Von Medien, Füchsen und Saisonausfall
Vorgeschichte: ich besitze kein Fernsehen, auch kein Radio, aber einen Weltnetzempfänger, um mich unter anderem über aktuelle Sportereignisse auf dem laufenden (Achtung: taucht später noch mal auf) zu halten. Der gestrige Fußballticker “Deutschlands größten Sportportals” war schön beruhigend (Bayernspiel), da dachte ich mir, … … mich nebenbei noch über parallel laufende Wettbewerbe zu informieren. Folgender “Lebendticker” ist mir ins Netz gegangen: Handball-Bundesliga-Partie HSV – Magdeburg
Das Angebot überrascht durch präzise Daten, in der Rubrik D/A wird sogar darauf hingewiesen, wer Deutscher und wer Ausländer ist. Joel Abati ist Sternchendeutscher (von einer außergalaktischen Kolonie). Das wusste ich bisher tatsächlich nicht.
Noch informativer wurde es, nachdem ich dem einzigen Verweis dieser vornehm schlichten Selbstladeseite folgte. Besitzer des exotischen Netzwiedergabegerätes Feuerfuchs seihen auf die vielsagend eindeutige Anfrageadresse verwiesen: http://www.handball-bundesliga.de Anders netzenden ist folgender erläuterter Bildschirmtreffer dargereicht:
Erläuterung:
Oben das Graue ist der Feuerfuchs (“Gemeiner Grauer Feuerfuchs”). Der ist umsonst und das meine ich völlig wertfrei. Darunter (hellgelb) erfragt Meister Reineke mich, eventuell noch mehr vollseitig halbseidene Informationen auffenstern zu dürfen (Antwort: Bemüh dich nicht). Wiederum darunter ganz links (“HBL” abwärts) befindet sich eine dschihadistische (bemühte – Übersetzung: Herr Rütli aus der Schweiz) Informationsseite über eine westasiatische Randsportart, dem sogenannte Handballern. Die ist aber glücklicherweise von OTTO verdeckt, bei ihm kannst du Damenmode mit Prozenten kaufen. Erstandenes alkoholisierte Weiber-Tragwerk lässt sich prima gegen die komplette Handballen Rückrundung eintauschen. Das scheint mir politisch korrekt und trägt zweifelsfrei zum Weltfrieden bei.
Ich war aber mit meinem Bier völlig zufrieden und fand endlich die erhofften Nachrichten auf dem Laufband, obwohl ich vorher bereits 12 Kilometer in der Natur herumgejoggte: “Kronau/Östringen: Dániel Buday fällt mit einer Schulterverletzung für den Rest der Saison aus.”
Nachtrag:
Irgendwie ein schöner Abend war das, ich habe dann die Weltnetzwiedergabe durch das Töten des Fuchses gestoppt und mir John McLaughlins Mahavishnu Orchestra durch das radio.string.quartet vermitteln lassen.


12. April 2007 um 06:46
Klingt doch nach einem gelungenen Abend! Krieg Du erst mal Kinder!
12. April 2007 um 09:00
Frauen kriegen Kinder, lieber Ekkard.
Aber ich weiß schon, was du meinst. Wenn erst mal Kinder da sind, braucht es natürlich auch eine Glotze. Sonst kommt man ja nicht in Ruhe zum Internetzen.
12. April 2007 um 09:11
Irgendwann wird dann die Werbung nicht mal mehr wegzuklicken sein
und man muss sich die Informationen wieder aus der Zeitung holen.
Aber die Tatsache an sich ist sehr realitätsnah: der Unterschied zwischen
Werbung und Nachrichten ist grafisch nicht mehr gewollt.
Und im Fernsehen ist ja anders: 15 Sekunden Werbeblöcke in eine Fimszene
gequetscht, 10 Minuten Werbung prinzipiell, Werbebanner mitten im Bild und
nervtötenden Werbelaufbänder an den Rändern…
…und da kannste keinen Fuchs für töten, nur ausschalten.
Sei also froh !
12. April 2007 um 09:44
Kein Radio? Kein Fernsehen? Sehr gut!
Aber auch so fern wie der Stern, auf dem Joel Abati geboren wurde (den ich natürlich gar nicht kenne). Hast Du denn eine Frau, die Dir den Abend mit Gesabbel und Geschrei versüßt? Oder eine Katze, mit der Du über Politik und Popmusik fachsimpelst?
Wir sind beileibe keine Fernseh-Junkies. Nein, bei uns wird gern und oft erzählt. Manchmal mehr, als dem anderen lieb ist. Dabei verrichten wir unser abendliches Tagwerk, essen, saufen und waschen uns die Füße. Aber so ein Sonntagabend ohne Tatort – da wäre mein Leben zerstört.
Fernsehen macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger!
12. April 2007 um 10:24
@ Irgendwann wird dann die Werbung nicht mal mehr wegzuklicken sein
Das ist richtig so! Das konsumieren von Werbung ist nun einmal die “Währung”, welche für die Nutzung kostenfreier Angebote zu entrichten ist. Ich würde daher Popupblocker und Festplattenrecorder die das überspringen der Werbung ermöglichen, auch verbieten.
Eigentlich gehören alle durch den Nutzer gesteuerten Instrumente zur Vermeidung des Konsums von Werbung in diesem Zusammenhang gesetzlich verboten.
Der Ansatz von Frau Uschi geht genau in die richtige Richtung und Ihr letzter Satz ist inzwischen sogar empirisch belegt.
12. April 2007 um 10:45
Die OTTO-Seite liegt im Firefox innerhalb der Handballseite in einem scrollbaren Bereich oder so was oben drüber. Nochmals darüber (wieviel Tiefe erträgt ein Flachbildschirm?) stapelt sich die Werbung der Handballseite.
Tatsächlich ließe sich Otto auch wegfensterklicken, aber dazu reichte die Ansicht auf meinem heimischen Monitor (1024×768) nicht.
12. April 2007 um 13:25
Leute, was meint ihr, warum HDTV erfunden wurde?? Für die, die es nicht wissen: Das hochauflösende Fernsehen, etwa 5-6x größer als das heutige SD-Fernsehen.
Wenn man heutzutage zufälig bi VIVA1-5 reinzapt, sieht man, dass sich der verwertbare Bewegtbildbereich (ob gehaltvoll oder nicht) auf etwa 1/5 zurückentwickelt hat, weil Popups und Laufbänder in x-und y-Richtung regelmäßig die Sicht versperren.
Es galt somit, dringend eine Lösung zu finden. Das Ergebnis dürfen wir z.T. heute schon bewundern. Dann lasst uns alle die Daumen drücken, dass, bis sich HDTV in Deutschland flächendeckend durchgesetzt hat, der Bildbereich noch nicht zu dolle schrumpft …
12. April 2007 um 14:50
Wenn HDTV 5mal größer und bei VIVA der Bildinhalt 1/5 beträgt dann gleicht sich das doch aus. Schöne neue Welt.
@ Martin folgenden Artikel kann ich jedem empfehlen. Klick
12. April 2007 um 15:09
Mein Reden! Man braucht dann nur noch so eine Schablone, die man über das Gerät hängen kann, um die lästigen Werbetexte abzudunkeln
Marktlücke?
12. April 2007 um 16:15
@ Marco
Kritisiert eine Form der Sendungsgestaltung, die aus Sicht des Konsumenten – das geb ich zu – völlig “overpaced” ist. Aber so lange die Quote, DAS Entscheidungskriterium stimmt….?
13. April 2007 um 06:57
Ach, finde ich schon schön geschrieben, der Herr war mir bisher nicht bekannt. Immerhin jemand mit einer Meinung, das fehlt in der hiesigen Regionalpresse gelegentlich.
Und natürlich ist die Quote bei den Privaten des Pudels Kern, ähnlich wie beim Hotdog-Verkauf die Kasse klingeln muss. Schönheitspreise sind Beilagen.
Bei den Öffentlich-Rechtlichen sähe ich ehrlich gesagt lieber Leitkulturprogramm mit Bildung und Klassik, statt des eindeutig zielgruppenfixierten Omi-TVs von »Unser Charlie« bis »Forsthaus Rumpelstilz«.
13. April 2007 um 09:59
Der Sound ist gut, aber das Song ist Scheiße.
TV ist ein aussterbendes Medium. Kein Wunder also, dass du vorrangig auf Seniorenunterhaltung triffst. Interessant finde ich, dass selbst multimedial vervorrragend geeignete Themen wie bspw. eine Champians League Spiel so primitiv dargeboten werden (spärliche Informationen, kein Audio/Video/Bilder/Interviews, keine Emotionen). Das sitzt ein Typ vor der Glotze und kliert alle 5 Minuten einen Satz – geiler Job (und Mutti muss das Bier bringen). Die anfänglich bei sport1.de dem Ticker anhängende Live-Statistik ist vielleicht nicht jedermanns Sache, brachte der Vorstellung vom Spielgeschehen aber zumindest etwas interessante Nahrung. Mittlerweile ist das durch grafischen Firlefanz ersetzt.
Sicher hat das in der momentanen Situation mit irgendwelchen Übertragungsrechten zu tun, umso mehr aber mit bewusstem Verkauf von fertig produzierter Ware, solange die noch als sogenannte TV-Suppen-Berge herumliegt. Solange Beckmann als Fußball-Kommentator verkaufbar ist, wird sich das nur marginal ändern. Erst wenn aus Überdruss ob der Alternativen eine Verweigerung auch für die Einäugigen (nicht nur des ZDF) sichtbar wird, könnte sich in diesen Strukturen etwas ändern. Ich hoffen aber, dass sich bis dahin neue neue Wege bereits etabliert haben.
Die Situation ähnelt der in der Autoindustrie. Größere, schnellere Mobile braucht niemand mehr bzw. gibt es die schon. Wie wird man aber diesen pawlowschen Hund wieder los, der auf automobilen Sozialstatus gehetzt wurde? Die Technik vorzuschieben ist lächerlich (2885 Kilometer mit nur einem Liter Benzin: http://www.eco-marathon.de). Jeder halbwegs denkende Automobilentscheider musste damit rechnen, dass irgendwann so eine Situation eintritt. Genau wie den Medienmachern kar ist, dass ihr Produkt altbacken ist, sie sich das niemals selbst antuen würden und die Abwanderung schon begonnen hat (deshalb die Konsumentenüberalterung).
13. April 2007 um 10:41
Welche Situation denn, Herr Greh begibt sich auf das Feld der Spekulation.
Beweisstück A – Mit der Umwelt läuft alles Bombe:
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2007/03/30/klima-alarm/oeko-luege.html
Beweisstück B – Benzin gibt es auch genug, wenn der Irak erst befriedet ist:
http://www.whitehouse.gov/infocus/iraq/iraq_strategy_nov2005.html
Beweisstück C – Autos können gar nicht groß und stark genug sein:
http://www.hummer.com/
13. April 2007 um 10:44
@..Falkenau
Zu diesen schön gewählten Beispielen aus dem öffentlich geriatrischen Fernsehen noch ein paar Zahlen.
Die unten stehende Auswertung zeigt die Durchschnittswerte für die Prime Time (20-23 Uhr) des Senders
ZDF im 1 Quartal 07.
Interessant sind hier nicht unbedingt Sehbeteiligung und Marktanteil sondern die Affinität, da uns die Letztere einen Aufschluß über die Nähe der jeweiligen Zielgruppe zum Programm gibt (dies im Verhältnis zur
Gesamtbevölkerung)
Am Beispiel der 80-89 Jährigen bedeutet dies, das der Anteil dieser Seher im ZDF um 209% höher
liegt, als der Anteil dieser Zielgruppe in der Gesamtbevölkerung.
Das Sternchen an den 90+ jährigen bedeutet, das erst ab dieser Zielgruppe eine Fallzahlproblematik autritt!
ZG RW in Mio – Ma in % – Affinität
E 14+ 4,185 15,4 100
E 14-19 0,056 6,6 17
E 20-29 0,095 5,0 19
E 30-39 0,282 7,7 43
E 40-49 0,538 11,2 70
E 50-59 0,733 16,3 120
E 60-69 1,229 20,7 178
E 70-79 0,892 22,2 196
E 80-89 0,351 24,4 209
E 90+* 0,009 19,0 111
13. April 2007 um 11:01
Sehr richtig! Die Öffentlich-Rechtlichen sind nicht zu kommerziell, sondern nur viel zu fixiert auf die Zielgruppe »RIP 2040«*
*in 33 Jahren auf dem Streufeld (westdeutsch: Friedhof).
13. April 2007 um 11:18
@Bäuerle
zu A: kann mich nicht erinnern, mich über meine Umwelt beklagt zu haben. Aber wo sich mich gerade so angehen …
zu B: auch ist mir bisher kein Benzinmangel aufgefallen (Verbrauch: ca. 0,1 Liter pro Jahr fürs gute Zippo)
zu C: Auch das bezieht sich wohl kaum auf mich. Übrigens, was soll diese Spielzeugkiste: http://www.volvo.com/trucks/germany-market/de-de/trucks/Volvo_FH16_2006/gallery/gallery.htm
Mir scheint, der Spekulant sind sie. Dummerweise spekulieren sie mit meinen Aussagen. Darauf würde aber selbst ich nicht setzen. Oder wie Adenauer schon sagte: „Auch Sie werden mich nicht daran hindern, täglich schlauer zu werden!“
13. April 2007 um 12:31
@ Auch Sie werden mich nicht daran hindern, täglich schlauer zu werden!“
“Auch mit einem Tritt in den Hintern machst Du einen Schritt nach vorne”
Mao
13. April 2007 um 12:34
Das wird ja immer schöner mit Ihnen.
Das Klima kollabiert, die fossile Energie ist alle und der feine Herr will Volvo fahren.
Für dieses krude Weltbild wird dann auch noch der ultrakonservative Adenauer als ideologisches Unterfutter rekrutiert. Schlimm, dass es sowas noch gibt!
Die Welt haben wir nur von unseren Kindern geliehen, Herr Programmierer des Untergangs!
13. April 2007 um 13:05
Eher als rethorisches Monumental denn ideologisches Unterfutter würde ich den adenauerschen Bezug verstehen wollen. “Programmierer des Untergangs” ist klingt aber auch nach Fritz-Lang-Klassiker.
Tatsächlich aber ist der Volvo auf die von ihnen angesprochene Problematik das kleinere Übel. Natürlich könnte auch die 660-PS-Zugmaschine zum Nailstudiocruisen herhalten, das dürfte jedoch eher selten passieren. Beim garagengepflegten Hummer wäre ich mir weniger sicher, wenn die liebe Gattin (nicht ihre, Herr Bäuerle) sich nur Salat zum Mittag gönnte und den Gürtel eine Stufe enger schnallt. Aber ich schweife ab.
Ansonsten gehört des Volvos Job auf die Schiene, der Hummer (schon ein geiles Gefährt) ins Museum und du ab und an aufs Fahrrad, wenn du schon die Welt retten möchtest. Für die Frauen habe ich vorerst keine konkreten Verbesserungsvorschläge.
13. April 2007 um 14:30
Ausziehen!
13. April 2007 um 14:41
An dieser Stelle würde ich mir einen Kommentar einier Vertreterin der holden Weiblichkeit wünschen.
Tipp: Das ist doch eine sogenannte Steilvorlage, neue Schuhe plus Handtasche für umsonst sozusagen. Und das meine ich absolut nicht wertfrei, auch wenn dieser Zusatz wertlos sein sollte.
13. April 2007 um 14:50
Rasieren!
13. April 2007 um 15:13
Was soll ich denn kommentieren? Ausziehen und Rasieren? Dagegen ist nichts einzuwenden. Weder bei Frauen noch bei Männern.
Aber warum neue Schuhe und Handtasche für umsonst? Habe ich etwas überlesen?
13. April 2007 um 15:17
Eben, habe deshalb schon ganz feuchte Finger! Man kriegt so schlecht Damenschuhe in Größe 45! Von passenden Handtaschen mal ganz zu schweigen…
13. April 2007 um 15:37
@ Uschi
Die Steilvorlage bezog sich natürlich auf “Ausziehen” (wohnlich). Ich gebe aber zu, gerade selbst vor dem Tor gestanden zu haben und wollte noch mal abspielen. Bei der nächsten Chance rasier ich dem Torwart den Scheitel, bevor ich wieder meinen angestammten Platz im defensiven Mittelfeld einnehme.
@Ekkard
Bei dieser Größe würden diese riesigen bunten Plastikbeutel mit dem Romamuster richtig gut zu den Schuhen assoziieren, würde meine Stilberaterin sagen.
13. April 2007 um 15:59
@Ekkard Man kriegt so schlecht Damenschuhe in Größe 45!
Man kriegt ja nicht mal welche in Größe 42! Mmmmuaaaa…huuuu…
»Uschi B. – Eine Frau verachtet ihre Füße« Dafür ist mein Charakter sehr schön und zierlich.
16. April 2007 um 06:49
Dafür hat mein Schädel heute Größe XXL – habe mir von meiner satanischen Tochter die Pest zugezogen glaube ich. Aussatz, Aussatz möchte man rufen.
16. April 2007 um 08:47
Warum fügen einem die eigenen Kinder so viel Leid zu?
Sind deine Lymphknoten geschwollen? Hast Du schwarze Beulen? Man muss sie aufstechen und ausräuchern. Rattenfallen aufstellen – ganz wichtig!
16. April 2007 um 09:20
Und den Kontakt zu den netten und freundlichen Mensch/-inn/-en um einen herum während der Inkubationszeit meiden. Danke, Ekki. Pest ist eklig, besonders so kurz vor dem Urlaub.
18. April 2007 um 07:47
Danke, bin schon wieder gesund. Dem Kind geht es auch besser. Frechheit eigentlich! Erst den Vati anstecken und dann jammern, wie langweilig es zuhause mit ihm ist.
18. April 2007 um 12:04
Kenne ich. Meine Mutter hat mir zugesichert, dass ich als Kind bereits an den allseits bekannten Windpocken erkrankt war. Nachdem voreinigen Jahren unser Kleiner ebenfalls dieser Seuche anheim fiel, habe auch ich aus solidarischen Gründen mitgemacht. Kann ich allerdings keinem Erwachsenen empfehlen.
In diesem Sinne: Gesundheit!