Melville.
Einhundert Jahre vor Micheners Soldaten desertiert ein amerikanischer Walfänger von seinem Schiff und schlägt sich auf den Marquesas durch. Großartige Schilderung der Südseebewohner bevor die Inseln kolonisiert wurden.