Träumereien in der Eisenbahn Teil 2

Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren. Diesen Trip wollte ich schon seit Jahren machen und in diesem Sommer war es dann endlich soweit.
Von den drei Routen die Auswahl stehen: „Moskau – Wladiwostok“, „Moskau – Peking über die Mandschurei“ und „Moskau – Peking über die Mongolei“, nahm ich die letzte Variante. Ich dachte dieser Streckenverlauf ist ca. 8.000 km etwas kürzer und daher auch kommoder als die klassische Route an den Pazifik. Statt 7 Tagen saß ich daher nur knappe 6 Tage in der Bahn. Allerdings merkte ich schnell, dass Zeit keine relevante Dimension ist. Womit ich sagen will, dass es auf einen Tag mehr oder weniger bei dieser Reise nicht ankommt.
Was macht man nun auf diesem legendären Wag nach Osten? Klar, für Lesen und Quatschen geht viel Zeit drauf. Ergänzt werden diese Tätigkeiten durch regelmäßige Besuche im Speisewagen. An diesem Hort der Geselligkeit und Kommunikation ist dann auch jedem Abend irgendeine Party bzw. kollektives Betrinken angesagt. Hier trifft man Leute wie den mongolischen Wrestler, der nach stundenlangen Vodka trinken, auch nicht zu zweit im Armdrücken zu bezwingen ist – und das während einem ein Russe ins Ohr brüllt, dass Putin ein Schwein ist.
Einen Abend später sang dann eine Russin „Schwarze Augen“ und andere russische Volksweisen und ich musste dabei an meine Mutter denken, die mir als Russischlehrerin das „DDR 2“ Programm „Für Freunde der Russischen Sprache“ nahegebracht hat. Ein „Highlight“ des DDR Fernsehens. Ich glaube ich habe alle Schlachten des 2. Weltkriegs als Spielfilm gesehen. Dazu gab es Lovestorys wie die der aufrechten Politkommissarin und dem Soldaten Sergei die sich hinter den feindlichen Linien liebten.
Manchmal steht man im Zug aber nur am Fenster und schaut sinnierend in die Landschaft, während der Zug einen der mythischen Ströme Russlands wie den Jenissei überquert. Ein Ritual ist der etwa aller 5 Stunden stattfindende Lok bzw. Personalwechsel. Dann geht es für 10-20 Minuten raus um sich bei den russischen Muttis auf dem Bahnsteig, oder am Kiosk neu zu verproviantieren. Länger hält der Zug meist nicht, der längste Halt ist eine Stunde in Irkutsk. Bei den Mädels am Bahnsteig war fast jedes Essen ein Treffer. Das Highlight war eine Kiste Räucherfisch und ein Eimer Himbeeren, die ich mit Blick auf den Baikalsee erstand.
Irgendwann ist dann Russland aber vorbei und der Reisende wird morgens wach und sieht am Fenster eine Herde Kamele vorbeiziehen, das ist dann die Mongolei. Viel Zeit bleibt dann nicht mehr, man geht noch mal Essen im mongolischen Speisewagen (dessen Interieur der mongolischen Version einer Almhütte entspricht) und dann kommt auch schon China.
Wer schon mal im Reich der Mitte war, der weiß, dass dieses Land extrem modern geworden ist und so hat jedes Kaff von der Größe Güstrows auch sein Neubaugebiet für den chinesischen Mittelstand. Äußerlich nicht modernisiert (im inneren schon) war der Pekinger Hauptbahnhof, ein Gebäude im Stile der 50er Jahre. Mein Freund Schmitty und ich standen jedenfalls auf dem Bahnsteig in Peking und stellten uns die Fragen: Zu lang? Noch mal machen? Zu lang auf keinen Fall und noch mal? Ja, wenn ich mal von Japan nach Hause will – und da will ich auf jeden Fall noch mal hin – dann wäre die Transsib ab Wladiwostok eine reale Alternative.
Mit der Transsib von Moskau nach Peking:
- Tickets für die 1. Klasse kaufen (D. h. der Packpacker Ethos – also so billig wie möglich – ist i. d. F. nach Möglichkeit zu vernachlässigen!)
- Kauf der Tickets in Moskau. Kosten: € 560 für die 1. Klasse ab Moskau (in Deutschland sind die Tickets z T. deutlich teurer -> € 900)
- Entweder ausreichend Geld für den Speisewagen einpacken – der in meinem Fall der sehr gut war – oder ausreichend Verpflegung
- Entertainment nicht vergessen – Musik, Boxen etc.
- Gleiches gilt für Alkohol
Literatur:
Paul Theroux: The Great Railway Bazaar / Abenteuer Eisenbahn – auf Schienen um die halbe Welt
Einer der großen Klassiker über das Bahnfahren. Von London nach Südostasien – Abstecher Japan – und mit der Transsib zurück
Steffen Kopetzky: Grand Tour: oder die Nacht der Großen Complication
Frühjahr 1999. Eben hat sich der junge Leo Pardell um seine kargen Ersparnisse betrügen lassen. Den vollmundig avisierten Aufenthalt in Buenos Aires spielt er seiner Mutter und seiner Angebeteten jetzt einfach telephonisch vor, und verdingt sich – bar jeder Schlafstätte oder Mittel – als Aushilfs-Schlafwagenschaffner. Während seiner nächtlichen Reisen auf den Schienennetzen Europas trifft er die merkwürdigsten Gestalten: französische Schmuggler, bulgarische Verführungsspezialisten, korrupte Kontrolleure, kluge Buchhändlerinnen, Brüsseler Bürokraten, melancholische englische Detektive, mörderische Priester im diplomatischen Dienst und reizende, russische Beischlafdiebinnen.

23. Dezember 2009 um 12:30
Да здравствует немецкий-русский дружбы !!!
23. Dezember 2009 um 12:44
Herr Richter back in the East! Sehr schön. Ihnen hat’s offenbar sehr gefallen. Man bekommt jedenfalls Lust darauf, es auch mal zu probieren.
Auch ich durfte – allerdings zu DDR-Zeiten – mit dem Freundschaftszug nach Moskau fahren. Coole Sache. An der Grenze Wagen hoch und Achsen tauschen, der Babuschka das heiße Wasser aus dem Samowar klauen, Ärger bekommen, weil mangels zu öffnender Fenster in Polen die Wagontür aufgelassen wurde, Anstehen an Onkel Lenins Mausoleum bei minus 20°C, Kaufhaus GUM leer wie der Obimarkt aus der Werbung, kommunikative Stehklos mit Nachbarschaftsanschluss. …. Schöne Erinnerungen
23. Dezember 2009 um 12:52
@ Moskau
Bezogen auf die Konsumenten war das GUM war in Moskau immer noch leer. Naja der Russe hat es momentan auch nicht so dicke….
@ Да здравствует ….
Da hat in der Schule aber jemand aufgepasst….:–))
24. Dezember 2009 um 10:47
1.:Papa hat mir die Redewendung zukommen lassen
2.:Meine Frau ist Russisch-Lehrerin.
Allerdings habe ich sie nicht gefragt und hoffe daher auf die Korrektheit.
Achso 3.: Ich hatte eine 1 in Russisch im Abi.
4.: Frag mich bloß nicht nach Russisch
28. Januar 2010 um 13:35
@ Да здравствует ….
Da hat in der Schule aber jemand aufgepasst….:–))
Ich finde nicht. Ich glaube das ist ein Plural. Also “Es leben die deutsch-russischen Freundschaften”
(Ha, wer angibt hat mehr vom Leben ;=)
26. April 2010 um 22:09
ha und jetzt ne steigerung.
transdeutschland mit der deutschen bahn an feiertagen bei wintereinbruch.
keine chance mit 6 tagen