Exakt 74.472 Stimmen erhielten die Grünen bei der letzten Wahl zur Hamburger Bürgerschaft, was ziemlich genau 6% der Wahlberechtigten entspricht. In der damaligen Wahlnacht war ich mit ein paar Freunden auf einigen Wahlpartys u. a. der CDU und zum Abschluss bei der Wahlparty der Grünen.
Was mir damals auffiel, war eine gewisse Trennschärfe, mit der das Publikum der Wahlpartys, der entsprechenden Partei zugeordnet werden konnte. Das passte mehr oder weniger auf alle Wahlpartys (CDU: Anzüge und gute Schuhe, dazu Gesichter denen ein gewisser Wohlstand anzusehen war, etc), allerdings gab es eine Ausnahme – und das war wie ich fand, die Party der Grünen. Wer dort den liberalen & ökologisch bewussten Großstädter aus Hamburg Eimsbüttel oder der Schanze suchte, der wurde enttäuscht. Zwar war diese Klientel für den Wahlerfolg der Grünen mit verantwortlich, auf der Party zu sehen war aber keiner von ihnen. Dort freute sich die übliche linksalternative Mischpoke, die auch bei der Party der Linkspartei nicht anders aussah.

Diese Geschichte fiel mir ein, als letzte Woche eine Bürgerinitiative satte 182.122 Stimmen gegen Bildungspolitik des amtierenden schwarz-grünen Senates im Rathaus abgab. Einer Bildungspolitik, die vor allem von der Grünen Bildungssenatorin Christa Goetsch dominiert wird. Kern dieser Bildungspolitik: längeres gemeinsames Lernen, Abschaffung des Elternwahlrechtes.

Da ich die Demonstration dieser Bildungsinitiative gesehen hatte und mich im Bekanntenkreis über das Thema unterhalten hatte, war mir schnell klar, dass hier nicht nur ein paar Wohlstandsbürger aus den Elbvororten demonstrierten. Nix da, es waren genau diese spätgebärenden und ökologisch korrekten Muttis, die einem auf den Wochenmärkten den Weg versperren, ein durchaus relevanter Teil der gut gebildeten Wohlstandsbürger, für den Grün für die einzig richtige politische Farbe ist.

Mir gefiel das Ergebnis dieser Bildungsinitiative aus einem Grund sehr. Endlich wurde mal wieder deutlich, was die Grünen eigentlich sind: einfach nur eine politische Minderheit. Allerdings würde ich bei einem Bürgerentscheid dann doch für die schwarz-grüne Bildungspolitik stimmen. Längeres gemeinsame Lernen halte ich doch für den richtigeren Weg und die Abschaffung des Elternwahlrechtes ist für mich nur das kleinere Übel.