Wadan wird zu Nordic Yards

Unbezahlte Ware bei Wadan.
photo credit: Langzeitbelichter
Die Gläubiger haben dem Wadan-Verkauf an den 28-jährigen Igor Jussufow zugestimmt, der mit 40 Mio. Euro dabei ist. Der Sohn des ehemaligen russischen Energieministers garantiert 1.200 von bisher 2.500 Jobs in Wismar und Warnemünde. Neuer Name des Unternehmens, an dessen Teilrettung Bundeskanzlerin Angela Merkel intensiv beteiligt war, ist Nordic Yards.

18. August 2009 um 08:43
40 Millionen? Und was bekommt der gute Mann an deutschen Fördermitteln? Ich meine, mich würde es schon interessieren, wieviel der nächste Werftbesitzer einstreichen darf.
18. August 2009 um 10:14
@ “..wieviel der nächste Werftbesitzer einstreichen darf.”
Ich würde sagen, der gute Mann bekommt reichlich. Aber was wäre denn die Alternative?!
- Schiffahrtskrise
- Lohnkostenvorteile und ein massiver Ausbau der Werftkapazitäten in Asien
- Die Koreaner gehen mittlerweile auch in den lukrativen Spezialschiffbau und überlassen den Chinesen immer mehr Anteile am Containerschiffbau
und und und
18. August 2009 um 10:36
Die Tatsache, dass man einen Käufer für die Werft gefunden hat bemängel ich ja auch gar nicht. Die Frage, die sich mir jedoch stellt ist, inwieweit man diesen Käufer an die Werft binden kann. Denn sonst suchen wir in baldiger Zeit wieder einen neuen Käufer, den wir dann erneut mit Fördergeldern füttern bzw. bereichern. Da muss es doch auch nationale Lösungen oder Käufer geben und ich meine damit nicht eine “Verstaatlichung”. Mir wäre wichtig, dass fließende Gelder in Deutschland bleiben und nicht im Ausland versickern.
18. August 2009 um 10:48
Martin, niemand will derzeit in Werften investieren. Wirklich niemand. Davon einmal abgesehen, sind die Wadan/Nordic Werften nicht die einzigen Schiffbaubetriebe die insolvent sind > SSW, Cassens, Lindenau stehen unter Insolvenzverwaltung, und alle anderen kämpfen ums Überleben. Das muss man leider so sagen.
18. August 2009 um 10:50
Ich hab mal im Rostocker Schiffbau gelernt. Rostock ohne Werften kann und will ich mir eigentlich nicht vorstellen. Aber……
18. August 2009 um 11:42
Ich habe neulich im NDR einen schönen Bericht gesehen, der Hoffnung weckt. Da wird von Lolland gesprochen, welches früher auch stark mit dem Schiffbau verbunden war. Auch dort ist Alles den Bach runtergegangen. Mittlerweile sind auf dem Gelände der Werft eine Menge neuer Firmen angesiedelt und es arbeiten mehr Menschen als vorher dort. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4%!
Will sagen: Es gibt immer einen Ausweg. Man muss sich also nicht erpressen lassen. Mit der Bindung von 2 Jahren ist unserer Regierung nicht unbedingt der große Sicherheitswurf gelungen. Schließlich hat es bei Wadan ähnlich gedauert. Wenn man nun noch den damaligen Kaufpreis von 292 Mio mit den über die Jahre zugewendeten Staatshilfen vergleicht, kommt man auf ein großes Plus seitens des ehemaligen Eigners. Das ist eine riesen Sauerei! Dann hätte, überspitzt gesagt, JEDER x-beliebige Harz4-Empfänger die Werft kaufen können. Es ist also tatsächlich überhaupt keine Investition erfolgt – zumindest nicht von Käuferseite. Das wird sich höchstwahrscheinlich auch mit dem jetztigen Eigentümer nicht ändern. Dann lieber ohne Werften. So hart wie es ist.
18. August 2009 um 11:43
So sehe ich es auch.
18. August 2009 um 11:47
Wenigstens haben die Maler wieder zu tun. Die können eigentlich gleich am großen Werftkran ihr Lager aufschlagen oder einen Notdienst einrichten um bei Logoänderungen immer sofort zur Stelle zu sein. Vielleicht sollte mann hier über eine digitale Lösung nachdenken. Das Logo überstrahlt dann im Format einer Timessquare-Werbung unser geliebtes Warnemünde …
18. August 2009 um 11:52
Ich frage mich übrigens nur, warum ein Auftraggeber seine Ware nicht abnimmt. Warum man darauf hoffen muss, dass die Ware abgenommen wird. Sollte es doch vielmehr so sein, dass sie abgenommen wird – schon allein weil sie bestellt wurde. Etwaige Mängel werden dann von der Kaufsumme abgezogen. Nicht anders herum. Das ist doch kein Geschäftsgebaren. Das sind doch keine verlässlichen Kunden, die ich da aufgegabelt habe. Solche Kunden, die mich am langen Arm verhungern lassen, um den Preis zu drücken. Super!! Schöne neue Welt.
Hoffentlich kümmern sich auch ein paar fähige Anwälte um dieses Problem. Da liegt nämlich auch ein Hund begraben.
18. August 2009 um 13:17
Das Prozedere um die (Nicht-)Zahlung nach Erhalt finde ich auch recht merkwürdig, selbst wenn es zurzeit in den Medien entschuldigend als branchentypisch beschrieben wird. Da kenne ich aber noch andere Branchen!
18. August 2009 um 20:39
Das Schlimme dabei ist zudem die Vorbildfunktion dieser Vorgehensweise. Auch hier wird wieder völlig pseudoliberal die Verpflichtung in Frage gestellt. Es gibt einen Vetrag und der ist einzuhalten – Punkt. Da funktionieren ja Geschäfte mit der Mafia verlässlicher.
Solch eine “Geschäftskultur” kann nur unter einem solch desolaten Rechtssystem gedeihen, in dem es Jahre dauert, bis der Leistende zu seinem verbrieften Recht kommt und nichts davon hat, da die Dauer des Prozesses und diverse Haftungsausschlüsse jeglichen Rückgriff auf vorhandenes Vermögen verbieten. Wie kann es sonst sein, das ein immer noch steinreicher Mann eine solch gigantische Insolvenz hinlegen kann und privat nicht im geringsten Einbußen hinnehmen muss? Sch.. System!
19. August 2009 um 10:41
Ich habe gestern mit einem Betroffenen gesprochen. Der ist davon überzeugt, das die durch den Stellenabbau fehlenden Fachkräfte durch Leiharbeiter ersetzt werden.
Fakt ist, dass sie ersetzt werden müssen. Wie will man sonst ein funktionierendes, am Limit arbeitendes Unternehmen am Leben erhalten. Kurzsichtig ist aber wieder einmal der Einsatz unterbezahlter, unmotivierter überarbeiteter Leiharbeiter, die sich mit dem Unternehmen rein garnicht identifizieren können. Wie sollten Sie auch. Sie sind schließlich die modernen Sklaven, die neben sich immer noch einen fest angestellten Mitarbeiter finden – Spannungen vorprogrammiert. Naja, der Junge muss ja nur 2 Jahre durchhalten. Zwischendurch gibt’s bestimmt wieder ein paar Finanzspritzchen und gut. Zum Kotzen, diese Kurzsichtigkeit.
19. August 2009 um 10:50
Oh Gott, ich hoffe, Du liegst falsch.
19. August 2009 um 12:29
Naja, das ist meine Beobachtung – und ich bin nicht einmal vom Fach … Ich hoffe auch, dass ich falsch liege, viel Hoffnung ist es allerdings nicht.
20. August 2009 um 10:38
Schön, dass Ihr noch Hoffnung habt. So bitter es ist, ehe das Karussel auf diese Weise weiter dreht, sollte man den Schiffbau sterben lassen.
20. August 2009 um 16:46
Wat hier los, marktwirtschaftlicher Realismus? Naja, hier geht es ja auch nicht um Kultur sondern um so was schnödes wie Stahlschiffbau.
20. August 2009 um 19:51
Genau Herr Richter, sie sagen es. Irgendwie schaffen Sie es immer wieder und drehen sich die Aussagen der Diskutierenden so hin, dass Sie Frevel oder wie in diesem Fall gar böses Desinteresse zum Thema Stahlschiffbauindustrie und deren Arbeitnehmer erkannt haben zu wollen. Den Kern der Problematik haben Sie bislang jedoch gekonnt umfahren. Egal. Wozu also offene Türen benutzen, wenn eine Wand einladent nach Ihnen ruft. Auf auf und durch mit dem Kopf. Im Übrigen sehe ich gerade die funktionierende Industrie als einen Teil der unseren Kulturlandschaft. Nur zu, korrigieren, deuten und interpretieren Sie mich. Ich bin gespannt und wünsche eine gute Nacht.
21. August 2009 um 09:08
Guten Morgen Herr Weißflog, was für ein schöner Tag! Im übrigen bleibe ich dabei. So viel Realismus würde ich hier nicht erleben, wenn irgendeine Kultureinrichtung, beispielsweise eines der Subventions Theater aufgrund der Haushaltslage geschlossen werden müßte. Was den “Kern des Problems” anbelangt, lesen sie doch mal meine Kommentare…..
21. August 2009 um 10:25
Wenn ich dazu auch noch etwas sagen darf. Auch auf die Gefahr hin, wieder einmal als Kulturbanause zu gelten. Ich bezweifle ernsthaft, dass einer der 50-jährigen (Neu-)Arbeitslosen aus der Werftenkrise das Thema Kultur als genauso wichtig ansehen wirde wie seine eigene Existenz, die möglicherweise bedroht sein wird. Ebenso sehe ich es. Kultur gut und schön, nur rechnen muss auch sie sich – wir haben eben, wie Sie richtig erkannt haben, Herr Richter, die Marktwirtschaft. Was der Masse nicht gefällt fliegt raus, wird sponsoriert oder im Hochpreissegment angesiedelt. So ist es nun mal. Was nützt eine Shakespeare-Uraufführung in Unterpfaffenhofen, wenn keiner hingeht?? Warum soll dann ein Herr Richter, 650km entfernt, diese Misere bezahlen?
21. August 2009 um 10:36
Als kleine Ergänzung noch: Wir selbst haben vor 10 Jahren 3 eigene Tanztheaterstücke erdacht, die Musik geschnitten, Flyer und Plakate gedruckt, einen Trailer geschnitten, das Theater (KGB) umgebaut, die Zuschauerplätze organisiert und verbaut, die Beleuchtung gehängt und programmiert, den Einlass gemacht und die Hauptrollen gespielt …. hat sich übrigens gerechnet! War auch nicht unbedingt Mainstream. Will sagen, mit ein wenig Engagement ohne sich in seinem hochnäsigen Hochkultursessel zurückzulehnen wirds auch – man muss nur wollen. Der neue Ami im Volkstheater zumindest versucht#S. Hoffentlich scheitert er nicht an den trägen Stadtoberen.
21. August 2009 um 14:12
@ “Kultur gut und schön, nur rechnen muss auch sie sich..”
Oh, ganz gefährlicher Satz….:-)
Zum Thema Schiffbau noch eine Anmerkung: Wenn unsere russischen Freunde es schaffen, hier Arbeit bzw Aufträge an den Start zu bringen, dann mag das eine Weile gut gehen. In der Langzeitperpektive glaube ich aber eher das Werften tot sind. So viel Spezialschiffbau mit dem sich noch Geld verdienen läßt gibt es gar nicht.
Auch die vor der neuerliche Übernahme durch einen russischen Investor, durch den Insolvenzverwalters getroffene Annahme, das die Warnemünder Werft gute Chancen im Offshorebereich hat (Stichwort Offshore Windkraftanlagen), halte ich für nicht stichhaltig. Ein Beispiel: Die für diese Anlagen notwendigen Stahlfundamente kann ich auch in China und Aufsicht des Germanischen IIoyds zusammenschweißen lassen. Dann baut sich der Chinamann noch einen billigen Dampfer und fährt die Dinger nach Europa. Und das alles für die Hälfte der hiesigen Lohnkosten inkl. Transport.
21. August 2009 um 19:06
Eben – meine Worte! Wir verstehen uns Herr R.
14. September 2009 um 22:06
hat der junge bursche toll gekauft—kann er ja dann halt ja in deutschland alles abbauen und in russland wieder in 3 jahren alles aufgebaut voll in betrieb nehmen.so sollte es ja wohl sein laut russland
12. Dezember 2009 um 19:21
Der Käufer der Wadan-Werften heißt Vitaly Yusufow und nicht Igor. Igor ist der Vater von Vitaly…..
14. Dezember 2009 um 08:49
Danke für den Hinweis! In der Ostsee-Zeitung stand es m. E. anders. Ich erlaube mir, es dennoch nicht zu korrigieren, da sich ja mittlerweile wieder alles ändert und damit schließlich doch treu bleibt…