Träumereien in der Eisenbahn
Bahnfahren ist eigentlich etwas feines. Man braucht das Fahrzeug nicht zu lenken und der Kutscher kennt den Weg. Während der Reise kann man durchs Gehäuse promenieren oder seinen Gedanken nachhängen. So denke ich mir das jedenfalls.
Doch bei den meisten Ausflügen auf Schienen, die ich in den vergangenen Jahren tätigte, hatte ich Pech. Entweder waren die Züge plötzlich defekt oder die Anschlüsse weg, die Gänge verstopft oder das Personal desorientiert.
Besonders lebhaft erinnere ich mich an eine Nachtfahrt per Schienenersatzverkehr in einem altersschwachen Gelenkbus vom Rostocker Hauptbahnhof zum Flughafen Frankfurt. Stunden verbrachten ich und meine Frau in kurzen Urlaubshosen an den vollurinierten ÖPNV-Haltebuchten Mecklenburgs. Die Autobahn ist vielleicht doch besser als ihr Ruf!


26. August 2008 um 13:12
Die Bahnag erhöht ja übrigens z. Zt. die Ticketpreise – vermutlich nicht für den Börsengang, sondern wegen der Ölpreise. Das Öl wird ja bekanntlich durch die Höhenleitungen eingepumpt, die über den Abnehmern der Fahrzeuge hängen.
26. August 2008 um 19:12
Bahnfahren, welch schönes Thema.
Hier mal ein Auszug aus einem Brief den ich vor ein paar Jahren an meine Großmutter schrieb.
…Von San Carlos de Bariloche fuhr ich dann mit dem Transpatagonica Express nach Carmen de Patagones am Atlantik. Das rollende Material dieses Zuges war schon etwas angeschlagen aber alles in allem „shipshape“. Das wirklich bemerkenswerte an diesem Zug war der Speisewagen. Ein Oberkellner – ein richtiger „Don“! – und 3 „Unterkellner“ dazu noch zwei Köche. Man bestellt einen Tisch, wird zum Essen abgeholt, es gibt eine gute Auswahl an Weinen, der Kellner legt einem die Vorspeisen vor (!) und danach kommt ein richtig gutes Steak. Den Abschluss bilden dann Nachtisch und Kaffee. Und die Jungs sind auch richtig bemüht. Danach schön blau in`s Bett.
Nun will ich nicht behaupten, dass man im ICE nicht auch vernünftig essen kann und Wein und Nachtisch gibt es dort auch. Aber das hat nicht diese Klasse und auch nicht Qualität wie in diesem Zug. Auch das subjektive Empfinden, also: „Ich bin in Südamerika und fahr durch Patagonien im Speisewagen………“ hat damit nichts zu tun.
Das war eben wirklich ein Restaurant auf Rädern, so wie es das vor nicht allzu langer Zeit auch auf deutschen Schienen gegeben hat.
Angetan von diesem Erlebnis hab ich dann beschlossen von Bahia Blanca das letzte Stück nach Buenos Aires ebenfalls mit der Bahn zu fahren. Das war ein Fehler!
In Bahia Blanca nahm ich dann einen Zug, den man nur als vergammelt bezeichnen kann. Schlafwagen war auch nicht, aber immerhin noch ein Pullman-Sitz (die sind ok) für die 15 Stunden Fahrt. Der Speisewagen war so richtig siffig.
Exkurs Geschichte: Bis 1949 gehörten die Eisenbahnen den englischen Aktiengesellschaften. Peron, Argentiniens große „Lichtgestalt“ hat sie dann den Briten abgekauft. Für die Briten war dies ein exzellentes Geschäft, denn die Bahnen schrieben damals schon seit Jahren nur Verluste und eigentlich überlegte man in London, ob man sie nicht dem argentinischen Staat schenken könnte. Ein paar Jahre später war Argentinien pleite und seitdem vergammelt hier (fast) alles. Die meisten Strecken sind auch stillgelegt. Das Ganze hat aber auch Charme, denn einen „Damenwarteraum“ mit Kamin und edlem Holz sieht man ja auch nicht alle Tage.
Also, ich fuhr dann jedenfalls los und dachte so bei mir – du trinkst dir einen an, liest ein wenig und irgendwann bist du ja da…….
Morgens um sieben stoppt der Zug für eine Stunde, leichter Unmut im Waggon, aber dann ging es weiter – über eine Nebenstrecke.
Irgendwann wurde ich dann von kratzenden Geräuschen geweckt und als ich aus dem Fenster sah, war alles grün und der Zug steckte im Gebüsch. Die Strecke wurde seit Jahren nicht mehr befahren und zwischen denn Schwellen, dass hab ich später mir angesehen, wuchsen auch schon kleine Bäume.
Nach längerem vor und zurück, wurde der Zug zurück in das nächste Kaff geschoben und die Lok ist dann alleine los, um eine Bresche in den „Wald“ zu schlagen.
Ich hab aber nicht so lange gewartet, sondern bin dann per Minibus weiter. Beim Abfahren noch ein Blick auf die Lok: dass Grünzeug auf dem Dach und die Maschinentüren aufgerissen – war ein schönes Bild.
26. August 2008 um 21:12
…also wenn man einen Gehörschutz (mit oder ohne Musik), Verpflegung und etwas Geduld mitbringt, sich ab und zu auf andere Plätze setzt, dann geht es.
aber ansonsten hasse ich es Bahn zu fahren.
Aber nach einem 8 Stunden Meeting habe ich einfach keine Energie mehr um zum Beispiel von Nürnberg nach Rostock mit dem Auto zu fahren….
27. August 2008 um 08:12
Ja, das verstehe ich. Doch kann ich mich noch gut entsinnen, das selbst in den Achtzigern das Zugreisen noch recht ruhig und vor allem pünktlich verlief. Es gab das selbstverständliche Sprichwort »Pünktlich wie die Bahn«, das man heute kaum noch einordnen kann.
Der Herr Richter ist da natürlich anderes gewohnt, wenn er das britische Weltreich im Pullmann bereist. Da perlt der Schaumwein im Privatabteil, während draussen die südliche Hemisphäre majestätisch am Marmorsims vorbeigleitet. Herrlich, Ihre Schilderungen!
27. August 2008 um 08:54
Verweise in diesem Zusammenhang auf die Frankfurter Sonntagszeitung vom 22.06.2008. Jürgen Dollase will sich im ICE Bordrestaurant verwöhnen lassen.
Ein guter Verriss ist ja auch eine schöne Sache…..
27. August 2008 um 10:03
Allerdings! Mann könnte geradezu eine Profession daraus machen. Herrn Dollases Einlassungen finde ich übrigens nicht unter FAZ.NET, hat denn das Sonntagsblatt keinen Web-Ableger?
27. August 2008 um 10:41
Meine Erinnerungen an Bahnfahrten sind durchweg positiv. Das mag daran liegen das ich nie alleine reise sondern eher so mit 500 anderen.
27. August 2008 um 11:27
Ach ja stimmt, der CSD in Berlin ist ja angeblich der Oberhammer, Du Partylöwe!
27. August 2008 um 14:04
Ekkard,
stimmt, kannste nur nachträglich für €2 den Artikel nochmal ziehen (sooo wichtig is nu auch nicht) oder zufällig an jenem Sonntag gelesen haben so wie das bei mir der Fall war.
Es war jedenfalls eine sehr plastische Beschreibung des Nährschlammes der da unter wahrlich irreführenden Bezeichnungen angeboten und aufgetragen wurde.
Ansonsten: Bahnfahren ist toll, wenn man tatsächlich von einem Bahnhof zum anderen möchte. Für alle anderen Enddestinationen m.E. unbrauchbar.
Aus Hobbyaspekten heraus: möchte gerne einmal mit diesem Panoramazug einmal quer durch Kanada fahren, klar!!
27. August 2008 um 15:13
Argentinien, Kanada….
Seid ihr Eisenbahnnostalgiker oder habt ihr schon heimliche Insidergeschäfte mit den zukünftigen Aktien von der Deutschen Bahn gemacht ?
Also ich bevorzuge die Strecke Bützow – Neubrandenburg, denn da lernt man erst einmal die Größe von Mecklenburg – Vorpommern richtig kennen.
27. August 2008 um 15:29
Nichts gegen die – im Übrigen unbestrittene – Schönheit Mecklenburg-Vorpommerns, also landschaftlich und so.
Argentinien, Kanada oder andere aussereuropäische Länder betören aber mit der Gewähr, nicht mit der Deutschen Bahn und ihrer Serviceinterpretation von der Schönheit des Landes abgelenkt zu werden. that’s why.
27. August 2008 um 16:33
Serviceinterpretation! Wahahanichsoschlecht…
27. August 2008 um 22:28
@ Seid ihr Eisenbahnnostalgiker..?
Manchmal, leider.
Vor kurzen hatte ich das Vergnügen in einem holländischen Schlafwagen mit der Funktionalität eines Dixieklos zu übernachten. Am nächsten Morgen werden die Teile wahrscheinlich ausgespritzt. Ganz, ganz übel! Ich frag mich immer, wer baut so etwas. Wahrscheinlich Controller.
Und Herr Bäuerle, ich sag Johnny Gad bescheid. Dann bringt er die vielleicht die nicht ganz jugendfreie Geschichte über eine Zugfahrt in Zimbabwe. Für die Nostalgiker bescheib ich schon mal den Zug: Waggons in in der Farbe “Imperial Brown” – Barwagen – Restaurantwagen – Schlafwagen mit ausklappbaren Leseleuchten & Aschenbeschechern mit einer Funktionalität wie sie heute aus Kostengründen nicht mehr gebaut wird – in den Fensterscheiben noch das RR für Rhodesian Railways eingraviert und das alles als normaler Zug, also kein TouristenExpress. Danach steigen Sie mal in einen EuroNight nach Wien….das ist dann hart
28. August 2008 um 08:05
Öha, sie kommen ja alle ganz schön rum! Bin ja schon froh, wenn ich abends die richtige Türklingel finde. Aber im Geiste bin ich mit Ihnen auf Weltreise! Immer, Ihr Hardy Krügerle.
28. August 2008 um 09:39
ich schlage vor, Sie schaun sich das mal an
28. August 2008 um 09:44
Ja, die Sendung mit Hardy Krüger, die hier zitiert wird, war wirklich schräg. Trotz seiner 103 Lenze wurde der alte Serengetikönig mit Papplöwen in die Savanne gestellt. Sein Lösungstropf wurde so lange von einem angeklebten Pavian verdeckt, oder? Nix gegen Hardy: »Einer kam durch« war ein echter Kracher – allerdings in den Fünfzigern, gell!
28. August 2008 um 10:41
..nicht zu vergessen “Flug des Phoenix” (das Original, also ohne diese dämliche Schnalle bzw. Lovestory)
und Die Wildgänse kommen Teil 1 konnte ich mir auch gut ansehen. Hardy Krüger als Bure der den Kaffer aus seinem Rücken trägt.
Politisch völlig ziemlich unkorrekt, aber unterhaltsam
http://de.wikipedia.org/wiki/Hardy_Kr%C3%BCger
28. August 2008 um 12:05
Herr Richter – ich bin beeindruckt ! Ich hatte geglaubt, das Zeitalter der romantischen Eisenbahnfahrten wäre von der Globalisierung aufgefressen worden.
Statt dessen geben Sie Reisebeschreibungen hier preis, die das Fernweh und Wunsch nach einem gemütlichem Reiseabteil wachsen lassen…
Ist ja vielleicht doch nicht alles soooo schlecht.
28. August 2008 um 17:01
@ Ich hatte geglaubt, das Zeitalter der romantischen Eisenbahnfahrten wäre von der Globalisierung aufgefressen worden
Bevor es zum allgemeinen Aufbruch nach Zimbabawe kommt. Meine Ausführungen bezogen sich auf eine Bahnfahrt von Bulwayo nach Victora Falls, die etwa 10 Jahre her ist.
Seitdem Mugabe die zweite Uhuru ausgerufen hat, geht es in diesem Land ja Berg ab.
29. August 2008 um 10:57
Wenn ich an Rhodesien denke, fällt mir sofort ein klassisches Rhodesien-T-Shirt ein, auf dem der Machospruch »Be a Man among Men« stand und das in der amerikanisch besetzten Seestadt Bremerhaven von den GIs gerne zur Schau gestellt wurde. Habe das Motiv hier wieder gefunden »
29. August 2008 um 11:31
@ Wenn ich an Rhodesien denke
Zitat: I’m an American who joined the Rhodesian African Rifles to help out in what I saw as a fight against Communism. My African soldiers and I spent most of our time patrolling the Tribal Trust Lands looking for Communist Terrorists.
Wie geil. Kann man die Jungs nicht wieder reaktivieren? Hier gäbe es genug Arbeit.
1989 haben wir uns ja leider gegen die rumänische Lösung entschieden, das rächt sich jetzt.
29. August 2008 um 11:49
Rumänische Lösung? Ach, Du meinst Vlad, den Pfähler! Oder doch Ceauscescu?
29. August 2008 um 15:14
@ doch Ceauscescu?
natürlich diesen netten herren
31. August 2008 um 12:06
… und der fährt mit der Bahn ?
1. September 2008 um 07:59
Nicht mehr, glaube ich.