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Werder Bremen ist Herbstmeister, Hansa Rostock bleibt ungeschlagen und Weihnachten steht vor der Tür. Wer die Geschenkfrage noch nicht geklärt hat, dem ist jetzt eh nicht mehr zu helfen. Was dagegen auf den Tisch kommt, lässt sich noch kurzfristig klären: Bei meinen Eltern zum Beispiel gibt es seit vielen Jahren fettfreies Putenfleisch, grüne Salate und Quarkspeisen. Dafür wird bei den Weinen gesündigt und nach der Bescherung viel geraucht. Früher gab es gelegentlich mal Würstchen mit Kartoffelsalat und in guten Zeiten auch Rumpsteak mit Kräuterbutter.


Was andere Kinder essen durften

Bei befreundeten Familien war das immer schon anders: Fett und Kohlehydrate wurden dort zu Weihnachten regelmäßig im Eimer ausgeleert – tropfende Knusperenten im Rotkohlnest, Klöße mit Speckstippe und dicke Fische mit Mandelaugen zum Abendbrot. Köstlich! Zwischendurch noch Schwarzwälderkirschtorte satt und eine Glühweinflut, die alle Dämme brach. Hinterher – je nach Provenienz und Klassenstandpunkt – Rostocker Kümmel oder Remy Martin zur inneren und äußeren Anwendung. Es folgten schwüle Stunden des irren, traumerfüllten Halbschlafes, die in ein frugales Frühstücksbuffet mit Eiern und durchwachsenem Speck mündeten. Danach begann erneut die Vorbereitung der Folgemahlzeiten.

Warum die Wirtschaft brummte

Dieser rhythmische Verzehrprozess zog sich manchmal vom 22. Dezember bis zum 2. Januar hin. Der Rest des Jahres wurde mit Ritualen der Selbstberuhigung verbracht: Joggingschuhe kaufen, Diätzeitschriften sortieren und rechtsdrehenden Joghurt verkosten. Die Rentenkassen waren voll, weil kaum jemand älter als sechzig wurde. Die Kaufhauskassen waren voll, weil jeder vor den Feiertagen den Schrank voll haben wollte. Die Konsumenten waren voll, weil sie das ganze Jahr gewurschtelt hatten, um eine Woche das große Fressen veranstalten zu können – die schönsten Tage des Jahres!