Was essen wir zu Weihnachten?

Werder Bremen ist Herbstmeister, Hansa Rostock bleibt ungeschlagen und Weihnachten steht vor der Tür. Wer die Geschenkfrage noch nicht geklärt hat, dem ist jetzt eh nicht mehr zu helfen. Was dagegen auf den Tisch kommt, lässt sich noch kurzfristig klären: Bei meinen Eltern zum Beispiel gibt es seit vielen Jahren fettfreies Putenfleisch, grüne Salate und Quarkspeisen. Dafür wird bei den Weinen gesündigt und nach der Bescherung viel geraucht. Früher gab es gelegentlich mal Würstchen mit Kartoffelsalat und in guten Zeiten auch Rumpsteak mit Kräuterbutter.
Was andere Kinder essen durften
Bei befreundeten Familien war das immer schon anders: Fett und Kohlehydrate wurden dort zu Weihnachten regelmäßig im Eimer ausgeleert – tropfende Knusperenten im Rotkohlnest, Klöße mit Speckstippe und dicke Fische mit Mandelaugen zum Abendbrot. Köstlich! Zwischendurch noch Schwarzwälderkirschtorte satt und eine Glühweinflut, die alle Dämme brach. Hinterher – je nach Provenienz und Klassenstandpunkt – Rostocker Kümmel oder Remy Martin zur inneren und äußeren Anwendung. Es folgten schwüle Stunden des irren, traumerfüllten Halbschlafes, die in ein frugales Frühstücksbuffet mit Eiern und durchwachsenem Speck mündeten. Danach begann erneut die Vorbereitung der Folgemahlzeiten.
Warum die Wirtschaft brummte
Dieser rhythmische Verzehrprozess zog sich manchmal vom 22. Dezember bis zum 2. Januar hin. Der Rest des Jahres wurde mit Ritualen der Selbstberuhigung verbracht: Joggingschuhe kaufen, Diätzeitschriften sortieren und rechtsdrehenden Joghurt verkosten. Die Rentenkassen waren voll, weil kaum jemand älter als sechzig wurde. Die Kaufhauskassen waren voll, weil jeder vor den Feiertagen den Schrank voll haben wollte. Die Konsumenten waren voll, weil sie das ganze Jahr gewurschtelt hatten, um eine Woche das große Fressen veranstalten zu können – die schönsten Tage des Jahres!

18. Dezember 2006 um 11:31
So wie du das sagst mag es wohl stimmen. Aber besinnlich klingt das nicht. Oh du grausame Wahrheit.
18. Dezember 2006 um 14:49
Tja – was essen wir? Ich sags euch: Ente mit Rotkohl und Klößen. Gut ausgerüstet mit Melzers Lukulluslexikon und derzeit noch ohne Bräter harren wir der Dinge, die wir da kredenzen wollen. Ich denke, es wird gut, immerhin beteiligt sich die ganze Familie daran. Sollte dieses Experiment in oder auf die Hose gehen, ist immer noch ein Platz im Old Western frei, wie ich hörte
P.S: Viel wichtiger ist doch wohl die Frage: Was trinken wir? Und: Was trinken wir danach?
18. Dezember 2006 um 15:18
cuba libre davor, cuba libre währenddessen (essssen) und danach ein wurzelpeter und jede menge cuba libre. und weihnachten wird wie jedes wochenende. routine hält den braten saftig.
18. Dezember 2006 um 17:47
Wurzelpeter wurde mir als Rostocker Neuling dereinst als wichtigstes regionales Getränk präsentiert. Dabei ist der gar nicht von hier, glaube ich. Dafür ist der Rostocker Kümmel zwar auch nicht aus Rostock, schmeckt aber trotzdem viel besser als Wurzelpeter nicht.
18. Dezember 2006 um 21:25
Heilig Abend:
Kartoffelsalat + Würstchen (Made by Schwiegermutter)
1. Festtag für die Familie:
Biogans + Rotkohl + Klöße + Vorspeise + Dessert (Made by Martin in Küche der Schwiegermutter, Testkochen sozusagen)
2. Festtag für die Freunde:
Bioganz + Rotkohl + Klöße + Vorspeise + Dessert (Made by Martin diesmal Heimspiel und in Perfektion)
Die Zwischenmahlzeiten lass ich als figurbetonter Rostocker einfach mal unerwähnt.
18. Dezember 2006 um 21:26
Ach ja, die Getränke….
Rotwein
Rotwein
Rotwein
Rotwein
Rotwein
…
18. Dezember 2006 um 22:37
@ Maddin,
das mit dem Cuba Libre interessiert mich beruflich. Wann Wo Wieviele?
18. Dezember 2006 um 22:57
@ marco,
jederzeit, immer und auch gerade jetzt … und jetzt … und jetzt auch. wenn wir im büro erst einmal einen kühlschrank haben, dann zieht auch dort der quell der künstlichen inspiration ein. dann aber nur ab und zu. gelegentlich so zusagen. grinz.
19. Dezember 2006 um 09:40
Ich trinke auf meiner 10.000-Meilen Hacienda ja lieber Bacardi Gold im offenen Schwenker. Das hat politische Gründe: Hatte die Bacardi-Familie früher nur unterirdische Menschenfabriken auf Kuba, so glänzte sie später durch die Einsetzung John F. Kennedys, die ersten Weltraumflüge mit faschistisch motivierten Illuminaten und eine geheime Invasion Bulgariens, dessen Geheimdienst bekanntlich das Weltbankensystem errichtete und die am 9/11 das WTC zum Ground Zero machte. Ach quatsch, andersrum!
19. Dezember 2006 um 14:45
Hmmm Barcadi Gold. Ist das nicht die braune Brühe die bei der Goldkroneproduktion als Abfall im Kessel zurückbleibt?
19. Dezember 2006 um 14:49
@ marco: so sieht es aus. und das berühmt, besungene barcadi-feeling entpuppt sich dann auch nur als geschmackspleite. wer cuba libre nicht kennt, der hat weihnachten verpennt.
19. Dezember 2006 um 15:18
Wir essen ZU Weihnachen, nicht an Weihnachten. Hier wird Deutsch gesprochen und nicht Mundart, Herr Bäuerle!
Da fällt mir ein, was essen wir eigentlich zu Weihnachten???? Noch nicht wirklich drüber nach gedacht. Oh Gott, oh Gottttttt.
19. Dezember 2006 um 15:23
lecker kartoffelsalat mit würstchen nach hausfrauenart. und die reste gehen an carl orff. weil wir sind ja so sozial.
19. Dezember 2006 um 15:28
@Axel: Der alte Streit! Deine Gattin war sich zuletzt sicher, das es »an« statt »zu« heißt. Ich würde doch auch »zu« sagen! Hüh und hott!
19. Dezember 2006 um 15:52
Was esse ich am Weinachtsabend?
Was esse ich zum Weihnachtsschmaus?
Was esse ich zur Weihnachtsgeschichte?
Was esse ich vom Weihnachtsbraten?
Was esse ich zum Weihnachtslied?
Was esse ich in den Weihnachtsstunden?
Was esse ich an den Weihnachtsfeiern?
Was esse ich um die Weihnachtszeit?
Was esse ich für die Weihnachtswampe?
Was esse ich zur Weihnachtsgans?
Was esse ich beim Weihnachtsmann?
Was esse ich über die Weihnachtstage?
Was esse ich unter dem Weihnachtsbaum?
Was esse ich bei der Weihnachtsmesse?
19. Dezember 2006 um 15:53
Puh, vom vielen Essen ist mir schon ganz schlecht.
19. Dezember 2006 um 18:00
Was esse ich hinter dem Kühlschrank?
Was esse ich neben allem anderen noch?
Was esse ich vor Schreck?
Was esse ich zwischen den Mahlzeiten?
Was soll das überhaupt?
Die Hauptsache ist doch, DASS es was gibt!
19. Dezember 2006 um 19:02
Ich esse, also bin ich?
Herr Ober: Descartes bitte!
Und zum Fest:
Kirgisischer Beschbarmak – Kirgisische Festtagssuppe
Hier nur die Zutataten für die Suppe:
(Das komplette Rezept: http://www.rezepterang.de/suppe/suppen_1837.html)
1 kg Hammelfleisch (Brust)
1 kg Pferdefleisch (Dünnung)
250 g Pferdedärme
200 g Pferdedickdärme
250 g Hammelleber
50 g Hammelfett
4 Zwiebeln
2 Teel. Schwarzer Pfeffer
4 Essl. Grüne Petersilie
100 ml Küchenkräuter
1 Knoblauchzwiebel
2,5 Liter Wasser
19. Dezember 2006 um 20:50
@Holger
Die 2,5 Liter Wasser tuen es doch vielleicht auch schon. Dann muss das auch nicht so lange kochen, da bin ich ja schon verhungert.
@Gunnar
Was esse ich hinter dem Kühlschrank?
Beschbarmak
Was esse ich neben allem anderen noch?
Beschbarmak
Was esse ich vor Schreck?
Beschbarmak
Was esse ich zwischen den Mahlzeiten?
Beschbarmak
@Alle
Beschbarmak – Beschbarmak – Beschbarmak
@greh
Aufhören, bitte!
19. Dezember 2006 um 22:13
Wie essen wir Beschbarmak?
Mit den fünf Fingern! So heißt tatsächlich die Übersetzung des Namens und
die Suppe(!) wird auch so gegessen. Touris dürfen unter einigem Gelächter auch einen Löffel verlangen.
20. Dezember 2006 um 09:31
Soso, der Kirgise ernährt sich an Festtagen also von Gedärm, dass er mit bloßen Händen verzehrt, wie die alten Germanen persönlich. Caramba! Das schlägt aber auf keinen Fall das legendäre Affenhirn, direkt aus der Hirnschale (»Gesichter des Todes«, VHS-Kopie, 1981) und die Ziegenaugen in Kraftbrühe (»Indiana Jones und der Tempel des Todes«, auf Video 2000, 1984).
19. Dezember 2006 um 15:00
Ein Mythenaufräumer gefällig? Der Drink »Cuba Libre« erhielt seinen Namen keineswegs von Poprevolutionär Che, sondern nach einem Trinkspruch US-amerikanischer Soldaten, anlässlich der Unterwerfung Kubas im spanisch-amerikanischen Krieg. Mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Cuba_Libre
20. Dezember 2006 um 11:52
Ging es nicht gerade eben noch um Weihnachtsleckereien?
Da wird einem ja schlecht…
20. Dezember 2006 um 11:55
“Affenhirn auf Eis” auch aus »Indiana Jones und der Tempel des Todes«.
20. Dezember 2006 um 11:56
Aber Sabine! Was dem Einen sien Uhl, ist dem Anderen sien Nachtigall!
20. Dezember 2006 um 13:19
@ Sabine
Wieso schlecht????
Affenhirm und Gedärme sind doch was feines
schöne Weihnachten…und guten Appetit.
Martin
21. Dezember 2006 um 09:39
Bei uns gibt es an Weihnachten übrigens Gesottenes vom heißen Stein. Dazu einen formidablen Landwein aus Apulien, bavarische Weizenbiere und Speiseeis als Tupferle. Vermute ich!
21. Dezember 2006 um 11:42
oh lala. we we. welch köstlich drive-in.