Hessenwahl: Ypsilanti ungelöst
Das wirkte furchtbar verkrampft, wie Frau Ypsilanti gestern in Hessen ihren Hut und damit die Wahlschlappe auf ihre Kappe nahm. Unvergessen bleibt ihr unsäglicher Medienauftritt nach der letzten, für sie erfolgreich verlaufenen Abstimmung, als ihr Pressesprecher – mit im Fernsehbild – jeden ihrer Sätze still mitsprach. Auf Youtube wurde sie daraufhin flugs zur Frankfurter Handpuppe stilisiert…
Ganz anders Roland Koch, der trotz grenzwertiger Sprüche gegen Minderheiten und des ihm eigenen Charismas eines Schlachtereibesitzers erneut das Land Hessen regiert: Der Mann spricht offenbar selbst und wirkt relativ berechenbar. Das reichte den meisten, um ihn und seine Mehrheitsbeschaffer wieder zu wählen.


19. Januar 2009 um 15:08
Meine Begeisterung ob des politischen Abgangs dieser Dame ist grenzenlos! Allein dafür, dass die Art wie mit Dagmar Metzger umgangen wurde (die SED lässt grüßen) nicht unterbunden hat, hätte sie zurücktreten müssen.
19. Januar 2009 um 15:48
Die Begeisterung für abgehende Politiker mag groß sein, wenn jedoch der jetzige Gewinner ebenfalls nicht die bessere Alternative ist, dann fällt mir der Abschied von Frau Ypsilanti schwer.
20. Januar 2009 um 09:28
Sie ist deutlich hübscher als Herr Koch und wirkte zunächst auch sehr erfrischend, aber ihr Umgang mit Gegnern und das wortreiche Lavieren zwischen Linke-allergischer Öffentlichkeit und hessisch-pragmatischem Machtappetit waren sehr abträglich für ihren Nimbus. Schönes Leben noch! In ein paar Monaten ist Gras über die Sache gewachsen und Frau Ypsilanti wird vielleicht unter Kanzler Koch die Familienministerin der nächsten großen Koalition.
20. Januar 2009 um 10:12
Ich habe sehr gelacht als die Meldung durch den Ticker lief: “4 weitere Abweichler”. Hätte nie gedacht das ein Wortbruch einen Politiker mal echt die Beine weg haut. Und ich glaube viele in der hessischen SPD sind ganz froh das es so gekommen ist.
22. Januar 2009 um 15:53
Komisch oder? Einseits jubelt die deutsche Öffentlichkeit einen Obama entgegen, andererseits wird alles zu Brei gemacht, was auch nur ansatzweise seinen Slogans gleicht. Da wird denn sofort von Populismus und “wer soll das bezahlen” und “da wandern denn aber die arbeitsplätze ab” gelabert.
Man mag von Ypsilanti halten was man will, aber wie manche Politiker abgesägt werden, von der eignen Partei, ist schon hart.
Man erinner sich an den Fall der Heidi Simonis. Courage ist ja eigentlich in der Politik fehl ab Platze, aber das Rückrat zu haben, seine Ansicht nicht erst dann offen zu legen, wann sie der eigenen Partei am meisten schadet, sollte doch Standard sein.
22. Januar 2009 um 16:08
Zitat: »Man mag von Ypsilanti halten was man will, aber wie manche Politiker abgesägt werden, von der eignen Partei, ist schon hart.«
Ja, aber die Medien sägen ordentlich mit, so dass man in Berlin auch dann nicht mehr auf Stopp drücken kann, wenn man es sogar gegen die eigene Partei vielleicht noch tun würde.
22. Januar 2009 um 17:05
@ aber wie manche Politiker abgesägt werden, von der eignen Partei, ist schon hart.
Wieso? Sie hätte ja nur mal von alleine auf die Idee kommen können, dass ein rechtzeitiger Rücktritt ihrer Partei mehr genützt hätte. Triftige Gründe dafür gabs mehr als einen.
So durfte sie die Erfahrung teilen die „Heide – was wird dann aus mir – Simonis“ schon gemacht hat. Negative Konditionierung sozusagen.
22. Januar 2009 um 18:02
Rücktritt? Warum sollte sie zurück treten? Sie hat den Auftrag von den Wählern bekommen, eine Regierung zu stellen.
Sie hatte die Wahl: Mit Koch oder mit Links. Und da sie angetreten ist, Koch’s Herrschaft zu beenden, hat sie dementsprechend Politik gemacht. Muss doch jedem Wähler klar sein, das man als Partei Koalitionen eingehen muss.
Ein von den Medien erzwungenes Nein zu Linkspartei, das war der Fehler.
22. Januar 2009 um 19:56
@ Ein von den Medien erzwungenes Nein zu Linkspartei
Der Bürger als unmündiger Souverän soll das wohl heißen.
Es kann aber auch sein, dass Bürger gebrochene Wahlversprechen nicht goutiert. Ebenso wenig den schon angesprochenen Umgang mit einer Abgeordneten die sich Verfassungskonform verhalten hat. Und spätestens mit den drei weitern Abweichlern wurde doch klar, das Frau Ypsilanti einen Teil der hessischen SPD nicht mit „auf die Reise genommen hat“. Die Frau hat ihre eigene Partei völlig zerlegt und der Wähler hat passende Quittung dafür gegeben. Reicht das nicht, oder rechtfertigt ein „Koch muss weg“ wirklich Alles? Im Übrigen hatte sie 2008 keinen Auftrag zur Regierungsbildung, dazu fehlten ihr ca. 3000 Stimmen.
23. Januar 2009 um 16:00
Sorry Martin!
Vieles ist richtig und vertretbar.
Aber unter der Überschrift “Koch muss weg” steht mehr als bloße Ablehnung.
Wenn ein Politiker bewusst mit Slogans wie “Kriminelle Ausländer abschieben” und “Ypsilanti und al-Wazar” wirbt, dann steht er dicht bei Demagogen, und nur ein klitzekleines Stück vom Neofaschismus entfernt.
Die Ursasche für seine Außerung (Kriminelle Ausländer …) suchte er bei zwei Jugendlichen zu suchen, die in München einen Rentner in einem U-Bahnhof verprügelt haben. Beide Täter haben Eltern mit Mirgationshintergrund, sind in Deutschland geboren und passten dem sauberen Herr Koch grad ganz passabel in den Wahlkampf.
Die Ursachen dafür sind aber mit Sicherheit woanders zu suchen.
Nämlich unter anderem in der Bildungspolitik und im Bereich der Integration. Und da ist Hessen SCHLUSSLICHT!
Das es nach der ersten Wahl nicht zu einer rot-grünen Mehrheit reichte, und Frau Ypsilanti sich nach anderen Möglichkeiten umsehen musste, ist bekannt. Das sie mit der FDP + Grüne wollte, sich die FDP aber weigerte ist auch hinlänglich bekannt. Da blieb ja nach dem Wahlergebnis nun noch die Linke übrig, auch wenn als Unterstützer einer Minderheitsregierung.
Keine Politikerin oder Politiker mit Rückrat würde sich freiwillig mit jemanden in den Koalition begeben, der den anderen mit einer Plakatkampagne und dem imaginären “Makel”: “Ausländer” in Mißkredit gebracht sehen wollte. Solche Typen sollten in unserer politischen Landschaft keine Rolle mehr spielen.
Von daher, ja, man sollte versuchen, solch eine Person mit allen (gewaltlosen) Mitteln anzulösen.
Ich halte Herrn Koch für einen gefährlichen Machtstrategen.
26. Januar 2009 um 09:26
Hochinteressant finde ich übrigens, dass die Ausländerthematik in Rostock und den Neuen Ländern bei den Rechten wirklich nur eine rein imaginäre Rolle spielen kann. Immer noch liegt ihr Anteil hier so niedrig, wie in Hessen und dem Restwesten zuletzt vielleicht in den fünfziger Jahren.
28. Januar 2009 um 13:37
@ Roland Koch, etc..
Ich kann mich nicht erinnern, hier das Hohelied für Roland Koch gesungen zu haben. Das der Mann nicht wählbar ist, steht nicht zur Disposition. Worüber man aber diskutieren kann, ist die Art Politikstil von Frau Ypsilanti. In diesem Forum schreibt ja der eine oder andere, der sich mit Markenführung beruflich beschäftigt und bei der Beschäftigung mit diesem Thema geht es immer wieder um die Frage wofür steht die Marke oder was ist der “genetische Code einer Marke” (wer will kann hier auch einen anderen Marketingspruch einfügen) Und diese Fragen lassen sich auch auf die SPD und deren Spitzenkandidatin übertragen. Wofür steht denn eine Partei wie die SPD? Wenn ich so vorgehe wie Frau Ypsilanti werde ich beliebig, dann gewöhne ich den Wähler noch mehr daran, das es eigentlich egal ist was Politiker sagen wie sie handeln. Wenn sich Wähler und Politiker an diese Handlungsmaxime gewöhnen (Das mal bitte richtig durchdeklinieren!) dann gute Nacht Deutschland. Frau Metzger hat das verstanden: „Hätten wir gegen unser Wort gehandelt, wären wir nicht besser als Koch«, sagt Dagmar Metzger. Und sie meint jenen alten Fuchs, der keine Finte scheut, um an der Macht zu bleiben. Und überhaupt – die ganze CDU, Partei der schwarzen Kassen und falschen Ehrenworte, der Meineide, Männerbündeleien und illegalen Machenschaften. »Von der CDU erwartet man doch nichts anderes«, sagt Frau Metzger, deren eben begonnene Politkarriere dank ihres Gewissens auch schon wieder zu Ende ist, »die SPD aber steht für 145 Jahre Ehrlichkeit, und die hätten wir fast verspielt.“ (Zitate aus: Die Zeit)
Und Sorry Muidem, was soll diese Suade auf Roland Kochs Vergehen? Ist ja alles richtig aber der Zweck heiligt alle (gewaltlosen) Mittel? Mit der Denke komme ich – wie in Ansätzen gesehen – doch recht schnell zu einem totalitären „entweder bis du für mich oder gegen mich“
– und das brauch ich nicht, das kenn ich schon.